BSR-Radsporttag: Ehemaliger Radrennprofi Stefan Ganser im Interview

Ehemaliger Radrennprofi über besondere Momente : „Das war ein großer Gänsehaut-Moment für mich“

Wenn am Samstag, 17. August, um 15.15 Uhr der BSR-Radsporttag in Breinig stattfindet, hat Stefan Ganser vor den Wettbewerben, während der Rennen und nach dem Event alle Hände voll zu tun. Ganser zählt zu den freiwilligen Helfern bei der Veranstaltung und hat als ehemaliger Radrennprofi eine ganz persönliche Beziehung zum BSR-Radsporttag.

Mit Stefan Ganser sprach Dirk Müller über das Sportspektakel, besondere Momente und mehr.

Was sind Ihre Aufgaben als ehrenamtlicher Helfer beim BSR-Radsporttag?

Ganser: Ich bin regelrecht ein „Mädchen für alles“ und helfe zum Beispiel beim Aufbau der Absperrgitter, des Start- und Zielbogens und der Beschallung sowie beim Anbringen der Werbebanner. Die Jury versorge ich mit Essen und Getränken, während der Rennen sitze ich auch im Führungswagen. Bei den Siegerehrungen stelle ich das Podest auf und reiche Blumen und Pokale an, nach dem BSR-Radsporttag bin ich dann beim Rückbau in Aktion. Ach ja: Vor den Rennen kehre ich noch die Strecke.

Wieso kehren Sie den Rundkurs? Sind Breinigs Straßen so schmutzig?

Ganser: Nein, das nun wirklich nicht. Beim Kehren geht es nicht um etwaigen Dreck, sondern um die Sicherheit. Die Sportler sollen sich keine platten Reifen einhandeln, also gilt es, spitze Steine oder verirrte Scherben von der Strecke zu entfernen. Größere Steine oder natürliche Gefahrenquellen, wie etwa heruntergefallene Tannenzapfen könnten auf dem kurvigen Kurs zu Stürzen führen und müssen daher auch weggefegt werden.

Wie beurteilen sie den Stellenwert des Stolberger Radsporttags?

Ganser: Der BSR-Radsporttag hat einen hohen Stellenwert für das Publikum und die Aktiven. Gerade die Nachwuchsfahrer brauchen Rennen und Wettkampfpraxis, und für die Zuschauer haben die Wettbewerbe und insbesondere das Hauptrennen am Abend sportliche wie auch gesellige Komponenten. Die Bedeutung des BSR-Radsporttags ist den vergangenen Jahren sogar noch größer geworden. Es gibt immer weniger Radrennen, da die Ausrichter unter strikteren Auflagen leiden und mehr Kosten stemmen müssen, andererseits aber oftmals weniger Sponsoren und freiwillige Helfer haben. Der BSR-Radsporttag in Stolberg hingegen ist dank der Sponsoren und der Ehrenamtler eine feste Konstante und wird es hoffentlich auch bleiben, zumal er den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Breinig und Stolberg stärkt.

Inwiefern wird der Zusammenhalt gestärkt?

Ganser: Der BSR-Radsporttag ist ein sportliches wie gesellschaftliches Ereignis und zieht viele Zuschauer an. Es ist also auch ein beliebter Treffpunkt für die Menschen. Ausgerichtet werden die Rennen von den beiden Radsport-Vereinen RSC Stolberg und RC Dorff, und aus Breinig sind mit der Löschgruppe der Freiwilligen Feuer, der Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes DRK und Helfern der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft weitere Vereine aktiv. Zudem leuchtet die Ortsgruppe Stolberg des Technischen Hilfswerks THW die Strecke beim Hauptrennen aus. Es sind also insgesamt sechs Vereine am BSR-Radsporttag beteiligt und auch Helfer ohne Vereinsanbindung unterstützen die Veranstaltung. Diese Zusammenarbeit ist schon toll.

Was steckt hinter Ihrer persönlichen Beziehung zu den Radrennen in Stolberg?

Ganser: Als Straßenradfahrer habe ich natürlich immer sehr gerne am BSR-Radsporttag teilgenommen. Es war jedes Mal ein beeindruckendes Erlebnis, vor dem heimischen Publikum und auf Strecken zu fahren, die man bestens kennt. In meiner Zeit als Radprofi konnte ich das Hauptrennen des BSR-Radsporttags, der seinerzeit noch abwechselnd in Breinig und in Gressenich stattfand, zudem drei Mal gewinnen. 2009 und 2011 habe ich in Gressenich gewonnen, und ganz besonders war das Jahr 2012, als ich Breinig mein letztes Rennen damals für unser Stolberger Profi-Team Eddy Merckx Indeland gewinnen konnte, bevor ich meine Profilaufbahn beendet habe. Das war ein großer Gänsehaut-Moment für mich.

Ehemaliger Radrennprofi: Stefan Ganser. Foto: Dirk Müller

So ganz abgeschworen haben Sie dem aktiven Radsport aber nicht...

Ganser: Stimmt. Im Sommer fahre ich Mountainbike-Marathons. Das sind 80- bis 100-Kilometer-Distanzen auf Naturstrecken, und ich nehme an Rennen zum Beispiel in der Eifel, im Westerwald und im Sauerland teil. Im Winter fahre ich Cyclocross. Das sind Querfeldeinrennen über kleinere Runden und meist eine Stunde, die mit speziellen Rennrädern mit Geländebereifung gefahren werden.

Kommt Ihnen dabei die vorherige Karriere als Straßen-Profi zugute?

Ganser: Ganz sicher. Als ehemaliger Straßenfahrer musste ich nicht bei Null anfangen. Kraft, Ausdauer und ein gewisses Maß an Radbeherrschung waren bereits vorhanden. Allerdings stellten das Fahren über Sand und Lehm, in Schlamm und Dreck und über unebenes Gelände durchaus auch neue Herausforderungen für mich dar. Dennoch profitiere ich von meiner „Vorbelastung“. Im Cyclocross bin ich NRW-Meister in der Klasse Senioren 2, und auf dem Mountainbike habe ich beispielsweise den Rursee-Marathon und die Vier Stunden von Hürtgenwald gewonnen.

Zurück zum BSR-Radsporttag: Wie ist es um die Teilnehmerzahl der Nachwuchsrennen bestellt?

Ganser: Generell sind die Teilnehmerzahlen in den Schüler- und Jugendrennen in den vergangenen zehn Jahren ein wenig rückläufig. Beim BSR-Radsporttag sind sie aber seit etwa fünf Jahren konstant. Außerdem haben wir auf die Entwicklung reagiert: Schüler U11 bis U15, Jugend U17 und Frauen sowie Senioren und Junioren U19 gehen beim BSR-Radsporttag jeweils gemeinsam an den Start, wobei die Klassen in eigenen Wertungen fahren. Für die Sportler und für das Publikum ist es schöner, dass es dadurch größere Fahrerfelder gibt, und wir können damit den Zeitplan raffen, so dass die Geduld der Anwohner nicht überstrapaziert wird.

Stefan Ganser (links) führte das Feld beim BSR-Radsporttag 2012 an und gewann am Ende das letzte Rennen seiner Profilaufbahn vor heimischem Publikum in Breinig. Foto: Dirk Müller

Wie hat sich das neue Laufrad-Rennen für Kinder als Rahmenprogramm bewährt?

Ganser: Ganz hervorragend. Es ist bei der Premiere 2018 bei Kindern, Eltern und Zuschauern bestens angekommen. Jetzt beginnt es aber schon um 17 Uhr, damit die Kleinen früher ins Bett können. Wir haben schon 40 Voranmeldungen, und Eltern können ihre Kinder im Alter von ein bis vier Jahren noch bis 16.30 Uhr anmelden. Die Kinder müssen selbstständig Laufrad fahren können und selbstverständlich Helme tragen.

Zum Rahmenprogramm zählen aber noch weitere spezielle Attraktionen.

Ganser: Ja, der BSR-Radsporttag war vor einigen Vorreiter und hat in der weiteren Region das erste und damals einzige Derny-Rennen auf der Straße etabliert. Auch heute ist das Derny-Rennen wieder ein Publikumsmagnet. Leichte Motorräder dienen den Radfahrern dabei als Schrittmacher. Im Windschatten erreichen die Radfahrer so beeindruckende Geschwindigkeiten, und es ist ein ansprechendes Spektakel, wenn die Motorräder mit den Rennfahrern im Schlepp durch Breinig knattern. Noch mehr Abwechslung bekommt der BSR-Radsporttag durch den „Rundenrekord“. Das ist ein kurzes Einzelzeitfahren, bei dem die Teilnehmer zwei Versuche haben und dank moderner Zeitmessung und Transponder-Technik gegen die Uhr fahren.

Was erwarten Sie vom Hauptrennen?

Ganser: Da das Hauptrennen um 19.40 Uhr beginnt, fahren die Sportler im Hellen los und über die Dämmerung in die Dunkelheit, wobei die Strecke ausgeleuchtet wird. Das ist immer eine tolle Atmosphäre, und man kann den Radsport hautnah erleben. Das Hauptrennen ist der schnellste Wettbewerb, und wenn der Tross des Fahrerfeldes ganz nah am Publikum vorbeirauscht, und die Zuschauer den Fahrtwind spüren, ist das ein tolles Erlebnis. Was den Rennverlauf angeht, schätze ich die Fahrer vom Team Kern-Haus stark ein. Das Schöne am BSR-Radsporttag ist aber, dass man vorher nie wissen kann was passiert. Beim Hauptrennen haben wir schon eindrucksvolle Fluchtversuche und Alleinfahrten gesehen, Gruppen, die sich abgesetzt haben, oder auch Massensprints. Alles ist möglich.

(dim)
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