"Angie´s Bistro" schließt: Büsbacher Vereine wieder ohne Saal

"Angie´s Bistro" schließt : Büsbacher Vereine wieder ohne Saal

„Angie’s Bistro“ war in Stolberg eine beliebte Adresse. Nach 17 Jahren endet am 30. Juni diese Ära jedoch. Angie und Rolf Koch gehen in Rente. Sein 70. Geburtstag Ende Juni dürfte wohl die letzte große Party im Büsbacher Saal werden.

„Wenn der Saal geschlossen ist, ist das Geschrei der Vereine groß. Ist aber offen, dann lassen die Büsbacher ihren Wirt hängen.“ Das sagte im Januar 2001 Rolf Koch gegenüber unserer Zeitung. „Und daran hat sich bis heute nichts geändert.“ 1999 hatten der Büsbacher Malermeister und sein Sohn Ingo die Saalgaststätte erworben, als die klamme Stadt die Immobilie versilbern wollte – mit der Auflage, den Saal 20 Jahre lang zur Nutzung durch die Bevölkerung zu erhalten.

2001 wurde das Gebäude aufwändig umgebaut, am 31. August 2002 feierte Kochs Ehefrau ihre Eröffnungsparty: „Angie’s Bistro“ wurde zu einer beliebten Adresse. Nach 17 Jahren endet am 30. Juni diese Ära. Angie (67) und Rolf Koch ziehen sich aufs Rententeil zurück. Sein 70. Geburtstag Ende Juni dürfte wohl die letzte große Party im Büsbacher Saal werden.

Damit stehen die Büsbacher Vereine wie zwei Jahrzehnte zuvor wieder vor einem Problem: Wo sollen sie nun ihre großen Veranstaltungen abhalten? Allen voran stellt sich die KG Büsbach diese Frage, die mit vier bis fünf Veranstaltungen im Jahr den Saal füllte. Treuer Gast ist der Männergesangsverein mit zwei stets ausverkauften Konzerten und wöchentlichen Proben. Die St.-Hubertus-Bruderschaft ist mit ihrem gut besuchten Schützenfest Nutzer, die IG Büsbach mit ihrem Seniorenkarneval.

Über die Jahre lockte der Büsbacher Saal viele „auswärtige“ Gäste an, wie die KG Erste Große mit ihrer Mädchensitzung und die Erste Kleine; die IGBCE ehrte einmal im Jahr hier ihre Jubilare. Parteien nutzten den großen und kleinen Saal. Hochzeiten, Schulabschlüsse und Betriebsfeiern komplettieren das Portfolio ebenso wie Veranstaltungen, die Angie in Eigenregie aus der Taufe hob. Selbst der Büsbacher Weihnachtsmarkt war schon zu Gast im Saal von „Angie’s Bistro“. Kurzum: In sechs Wochen geht eine Ära zu Ende.

Möchten nun ihren Ruhestand genießen: Angie und Rolf Koch ziehen sich aus der Büsbacher Saalgaststätte zurück. Foto: Jürgen Lange

Dass dieses Ende früher oder später kommen würde, war Gästen und Büsbachern stets mehr oder weniger bewusst. Dass es nun so plötzlich kommt, hat selbst Ingo Koch als mittlerweile alleinigen Besitzer der Immobilie überrascht. Er erfuhr es kurz vor seinem Urlaub, aus dem er erst wenige Tage wieder zurückgekehrt ist.

„Ob und wie genau es weitergehen kann, weiß ich noch nicht“, sagt Ingo Koch. Für ihn steht hinter der Zukunft von Gaststätte und Saal noch ein Fragezeichen. Gewiss ist für ihn nur, dass zumindest für die Räume des Bistros akuter Handlungsbedarf besteht. „Ich bezweifele allerdings, dass ich angesichts der Lage in der Gastronomie einen solventen und verlässlichen Pächter in kurzer Zeit finden kann.“ Mögliche Alternativen sind für ihn eine Abtrennung vom Saal und eine anderweitige Nutzung als Gewerbeeinheit oder Wohnung.

Eine Zukunftslösung für den Festsaal zu finden, brennt Ingo Koch nicht ganz so heiß unter den Nägeln. Der Büsbacher zeigt sich pragmatisch und ist bereit, den Vereinen die Hand zu reichen. „Wenn der Saal für eine Veranstaltung genutzt werden möchte, können wir sicherlich eine Lösung gegen Entgelt finden“, sagt Koch und verweist auf die laufenden Kosten. Der Saal selbst kann separat von der Gaststätte betrieben werden.

Allerdings erfordere ein weiterer Betrieb des Saales absehbar weitere Investitionen. Heizung und Klimaanlage müssten auf aktuellen Stand gebracht werden, und eine Renovierung der Räumlichkeiten sei auch geboten. „Nicht zu übersehen ist die gewachsene Konkurrenz durch neue Veranstaltungsorte“, unterstreicht Ingo Koch: Bei Hochzeitsgesellschaften etwa Gut Kranensterz, Kupferhof Rosental und die Burg sowie für unterschiedliche Feste Vereinsheime und Bürgerhäuser, wo die Gastgeber eigenständig für Speis und Trank sorgen. Das neue Donnerberger Bürgerhaus auf der gegenüberliegenden Talseite sei zu einem spürbaren Konkurrenten geworden. „Die Selbstversorgung liegt im Trend“, sagt Ingo Koch, während im „Angie’s“ eben mit dem Verkauf der Getränke das Geld verdient wurde.

„Zum alten Rathaus“ 1999: So kauften Koch die Immobilie der Stadt ab. Foto: Jürgen Lange

Die Aussichten, den großen Festsaal mit seinem gemütlichen Bistro nachhaltig in Büsbach zu sichern, stehen nicht zum Besten. Nicht zum ersten Mal in der langen Geschichte der Liegenschaft steht die Zukunft auf der Kippe. Errichtet worden war das Gebäude um 1900 und zuletzt 1982 in Teilbereichen modernisiert, bevor die Stadt Stolberg 1998 und 1999 drei Anläufe brauchte, um die Saalgaststätte an den Mann zu bringen.

Über Jahrzehnte war sie ein zentraler Drehpunkt des Dorfes, und das, obwohl Büsbach bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts noch zahlreiche Gaststätten – teilweise mit Sälen – aufweisen konnte. Zudem wurde 1983 nach zweijährigem Umbau das ehemalige Rathaus als Bürgerhaus (seit 2002 unter der Regie der Schützen) eröffnet und sorgte somit als Veranstaltungsort für zusätzliche Konkurrenz zum gegenüberliegenden „Zum alten Rathaus“, wie die Gaststätte bis zur Eröffnung von „Angie’s Bistro“ hieß.

Über viele Jahre hinweg waren im „alten Rathaus“ Doris und Kurt Kochs die verlässlichen Partner für die Büsbacher und ihre Vereine. Aber bereits seinerzeit monierten die Wirtsleute, dass die Vereinsgaststätte außerhalb der Veranstaltungen kaum noch Anlaufstelle für die Mitglieder der Vereine war.

Als die Eheleute im Frühjahr 1996 in Pension gingen, war der Aufschrei der Vereine groß, als der Nachfolgewirt nach kurzzeitigem Engagement spurlos verschwand. In den Stunden der Not nahte Hilfe aus Weisweiler: Dieter Zorn, Betreiber des früheren Café Central und der Gastronomie des ehemaligen Weisweiler Freibades, übernahm Ende 1996 die Büsbacher Saalgaststätte.

Dreieinhalb ereignisreiche Jahre erlebten die Büsbacher mit Dieter Zorn als Wirt, der eine Band im Gebäude beherbergte, das Speiseangebot ausbaute und sich als erster an die Bewirtschaftung des Marktplatzes wagte. Mittfasten 2000 war Zorns letzte Veranstaltung, am nächsten Tag schloss die Kneipe. KG, Mandolinenorchster und Schützen standen mit geplanten Veranstaltungen vor verschlossenen Türen. Im Hintergrund bestanden zwischen Zorn und einem Bierverlag als Verpächter der Gaststätte Unstimmigkeiten.

Selbst Rolf und Ingo Koch als Eigentümer der Immobilie mussten nach dem Kauf 1999 bis zum Auslaufen des Pachtvertrages mit dem Bierverlag bis Ende Juli 2001 warten, ehe sie mit dem Umbau des Gebäudes beginnen konnten. In der Zwischenzeit sprang der damalige KG-Elferrat Frank Wehner als Wirt ein – ursprünglich mit dem Gedanken, in der restaurierten Gaststätte weiterzumachen. Aber auch Wehner merkte schnell: „Die Vereine kommen nur, wenn sie den Saal nutzen wollen, sonst lassen sich die Mitglieder das Jahr über kaum sehen“, sagte er im Januar 2001. Am 23. Juni legte er die Wirtsschürze beiseite.

Im August 2001 konnte Koch endlich mit der Sanierung des Altbaus beginnen. Ein Jahr lang mussten die Vereine ohne „ihren“ Saal auskommen. Im Dezember 2001 wurde Richtfest gefeiert, und am 31. August 2002 eröffnete Angie Koch ihr Bistro. „DJ Mühli“ und die Band „Große Freiheit“ sorgten für Stimmung in dem Bistro, das im amerikanischen Stil und mit schmuck renoviertem Saal neue Akzente in der Stolberger Szene setzte. Der Begriff Erlebnisgastronomie wurde nun in Büsbach groß geschrieben.

Schnell wurde das „Angie’s“ zu einem beliebten Treffpunkt für jüngere und ältere Gäste aus Büsbach und vor allem auch aus anderen Orten. Doch die Zeit der rauschenden Feste ging nach glücklichen Anfangsjahren immer mehr zur Neige. Kaffee und Kuchen, Karaoke, Sportübertragungen, eigene Konzerte und die Kommunikation an einer gemütlichen Theke lockten mit der Zeit immer weniger Gäste in die Kneipe. Letzte Konsequenz nach intensiven Versuchen mit reduzierten Preisen, Partyabenden und anderen Lockangeboten gegenzusteuern war eine Reduzierung der Öffnungszeiten. Während der vergangenen Monaten blieben der Freitag-, Samstag- und Montagabend, um auf einen Plausch Angie einen Besuch abzustatten. Ein Sitzplatz an der Theke ist dabei fast garantiert.

Konnten Rolf und Angie Koch anfangs noch mit umsatzstarken Saalveranstaltungen ausbleibende Einnahmen des Thekengeschäfts ausgleichen, so wird in den vergangenen Jahren auch dieser Geschäftszweig immer schwieriger. Der Aufwand steigt, der Umsatz sinkt. „Hinzu kommt noch der ganze Ärger“, sagt Rolf Koch und denkt dabei beispielsweise an die Karnevalsfeten, die nur noch durch den intensiven Einsatz von Ordnungskräften im Griff zu halten sind. Kurzum: „In unserem Alter müssen wir uns das nicht mehr antun“, sagt Rolf Koch, und auch die quirlige Angie gewinnt langsam der neuen Perspektive immer mehr positive Seiten ab.

Derweil überlegen die Vereine, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Gestern Abend tagte die IG Büsbach auch zu diesem Thema. Erste Alternativen werden skizziert. Spekuliert wird über einen Ankauf durch die Stadt nach dem Vorbild des Donnerberger Bürgerhauses. Der MGV könnte im Hubertushaus proben und im Zinkhütter Hof konzertieren. Die KG könnte ins Münsterbuscher Jugendheim ausweichen, wo sie aber ihre Termine mit einigen weiteren Gesellschaften koordinieren müsste. Sorgenfrei ist nur der Billard-Club. Bereits vor vier Jahren wechselte er aus dem „Angie’s“ ins Nachbarhaus: Eine ehemaliges Blumengeschäft baute der BSC zum Vereinsheim um.

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