Breinig: Breinig-Torjäger Tim Wilden: „Wir wollen eine gute Hinrunde krönen“

Breinig: Breinig-Torjäger Tim Wilden: „Wir wollen eine gute Hinrunde krönen“

Wenn sich am kommenden Sonntag die beiden Fußball-Mittelrheinligisten VfL Vichttal und SV Breinig im viel erwarteten Stolberger Lokalduell messen, wird auch Tim Wilden mittendrin sein. Der 24-Jährige ist ein fester Baustein der erfolgreichen Breiniger Mannschaft, die gerade die Mittelrheinliga aufmischt. Gerade gegen den Lokalrivalen will Wilden die starke Hinrunde krönen.

Eines ist Tim Wilden wichtig. Es soll nicht um ihn gehen. Über die Mannschaft will der Stürmer lieber sprechen — den SV Breinig, für den der 24-Jährige in der fünften Saison spielt. Und das derart erfolgreich, dass es auch über ihn selbst viel zu schreiben gäbe.

In der aktuellen Saison etwa über sechs Nominierungen in die Liga-Elf des Spieltags oder neun Tore in 14 Spielen. „Es ist schön, wenn man trifft“, sagt er, „aber dabei bleibt oft auf der Strecke, dass es ein Erfolg des Teams ist.“ Das steht derzeit als Aufsteiger auf Platz vier der Liga. Als es am Sonntag gegen Bergisch Gladbach eine 1:3-Niederlage gab — „verdient“, wie Wilden sagt — war das ein kaum noch gekanntes Gefühl.

Denn zuvor hatten die Breiniger wochenlang wie im Rausch Sieg um Sieg gefeiert und damit auch für einen rasanten Wandel in der (Außen-)Wahrnehmung gesorgt: „Niemand denkt mehr, er fährt zum Aufsteiger und nimmt im Vorbeifahren eben die Punkte mit. Es gab sogar gegnerische Trainer, die unseren gefragt haben, ob wir für die Regionalliga melden“, sagt Wilden. Bei Breinig selbst wurde das bei aller Euphorie nie zum Thema. Nicht jetzt und wohl auch nicht perspektivisch, wie es aus dem Vorstand heißt.

Freiwillig räumen wollen die Breiniger den Platz in der Spitzengruppe dennoch nicht. Nun, da sie dort mit bereits 25 Punkten stehen — weit weg von den Abstiegsplätzen, auf denen sie vor der Saison nicht wenige erwartet hätten. Dabei gab es bereits frühzeitig Momente, in denen zumindest zu erahnen war, dass mehr möglich sein könnte.

Das Finale des Automobile Jacobs Cup im Sommer war so einer. Gerade einmal eineinhalb Wochen vor diesem Spiel war Breinig in die Saisonvorbereitung gestartet. Und brauchte trotzdem nur 24 Minuten, um den aktuellen Bezirksliga-Tabellenführer Arminia Eilendorf mit furiosem Angriffsfußball zu überrennen. 3:0 stand es da bereits — und der gänzlich überforderte Gegner konnte sich noch glücklich schätzen.

Ohne Unruhe

Es waren diese Erlebnisse, die die Begeisterung aus der Aufstiegssaison weiter nährten. Und die auch keine Unruhe aufkommen ließen, als es zunächst in der Liga eher holprig lief. Nach drei Spieltagen hatte der SV nur drei Punkte auf der Haben-Seite — durch drei Unentschieden. „Es war von den Ergebnissen ein bisschen wie vor zwei Jahren“, sagt Wilden. Damals als Breinig nach nur einer Spielzeit in der Mittelrheinliga, der ersten in der Vereins-Historie, gleich wieder Abstieg.

Nicht zuletzt, weil genau diese häufigen Punkteteilungen zum Fluch wurden: Acht Remis waren es nach 15 Hinrunden-Spielen. Es waren jedoch nur die Resultate, die an diese Zeit erinnerten. Das Auftreten des SV war auch zu Beginn der Saison bereits ein anderes. „Wir haben vor zwei Jahren zum Auftakt 0:0 in Hürth gespielt. Da sind 90 Minuten lang hinterhergelaufen und haben den Punkt am Ende gefeiert“, sagt Wilden: „Jetzt hatten wir in den Partien oft die Chance auf den Sieg. Und haben uns geärgert.“

Viele im derzeitigen Kader spielen bereits lange in Breinig, erlebten auch das erste Mittelrheinliga-Jahr gemeinsam — „und wir haben sicher ein bisschen daraus gelernt.“ Als Tim Wilden vor gut vier Jahren von Alemannia Aachens zweiter Mannschaft kam, war er damals nicht der einzige Neue. „Es war die Zeit des riesigen Umbruchs. Es gab viele neue Gesichter. Seitdem ist das von Jahr zu Jahr weniger geworden“, sagt er. Auch der Trainer ist mit Michael Burlet seit fünf Jahren derselbe. Im Verein fühlten sich alle wohl, sagt Wilden, so wohl, dass es keine Veranlassung gebe, zu wechseln: „Wir sind nicht nur Fußballkollegen, wir sind Freunde.“

Auch der Verein hat sich in diesen Jahren entwickelt. Professionalisiert, könnte man sagen. Der Aschenplatz gehört der Vergangenheit an. Der lange Weg zu den Umkleiden auf der anderen Straßenseite mit dem neuen Vereinsheim auch. „Breinig hat sich, ohne eine große Welle zu machen, hervorragend positioniert. Das spiegelt sich im gesamten Vereinsleben“, sagt Wilden. Der aktuelle Erfolg lässt sich auch als Ergebnis dieser langfristigen Entwicklung deuten, die in aller Ruhe vorangetrieben wurde. In der man den Mechanismen, die oft bereits auch im Amateurfußball greifen, trotzte — als etwa Michael Burlet blieb. Auch als es in der Mittelrheinliga vor zwei Jahren nicht gut lief. Selbst als man abstieg.

Vor der Niederlage gegen Bergisch Gladbach gab es sechs Spiele ohne Niederlage: ein Remis, fünf Siege. Die Offensive mit Tim Wilden ist dabei ein Prunkstück der Breiniger. 32 Tore hat der Aufsteiger bislang geschossen, nur der Tabellenführer aus Hennef traf ligaweit noch häufiger. 26 davon gehen auf das Konto des SV-Sturm-Trios. Wilden redet — nein: er schwärmt — gerne über seine Mitspieler. Über Nico Dautzenberg, den alle nur „Dautze“ nennen. „Ein absoluter Knipser, wenn der im Eins gegen Eins auf den Torwart zuläuft, ist der Ball zu 80 Prozent drin“, sagt Wilden und korrigiert: „Nein, eigentlich zu 90.“ Er hat wie Wilden schon neun Tore erzielt. Und über Andreas Simons (Schütze von acht Treffern), der vor der Saison vom SV Eilendorf zu den Breinigern kam. Dort hatte er seine Klasse in der Landesliga unter Beweis gestellt. Es war ein Transfer-Coup und hat sich gleich durchgesetzt.

Dass Breinig bis zu den drei Gegentoren gegen Bergisch Gladbach zudem auch — mit Vichttal — die wenigsten Treffer kassierte, verschwindet bei der offensiven Furore fast aus dem Blickfeld. Aber: „Diese Stabilität macht das vorne auch erst möglich“, sagt Wilden. Die Balance stimmt. Auch deshalb ist die Reaktion auf die Winterpause wenig überraschend: „Die bräuchten wir gerade eigentlich überhaupt nicht“, sagt Wilden.

Aber noch ist es ja auch nicht ganz so weit. Bevor die Liga bis Ende Februar pausiert, wollen die Breiniger noch „eine gute Hinrunde krönen“ — und dafür sorgen, dass die Niederlage gegen Bergisch Gladbach eine Randnotiz im Sieges-Lauf bleibt. Einen besseren Anlass als das Derby gibt es dafür wohl kaum. Als eine neue Bewährungsprobe für gereifte Breiniger.

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