Aachen/Stolberg: Blutige Attacke: Mehrjährige Haftstrafe für Patrick B.

Aachen/Stolberg: Blutige Attacke: Mehrjährige Haftstrafe für Patrick B.

Patrick B. hat, so könnte man sagen, mehr Glück als Verstand gehabt. Denn Letzterer hatte bereits während des Rosenkrieges gegen seine Ex-Freundin ausgesetzt. Die Sache eskalierte am 4. März, als der Gartenbauer gegen seine ehemalige Freundin, deren Bruder und gegen ihre Mutter gewalttätig wurde. Am Montag wurde der 28-Jährige vom Schwurgericht Aachen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die Schläge mit einem Hammer auf den Kopf der Mutter — das war die zentrale Straftat, die am Montag von der Kammer abgeurteilt wurde — war sogar als versuchter Mord angeklagt gewesen. Die Staatsanwältin forderte für das gesamte gewalttätige Paket, das B. in seinem verletzten Stolz ablieferte, in ihrem Plädoyer zwölf Jahre Haft. Dies eben wegen versuchten Mordes, aber auch wegen Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und erpresserischen Raubs - denn er hatte dem Bruder das Handy abgenommen, damit der die anderen nicht warnen konnte.

Andere Sicht

Die Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht unter dem Vorsitz von Richter Arno Bormann sah das komplette Paket juristisch anders. Zwar schloss sich die Kammer in ihrem Urteil — sie verhängte eine Haftstrafe von vier Jahren und acht Monaten gegen den bereits einschlägig vorbestraften Patrick B. — der Meinung an, dass B. die Tat plante, die Tatwerkzeuge - einen Kilo-Hammer und ein Käsemesser - von zu Hause mitbrachte und auch einsetzen wollte. Doch einen Mordplan sah das Gericht nicht. So treffe das Mordmerkmal „Heimtücke“ nicht zu: Die Mutter habe angesichts des zornig hereinstürmenden B. sofort gewusst, um was es ging.

Allerdings sah die Kammer in den Hammerschlägen auf den Kopf der Mutter, die sie den Umständen nach recht glimpflich überstanden hatte, einen versuchten Totschlag, von dessen Verwirklichung der Täter aber „zurücktrat“. Das ist juristisch strafbefreiend. Also blieb eine gefährliche Körperverletzung und in Bezug auf die Ex-Freundin, die B. in den Schwitzkasten nahm, ihr ein Messer an den Hals hielt und nach Draußen zerrte, eine Nötigung und gleichfalls eine Körperverletzungstat.

„Was er ihr letztlich antun wollte, das können wir nicht mehr feststellen“, sagte Richter Bormann in der Urteilsbegründung und verschwieg nicht, dass B. gegenüber seinem Freund angedroht hatte, seine ehemalige Lebensgefährtin wenn möglich „aufzuschlitzen“. Dass er nur mit ihr reden wollte, nahm auch die Kammer ihm nicht so richtig ab, obgleich B. das in seinem „letzen Wort“ nochmals bekräftigt hatte.

Die Nebenklägeranwälte wie auch Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts beklagten, bei Patrick B. keine wirkliche Reue gesehen zu haben. Es gebe zwar ein Geständnis. Doch das sei, anders als es das Gesetz fordere, nicht von Reue und Einsicht getragen. Es könne also nicht strafmildernd berücksichtigt werden.

Übrig blieb für das Gericht eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Sicher sei auch die brutale Tat gegenüber der Mutter durchaus potenziell lebensgefährdend gewesen, wie der Rechtsmediziner festgestellt hatte. Die zwei Hammerschläge trafen jedoch zum Glück den festesten Teil des Schädelknochens, so dass dieser „nur“ angebrochen wurde. „An einer anderen Stelle“, so der Richter, „hätte das durchaus tödliche Wirkung haben können“.

In diesem Zusammenhang erklärte das Gericht mit Nachdruck, es sei „keine Spontantat“ gewesen. Als Patrick B. an jenem Morgen losging, um zunächst vom jüngeren Bruder der Ex-Freundin an einer Bushaltestelle den Hausschlüssel zu erpressen und ihm gleichzeitig das Handy wegzunehmen, „führte er Böses im Schilde“.

Die Frau und ihre Mutter hatten in den Tagen davor, als sich B. immer mehr unter die Wirkung von Amphetaminen setzte, einen Sturm von Beschimpfungen in Form von SMS, WhatsApp-Nachrichten und Voicemails über sich ergehen lassen müssen.

Das Gericht hatte sie vorlesen oder vorspielen lassen. Es waren keine schönen Sätze, die da zu hören waren. Letztlich rettete das Wetter beide vor Schlimmeren. Denn als B. seine Ex aus dem Haus zerrte, war es ein sehr kalter März-Morgen, es gab noch Glatteis auf den Gehsteigen. Nachbarn kamen hinzu, gleichzeitig stürzte das Paar hin.

Der Rosenkrieg war damit zu Ende. B. stellte sich später der Polizei.

Mehr von Aachener Zeitung