Büsbacher St.-Hubertusschützen setzen auf neues Angebot

Schützen setzen auf neues Angebot : Kirmes ist tot: Es lebe die Schießwoche!

Schützen tragen Uniformen und schießen auf den Holzvogel? Nicht nur. Es gibt einen Aspekt, der meist nur wenig Berücksichtigung findet. In Büsbach ist das ein wenig anders. Die St.-Hubertusschützen setzen nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr auf das neue Angebot.

Wer an Schützenbruderschaften denkt, hat Umzüge in Uniformen und mit Majestäten und deren Gefolge aus Damen in prächtigen Kleidern und Herren in festlicher Garderobe vor Augen. Doch die Brauchtumspflege unter dem Motto „Glaube, Sitte, Heimat“ ist nur ein Aspekt der historischen Schützenbruderschaften.

Ein anderer ist der Schießsport. Dem trägt die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Büsbach in mehrfacher Hinsicht Rechnung – etwa mit der zweiten Schießsportwoche, die jetzt in Büsbach ansteht.

„Während der Königsvogelschuss auf den Holzvogel durchaus auch eine Glückssache ist, stellt das Sportschießen mit dem Luftgewehr wirklich eine sportliche Herausforderung dar. Körper und Geist müssen in Einklang gebracht werden, und die Konzentration muss hoch sein“, erklärt Ilja Bröhan. Training und Wettbewerbe hätten andererseits eine entschleunigende Wirkung und danach seien die Sportschützen sehr entspannt, meint der 2. Brudermeister der Büsbacher Schützen, der gemeinsam mit Schießmeister Thomas Dormann die Schießsportwoche organisiert.

Offiziell beginnt die Woche im Büsbacher Bürgerhaus an der Konrad-Adenauer-Straße 121 mit dem Halloween-Schießen am Donnerstag, 31. Oktober, und zwei Tage mit drei verschiedenen Wettbewerben folgen (siehe Infokasten). „Eine ganze Schießsportwoche ist es aber trotzdem, denn von Montag, 28. Oktober, an können Interessierte Termine mit uns vereinbaren, um an den Wettbewerben teilzunehmen“, erklärt Bröhan, dass die Hubertus-Bruderschaft die zweite Schießsportwoche so entzerren wollen.

Aus gutem Grund, wie der 1. Brudermeister, Heinz Offermann, erläutert: „Als wir im vergangenen Jahr die erste Schießwoche angeboten haben, waren wir von der Resonanz positiv überwältigt. Insgesamt haben wir mehr als 120 Teilnehmer gezählt, und jetzt drei Tage für terminierte Teilnehmer freizuhalten, kommt besonders Gruppen zugute.“ Wobei diese nicht unbedingt aus befreundeten Bruderschaften und Schützenvereinen kommen müssen, denn die Büsbacher Schießsportwoche richte sich auch an andere Vereine, Gruppen aus Betrieben oder aus der Nachbarschaft. „Auch Menschen ohne Schießerfahrung sind uns herzlich willkommen“, sagt Bröhan: „Jeder kann mitmachen.“

Zur zweiten Büsbacher Schießsportwoche sind erfahrene Schützen ebenso eingeladen wie Anfänger. Foto: Dirk Müller

Oder besser gesagt fast jeder, denn die gastgebenden Schützen selbst bleiben außen vor und nehmen lediglich am Halloween-Schießen teil – und auch dies außerhalb der Wertung. „Wir hätten einfach einen zu großen Heimvorteil und halten uns der Fairness halber lieber zurück“, so Bröhan. Dass die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Büsbach den sportlichen Aspekt ebenso groß schreibt wie die traditionelle Brauchtumspflege, werde auch anderweitig deutlich: „Seit etwa einem Jahr schießen wir nicht mehr nur im Bund der Historischen Schützenbruderschaften, sondern auch im Rheinischen Schützenbund“.

In Letzterem seien Sportschützen organisiert, die sich bei entsprechender Leistung bis zu den Olympischen Spielen qualifizieren. So weit mögen die Ambitionen der Büsbacher nicht reichen, aber „zwei unserer Damen waren kurz davor, in die Endrunde der Deutschen Meisterschaft einzuziehen. Es haben nur ein paar Punkte gefehlt“, sagt Bröhan.

Die nun anstehende Schießsportwoche richte sich sowohl an erfahrene Schützen, als auch an Einsteiger und zum Ausprobieren, für das besonders das Halloween-Schießen bestens geeignet sei. „Das ist eine unterhaltsame Mischung aus Schießbude und Disco, bei der Nebelmaschine, Schwarzlicht und mehr zum Einsatz kommen.“

Geschossen wird bei der Bruderschaft übrigens nicht nur mit Luftgewehren: Die Büsbacher Schützen waren die ersten im Stolberger Stadtgebiet, die eine moderne Anlage mit Lasergewehren und Laptop angeschafft haben, damit auch Kinder von sechs bis zwölf Jahren an den Schießsport herangeführt werden können. Und der Büsbacher Verein war der letzte, der noch eine Dorfkirmes mit Buden und Fahrgeschäften auf die Beine gestellt hat. Bis jetzt, denn zum kommenden Patronatsfest der Schützenbruderschaft aus dem Jahr 1623 und wohl auch künftig fällt die Hubertus-Kirmes aus.

„Es war ohnehin immer schwerer, Schausteller für unsere kleine, aber feine Dorfkirmes zu gewinnen, auch wenn wir selbst die Standgebühren übernommen haben. Zu unserem Patronatsfest im November sind viele Schausteller bereits im Winterlager“, erklärt Brudermeister Heinz Offermann. Den letzten Ausschlag gegeben, die Hubertus-Kirmes aufzugeben, habe die mangelnde Resonanz der Bürger. „Es sind schlichtweg nur sehr wenige Besucher zu unserer Kirmes gekommen.“ Der Aufwand und vor allem die Kosten für die Büsbacher Schützen hätten in nicht tragbarer Relation zu den Besucherzahlen gestanden.

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