Brücke über Vicht wird abgerissen

Brückenabriss : Noch flanieren Schülerinnen über die Brücke zum Ritzefeld-Gymnasium

Die Brücke über die Vicht zum Ritzefeld-Gymnasium wird voraussichtlich abgerissen. Sie war für Schülerinnen und Schüler eine Abkürzung in die Innenstadt und ein Treffpunkt. Es soll aber auch eine neue Brücke gebaut werden.

Generationen von Schülerinnen und Schülern sind über diese kleine Brücke flaniert. Der Steg über den Vichtbach zwischen Ritzefeld-Gymnasium sowie Bastinsweiher dient darüber hinaus vielen Donnerbergern als kurzer Weg in die Innenstadt. Aber die Brücke ist in einem kritischen Zustand.

Bücher könnte manch Stolberger sicher über diesen kleinen Steg schreiben, der seit einem halben Jahrhundert hoch zum alten Lyzeum, aber auch entlang der Talachse führt – heute zu AOK, Gemeindezentrum und Park Blankenberg.

Als das „Ritze“ das Lyzeum war

Es waren die Zeiten, als hoch oben an der Ritzefeldstraße nur Mädchen zu diesem Gymnasium gingen, und sich die Jungs vom „Goethe“ am Kaiserplatz schüchtern bis an die Brücke vortrauten, um der Dame ihres Herzens „eher zufällig“ zu begegnen – oder in späteren Jahren auch etwas offensiver. Die Brücke erlebte die ersten Schritter der Kooperation von Jungs und Mädchen in den Oberstufen ebenso wie Mitte der 70er die Koedukation. Links der Vicht lag vor der Brücke die Praxis eines Stolberger Gynäkologen, wo heute der Direktor des Gymnasiums wohnt. Diese Brücke hat vielfältige Veränderungen über Generationen hin begleitet – bis hin zu „Hubschrauber-Eltern“, die ihre Kinder bis vor die Fußgängerbrücke fahren.

„Kritisch, nicht akut gefährdet“

Nun möchte die Stadt das Bauwerk aus dem Jahre 1960 abreißen und erneuern, nachdem die letzte Überprüfung im Jahre 2014 zur Note 3,4 führte: ein „kritischer, aber nicht akut gefährdeter Zustand, besonders in Bezug auf Stand- und Verkehrssicherheit“. Bei der Note 4,0 müsste sofort gehandelt werden. Zum Vergleich: Die Mühlener Heinrich-Heimes-Brücke war 2006 mit der Note 3,9 bewertet worden. Sie ist für den Verkehr gesperrt.

Wie der Ellermühlenstag

Bei dem kleinen Steg unterhalb des „Ritzes“ vermindern insbesondere Risse in der Stahlbetonkonstruktion und Korrosion der Bewehrung die Standsicherheit, berichtet der Technische Beigeordnete: „Ebenso ist durch fortschreitende Korrosion die Standsicherheit des Geländers eingeschränkt“, so Tobias Röhm weiter. Bereits im vergangenen August hatte der Vergabeausschuss ein Ingenieurbüro mit der Planung einer neuen Brücke beauftragt. Ergebnis ist ein Entwurf, der nicht nur funktionalen Ansprüchen, sondern auch der Optik gerecht werden will. „Das Erscheinungsbild erinnert an den Ellermühlensteg über den Bastinsweiher“, sagt Röhm. Damit soll die Verlängerung der Fußwegverbindung auch städtebaulich unterstrichen werden.

Technisch gesehen soll die Brücke aus einer Stahlkonstruktion mit zwei Stegen und einem geschlossenen Fahrbahnblech bestehen.Die Querrahmen ragen nach außen und gehen in senkrechte Geländerpfosten über – leicht nach innen geneigt und mit zwei Handläufen als Abschluss. Und weil wie so oft in früheren Jahrzehten Brücken als Träger von Versorgungsleitungen genutzt wurden, wird auch bei der „Ritze“-Brücke eine zusätzliche Medien-Brücke mit Leitungen und Leerrohren für Abwasser, Strom, Kommunikation, et cetera unter die Fußgängerbrücke eingebaut. Das mag für Techniker im Falle von Wartung und Reparatur zwar unbequemer sein, erscheint den Planern aber sicherer, als die Medienbrücke neben dem Steg über die Vicht zu schlagen. Somit soll der Anreiz, übers Geländer zu klettern unterbunden werden. Mit 280.000 Euro kalkuliert die Verwaltung Abriss und Neubau. Sie hat diese Mittel für den Haushalt 2020 angemeldet.

Bis September 2020 fertig

Wenn der Bauausschuss am 12. September diesen Vorstellungen zustimmt, darf die Verwaltung Ausschreibung und Submission anlassen. Gebaut wird voraussichtlich im nächsten Sommer so, dass die Brücke Anfang September 2020 eingeweiht werden kann. Dann werden über den neu gebauten „Klaus-Genten-Steg“ weitere Generationen von Pennälern zum Unterricht flanieren können.

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