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Kleine offene Tür: Briefe und Einkaufszettel statt Villa und Sause

Kleine offene Tür : Briefe und Einkaufszettel statt Villa und Sause

Auch in der Krise macht die Kleine offene Tür St. Josef auf dem Donnerberg Angebote.

Auf den ersten Blick scheint es sehr ruhig geworden zu sein in der Kleinen offenen Tür (K.o.T.) St. Josef auf dem Donnerberg. Dort wo normalerweise Kinder und Jugendliche die Einrichtung mit Leben füllen, wo ehrenamtliche Mitarbeiter Angebote und Veranstaltungen organisieren, muss in Zeiten von Corona allen Besuchern der Einlass verwehrt werden. Doch ruhiger geworden ist es mitnichten.

„Es ist nicht ruhiger geworden, aber definitiv anders als bisher“ erzählt Jörg Beißel, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter der K.o.T.. Die wöchentlichen und monatlichen Angebote, wie etwa die Villa Kunterbunt, das Kinderkino, Teenie- und Jugendtreff oder die House-Party, mussten auf unbestimmte Zeit aufgrund des Kontaktverbotes eingestellt werden. Auf der Mitarbeiterfahrt Anfang des Jahres wurden ein Flohmarkt und ein Begegnungsfest geplant, die im März und April stattfinden sollten.

Die Sause unterm Sender muss in diesem Jahr zumindest bis auf weiteres verschoben werden und findet nicht wie geplant am 30. Mai statt. Das ist besonders schade, wenn man bedenkt, dass das Team in den vergangenen zwölf Jahren so mancher Wetterkapriole zum Trotz das beliebte Open-Air-Konzert pünktlich an Pfingsten anbieten konnte.

Doch wie gestaltet man die Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche, wenn ein Kontaktverbot gilt? „Wir haben uns mit unserem Leitungsteam virtuell zusammengesetzt und mal überlegt, was möglich ist und wie wir weiterhin im Rahmen unserer Möglichkeiten Präsenz zeigen können“, erklärt Beißel. Dabei sind einige Ideen herausgekommen. Es wurde die Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen, bei der Jugendlichen für ihre Mitmenschen auf dem Donnerberg einkaufen gehen.

Um den Dienst zu bewerben, wurden Flyer in den Donnerberger Briefkästen verteilt. „Die Resonanz auf unsere Aktion war überwältigend“, so Beißel. „Wir beliefern momentan etwa zwölf Haushalte. Es gingen auch sehr viele Anrufe von überwiegend älteren Leuten ein, die sich einfach dafür bedankt haben, dass wir sie nicht alleine lassen und an sie denken.“ In der Osterzeit entschieden die Mitarbeiter, das Angebot zu erweitern und gesegnete Palmzweige und Osterkerzen auszuliefern. Und wieder wurde das Angebot sehr gut angenommen. „In dieser schwierigen Zeit ist es schön mitzubekommen, dass die Menschen trotz allem oder gerade deswegen ein Stück weit zusammenrücken und sich unterstützen.“

Es werden Spiele und Bücher an die Einrichtung gespendet, die Interessierten kontakt- und kostenlos vor Ort zur Verfügung gestellt werden. Seit dieser Woche besteht eine Kooperation mit den Seniorenheimen „Auf der Liester“, dem „Heim des guten Samariten“. Die Teamer haben eine Brieffreundschaft zwischen jungen Menschen und Senioren initiiert. „Die Bewohner in den Seniorenheimen trifft diese Krise besonders hart“, argumentierte Jan Trümpener, Teamer in der K.o.T., als er die Idee vorstellte, „vielleicht können wir ihnen durch eine Brieffreundschaft ein wenig durch diese schwere Zeit helfen.“

Um den Kontakt zur ursprünglichen Zielgruppe der Kinder- und Jugendlichen zu halten, baut das Team der K.o.T. seine Präsenz in den Sozialen Medien aus. „Erfahrungsgemäß erreichen wir über die Social-Media-Plattform Facebook keine Jugendlichen, sondern eher die jungen Eltern mit Kindern im Kita – und Grundschulalter,“ weiß Lucas Behlau zu berichten. Für die Kinderangebote ist das eine gute Sache. Um Jugendliche über das Geschehen und die Aktionen der Einrichtung zu informieren, kümmern sich gerade Sabrina Schellhoff und Anne Schumacher intensiv darum, den Instagram-Account ansprechend zu gestalten. Mit Erfolg: „Die Followerzahl ist in den vergangenen Tagen stetig gewachsen,“ sagt Anne Schumacher. Ruhiger ist es also nicht geworden in der K.o.T. St. Josef. Aber definitiv anders.