Stolberg: Blutspende-Aufruf: „Krankheiten haben leider keine Ferien“

Stolberg: Blutspende-Aufruf: „Krankheiten haben leider keine Ferien“

Der Sommer ist da und das Blutspende-Aufkommen sinkt — wahrscheinlich ist es vielen Spendern einfach zu warm oder sie sind verreist. Das merkt auch Dr. Gernot Keller vom Bethlehem Gesundheitszentrum (BGZ). „In den Ferienzeiten verzeichnen wir regelmäßig einen Rückgang der Blutspenden um 20 bis 25 Prozent, was allgemein zu Engpässen in der Blutversorgung unserer Patienten führt.“

Das sagt der leitende Oberarzt der Klinik für Anästhesie, operative Intensivmedizin und Notfallmediziner im BGZ. Dieses Problem sei kein Einzelfall, denn sowohl in Deutschland als auch im benachbarten Ausland wird das Blut knapp. „Es ist aber leider so, dass Krankheiten und Unfälle keine Ferien haben“, so Keller weiter. Daher ist das BGZ gerade zu Ferienzeiten darauf angewiesen, dass die Daheimgebliebenen den Spendenaufrufen der Krankenhäuser und Blutspendedienste folgen.

„Ein Krankenhaus unserer Größe benötigt im Durchschnitt zwei bis vier Blutkonserven pro Tag zur adäquaten Versorgung der Patienten“, sagt Keller. Vor allem Patienten mit Blutungen im oberen und unteren Magen-Darm-Trakt seien sehr zügig darauf angewiesen. Ebenso bräuchten Menschen mit großen chirurgischen oder orthopädischen Operationen, einer Tumorerkrankung, Unfallbeteiligte je nach Verletzung und chronisch Kranke schnelle Hilfe. Die Gründe für eine Behandlung mit Blut sind weit gefächert und es erfordert immer eine genaue Abwägung, weshalb und wann Bluttransfusionen verabreicht werden.

Daher ist es für das BGZ von großer Bedeutung, Spender — unabhängig der Blutgruppe — zu mobilisieren. Die Uniklinik Aachen hat bereits Aufrufe in den sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook gestartet, um das Spendenaufkommen zu erhöhen. Sicher ist: Das gespendete Blut bleibt in der Region und hilft Schwerkranken oder verletzten Menschen, denn mit einer Blutspende können bis zu drei Leben gerettet werden.

Blut spenden können alle vom 18. bis zum vollendeten 72. Lebensjahr, wenn keine gesundheitlichen Bedenken vorliegen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass nach dem Ausfüllen eines Fragebogens sowie bei der individuellen Untersuchung des Arztes beim Blutspendetermin vor Ort keine Gründe für einen Ausschluss festgestellt werden. Erstspender dürfen jedoch nicht älter als 64 Jahre alt sein. Das Mindestgewicht für eine Blutspende liegt bei 50 Kilogramm. Außerdem müssen sich Blutdruck und Puls innerhalb bestimmter Grenzen bewegen.

Auf dem auszufüllenden Fragebogen geht es um den Gesundheitszustand, zurückliegende Reisen und Impfungen. Rückkehrer aus bestimmten Urlaubsregionen, vor allem aus außereuropäischen Ländern, müssen beim Blutspenden erst einmal pausieren. Wenn beispielsweise ein Malaria-Risiko besteht, ist eine Spende erst sechs Monate nach der Rückkehr wieder möglich. Vor der Blutentnahme sollte jeder unbedingt ausreichend essen und trinken. Der Verzicht auf Alkohol, auf sportliche Aktivitäten sowie auf den Konsum von fetthaltigen Speisen unmittelbar vor dem Blutspendetermin ist Voraussetzung.

Während Männer sechs Mal pro Jahr spenden dürfen, empfiehlt man Frauen, nicht öfter als vier Mal pro Jahr Blut zu spenden. Das liegt daran, dass dem Körper bei einer Blutspende wichtiges Eisen verloren geht. Jeder gesunde Mensch verfügt zwar über eine natürliche Eisenreserve, mit der Verluste normalerweise ausgeglichen werden können, es dauert aber etwa zwei Monate bis der Eisenverlust wieder kompensiert ist.

Und auch wenn es vielen aktuell vielleicht zu warm ist: Wer jetzt Blut spenden geht, hat danach sowieso zwei Monate Zwangspause — dann ist es auch wieder kühler.

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