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Stolberg: Burghof-Theater zeigt „Dr. Kortum - Arzt in Stolberg”

Stolberg : Burghof-Theater zeigt „Dr. Kortum - Arzt in Stolberg”

Schlütze Hein hat keine Kraft mehr. Dabei war es doch sonst nie ein Problem für den 48-Jährigen, die schwere Arbeit am Schmelzofen zu tun. Nun sitzt der Arbeiter wie ein Häuflein Elend beim „Herrn Doktor”.

„Seine Hände kann er kaum mehr heben. Der Gesamteindruck ist schlecht: Er verliert an Gewicht, seine Haut ist unrein, die Zähne sind kariöse Stumpen, der Atem faulig”, diktiert Dr. Carl Theodor Georg Kortum seinem Sekretär.

Der Medicus ahnt, an welcher Krankheit sein Patient leidet: Der blutige Durchfall, die Appetitlosigkeit, sie sind Anzeichen für eine Bleivergiftung. Zu oft hat der Medikus diese Erkrankung schon diagnostiziert.

Ein Übel, dass viele der Männer an den Schmelzöfen heimsucht, und das zu einem qualvollen Tod führt. Die Ausbeutung der Arbeiter in den Kupferhöfen Anfang des 18. Jahrhunderts, davon berichtet das Stück „Dr. Kortum - Arzt in Stolberg”. Geschrieben hat das Stück, das auf Original-Aufzeichnungen beruht, ebenfalls ein Medikus: Es stammt aus der Feder von Professor Dr. Roland Fuchs.

Die Bühne im gemütlichen Burghof-Theater verwandelt Regisseurin Karin Graf in eine Arztpraxis im Jahre 1794. In Form von Patientengesprächen erfährt der Zuschauer viel über die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit. Das Stück reflektiert aber auch die gesellschaftlichen Unterschiede Anfang des 18. Jahrhunderts. Damit das Publikum vollends in die Zeit eintaucht, wird bewusst im Sprachmodus der Menschen aus jenen Tagen gesprochen.

Die Hauptrolle des Arztes übernimmt der Autor selbst. „Er wollte Dr. Kortum unbedingt selbst spielen”, freut sich die ausgebildete Schauspielerin Karin Graf auf die Aufführung im September.

Das Stück dauert etwa eine halbe Stunde. „Viele der Arbeiter waren buchstäblich bis in die Haarspitzen mit Blei vergiftet. Ein Patient hatte dadurch sogar grüne Haare”, berichtet die Regisseurin.

Die Patientenakten bzw. die Gespräche zeichnen aber nicht nur ein Bild von den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Interessant ist das Stück auch im Hinblick auf den medizinischen Fortschritt: In einer Szene etwa kostet Dr. Kortum vom Urin eines Patienten, um so Hinweise auf die Erkrankung zu erhalten. Heutzutage reicht ein Tropfen für die Untersuchung im Labor - und zwar ohne „Kostprobe”.

In einer Szene bittet ein schmerzgeplagter Kupferhofbesitzer den Arzt um Hilfe. „Dr. Kortum fragt ihn, was er gegessen hat.” Wie sich herausstellt, hatte der Industrielle am Abend zuvor mit Freunden fürstlich getafelt - was einen Gichtanfall auslöste. Das war eine typische Krankheit der Reichen”, sagt Graf.

Es ist Ironie des Schicksals, dass Menschen wie Schlütze Hein vor dieser Krankheit sicher waren, weil ihre Tafel zeitlebens karg gedeckt war.