Bruno und Shana sorgen für Freude im Seniorenheim in Mausbach

Esel im Seniorenheim : Bruno und Shana sorgen für Freude

Unterschiedlicher könnten Bruno und Shana eigentlich gar nicht sein. Bruno ist von Natur aus neugierig. Kommt ein Fremder auf ihn zu, wird dieser ganz genau unter die Lupe genommen. Da kann auch schon einmal ein T-Shirt oder eine Hose drunter leiden, die Bruno dann kurzerhand ankaut.

Shana ist diesbezüglich ganz anders. Sie ist die Ältere, aber auch die Zurückhaltendere. Nicht von jedem lässt sie sich am Kopf streicheln. Meist beobachtet sie erst einmal schüchtern ihr Umfeld, bevor sie auf ihr Gegenüber zugeht. Doch auch, wenn Bruno und Shana sich in ihren Wesenzügen voneinander unterscheiden, so haben die beiden Esel doch eine Gemeinsamkeit: Sie zaubern den Bewohnern des AWO Seniorenzentrums Süssendell regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht und sorgen sogar für das eine oder andere kleine Wunder. Doch von vorne.

Großes Grundstück

Ende September des vergangenen Jahres zogen Bruno und Shana in die Mausbacher Einrichtung. Die Idee, Tiere aufzunehmen, gab es allerdings schon viel früher. „Die Idee ist entstanden, weil wir so ein großes Grundstück haben. Die Frage war nur, welche Tiere schaffen wir an? Wir wollten schließlich auch Tiere aufnehmen, mit denen unsere Bewohner etwas machen können“, erzählt Einrichtungsleiterin Nicole Mehr.

Die entscheidende Idee kam schließlich von Mitarbeiterin Astrid Lutz. Sie hatte einst auf Griechenland gelebt und dort selbst Esel besessen – kannte sich mit den Tieren also bestens aus. Das überzeugte auch Mehr und ihr Team. Vor allem für Erwachsene seien Esel, die auch oft als Therapietiere eingesetzt würden, ideal. Schließlich wären diese ruhig, gemütlich und sehr aufmerksam, sagt Mehr (siehe Infobox).

Ein entsprechender Antrag wurde bereits im Jahr 2017 bei der Glücksspirale gestellt. Diese unterstützte das Projekt schließlich. Stall und Weide waren bereits im März des vergangenen Jahres eingerichtet worden, nun mussten nur noch zwei Tiere gefunden werden, die dort ein neues Zuhause finden sollten.

Gar keine einfache Aufgabe. Gemeinsam mit der Eselnothilfe gelang dies dann allerdings doch noch. Mitte des vergangenen Jahres besuchte Mehr Bruno und Shana bei ihrer damaligen Besitzerin in Heidelberg. Sie hatte die Tiere ebenfalls von der Eselnothilfe übernommen.

Von Heidelberg nach Stolberg

Ende September war es dann schließlich soweit. Von Heidelberg aus ging es für die beiden Tiere nach Stolberg. Die Bewohner zeigten sich begeistert und hießen die Tiere herzlich willkommen. Diese mussten sich an ihre neue Umgebung allerdings erst einmal gewöhnen.

Mittlerweile hat sich alles bestens eingespielt. Das sei aber nur möglich, weil sich etliche Mitarbeiter ehrenamtlich engagieren und um die Tiere kümmern würden, sagt Mehr. Ein Dienstplan hält fest, wer sich morgens, mittags und abends um Bruno und Shana kümmert. Verantwortlich für diesen ist die Eselbeauftragte Astrid Lutz.

Und was bewirken die Esel bei den Bewohnern? Die Tiere sorgen – besonders bei Menschen mit Demenz – für positive Erlebnisse. Diese Erfahrung hat auch Nicole Mehr gemacht. Selbst die scheue Shana lässt sich von den Bewohnern regelrecht knuddeln. Ein Bewohner, der bis dato nicht zum Spaziegang zu animieren war, besucht nun jeden Tag die beiden Esel. Regelmäßige Spaziergänge über das Gelände sorgen bei den Bewohnern zusätzlich für Freude. „Die Tiere sind für unsere Bewohner einfach eine Bereicherung für den Alltag. Tiere sind grundsätzlich sehr wichtig für Senioren“, ist sich Mehr sicher.

Vorgesehen ist, dass die Bewohner bei Pflege und Versorgung künftig mitwirken, um eine noch engere Bindung zu den Tieren zu bekommen. Und: Esel reagieren feinfühlig auf jegliche Art der Kontaktaufnahme, so dass gerade auch die Bewohner mit einer kognitiven Einschränkung eine besondere Form der Kommunikation erfahren.

Ausgelastet

Die Anschaffung weiterer Tiere ist allerdings erst einmal nicht vorgesehen, sagt Mehr. Platz wäre zwar ausreichend vorhanden. Allerdings müsste es dann auch wieder genügend Ehrenamtler geben, die sich um die Tiere kümmern. Das könne man einzig mit den Mitarbeitern nicht stemmen. „Mit unseren Eseln sind wir also erst einmal ausgelastet“, sagt Mehr.