Stolberg/Herzogenrath: Brandanschlag: War Molotow-Cocktail eher harmlos?

Stolberg/Herzogenrath: Brandanschlag: War Molotow-Cocktail eher harmlos?

Eigentlich sollten sich eine 25-jährige Frau aus Herzogenrath und ihr 20 Jahre alter Freund aus Stolberg vor Gericht wegen Brandstiftung und versuchten Mordes verantworten. Doch offenbar hat sich im „Ehrendrama“ um die Angeklagte Amra H. die Prozesslage etwas entspannt.

Denn nach dem Gutachten des Brandsachverständigen, der bei der Fortsetzung der Verhandlung am Mittwoch hinzu gezogen worden war, war derMolotow-Cocktail, der in der Nacht zum 3. Mai an die Wand des Hauses eines Bekannten von Amra H. in Merkstein geworfen wurde, weniger gefährlich als von der Polizei eingeschätzt.

Das brennende Benzin habe dem Boden und der verklinkerten Hauswand des Gebäudes im Herzogenrather Stadtteil nicht viel anhaben können, hieß es am Mittwoch von Seiten des Brandsachverständigen. Er legte vor der 6. Großen Jugendkammer mit dem Vorsitzenden Richter Hans Günter Görgen sein Gutachten vor.

Angeklagt waren die mutmaßlichen Täter eigentlich wegen besonders schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes an den Menschen, die in dem besagten Haus leben. Doch tendenziell, so sagte der Sachverständiger aus, hätten die Verdächtigen den Brandsatz schon in das Haus hinein werfen müssen, um das Objekt richtig in Brand zu stecken.

So konnte auch der mitangeklagte 20-jährige Freund von Amra H. aufatmen, Nico L. aus Stolberg. Es zeichnet sich eher eine mögliche Verurteilung des Paares wegen versuchter Körperverletzung und Brandstiftung ab. Ein Tatvorwurf, der wesentlich geringer bestraft werden dürfte.

Angesichts der geringeren Strafandrohung sind beide Angeklagte bereits wieder auf freiem Fuß: Sie erhielten Haftverschonung. Den Anschlag hatten Nico L. und Amra H. geplant, weil ein Ex-Arbeitskollege der 25-Jährigen, der in Merkstein wohnte, „schlecht über sie gesprochen“ hatte. Immer wieder habe der Kollege intime Gerüchte über die junge Frau verbreitet, die nicht der Wahrheit entsprachen. Das habe aufhören müssen, sagte sie vor Gericht. Man habe aber den Betreffenden „nur erschrecken“ wollen.

Zuvor hatte das Paar Graffitis auf die Häuserwand gesprüht. Dann hatte man begonnen, Molotow-Cocktails zu basteln - zum Teil in Rote-Beete-Gläsern. Die Brandsätze habe man an leer stehenden Gebäuden ausprobiert, hatte die Angeklagte bereits angegeben.

Nico L. fällt laut Aussage der Jugendgerichtshilfe noch unter den Geltungsbereich des Jugendstrafrechts, seine Entwicklung sei verzögert.

Der Prozess wird voraussichtlich am 7. Dezember mit dem Urteil beendet.

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