Stolberg: „Blitzen“ so effektiv wie Vogelscheuchen am Straßenrand

Stolberg: „Blitzen“ so effektiv wie Vogelscheuchen am Straßenrand

Ein Geheimnis ist es schon längst nicht mehr, auch wenn die Kupferstadt es lieber weiter geheim halten will. Die beiden „Starenkästen“ an der Eifel­straße (Landesstraße 238) in Vicht und der Winterstraße (Landesstraße 24) in Breinig „blitzen“ schon lange nicht mehr.

„Seit Ewigkeiten“, wie eine Anliegerin erzählt. Es sind mehr als zehn Jahre. Seit 1995 in Vicht und seit 2006 in Breinig sind die beiden Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen, wie so ein Radarkasten offiziell heißt, „nur noch präventiv aufgestellt“. Sie liefern keine Überwachungsaufnahmen mehr von Geschwindigkeitsübertretungen, sondern sollen diese einfach nur durch ihre Anwesenheit am Straßenrand verhindern — sie sind also so effektiv wie eine Vogelscheuche auf dem Feld.

Wie effektiv sich das auf den Straßenverkehr auswirkt, darüber gibt es einmal mehr unterschiedliche Ansichten zwischen der Städteregion und der Kupferstadt. Während das Amt für Ordnungsangelegenheiten an der Aachener Zollernstraße die beiden „Starenkästen“ demontieren möchte, hat sich im Mai in einer ersten informativen Einschätzung der Verkehrsausschuss für den präventiven Verbleib der Anlagen an beiden Straßenrändern ausgesprochen. Nun beschäftigt sich der Ausschuss am 29. Oktober offiziell mit dieser Frage zum Standort an der Eifelstraße — in nicht öffentlicher Sitzung.

„Denn wenn jeder wüsste, dass die beiden Anlagen nur präventiv aufgestellt sind, würden sie nicht mehr präventiv wirken“, erläutert Pressesprecher Robert Walz die Begründung des Ordnungsamtes und des Ausschussvorsitzenden (der die Tagesordnung erstellt) für diese nicht öffentliche Einstufung einer Angelegenheit, bei der es jedoch nicht um „besonders schützenswerte Interessen“ im Sinne der Gemeindeordnung geht.

Vom Grundsatz her schreibt ihr Paragraph 48 öffentliche Sitzungen vor; Beratungen hinter verschlossener Tür bedürfen dagegen besonders begründeter Ausnahmen. Und gesondert begründen soll die Stadt außerdem, warum sie so an den beiden Starenkästen hängt, fordert die Städteregion ein. Denn aus ihrer Sicht seien beide Standorte unauffällig in Hinsicht auf Geschwindigkeitsübertretungen (ein bis zwei Prozent ahndungsfähig) und Unfallzahlen. Bei ihrer Juni-Sitzung hat die Unfallkommission jedenfalls empfohlen, die beiden seit zehn Jahren nicht mehr aktiven Anlagen zu demontieren.

Aufkleber auf den Linsen

Zudem befinde sich in Vicht die Fahrbahn der Landesstraße 238 in einem so desolaten Zustand, dass die Verlegung neuer Messsensoren gemäß der Richtlinien und Eichordnung nicht zulässig wäre. Es müssten außerdem zuerst Unterbau und Deckschichten der Eifel­straße erneuert werden.

Darüber hinaus würden die Messbereiche des gegenüber dem Dorfladen liegenden „Starenkastens“ durch parkende Fahrzeuge blockiert, so dass ein Halteverbot anzuordnen wäre. Abgestellte Autos würden außerdem die Anlage so häufig verdecken, dass eine präventive Wirkung erst gar nicht eintritt, argumentiert die Städteregion.

Und entdeckt ein potenzieller Temposünder einen der beiden präventiven „Blitzen“, so entdeckt er auf den ersten Blick, dass sie ihren Zweck nicht (mehr) erfüllen: Die Scheibe der Kameraluke an der Eifelstraße ist mit einem „TSV“-Aufkleber verdeckt, die an der Winterstraße mit einem der „Karlsbande“. Die Anlage steht außerhalb der Ortslage bei zwei einzeln stehenden Häusern in einer Kurve der Landesstraße. „Der Kasten funktioniert schon ewig nicht mehr“, berichtet eine Anwohnerin.

„Das Ding stört mehr, als es nutzt“. Einerseits würden hier Autofahrer stark abbremsen und wieder heftig Gas geben, was laut sei. Andererseits wird nicht die Kurve gesichert, in der sich auf der Winterstraße Unfälle ereignen. Wenn, dann geschieht dies in der Regel eine Kurve weiter — zwischen Kilometer 2,4 und 2,2 — in Richtung Rochenhaus, wenn von Zweifall kommende Fahrzeuge dem abknickenden Fahrbahnverlauf nicht folgen und geradeaus auf die Weide rauschen.

Dies war zuletzt im Juni der Fall, wobei nach Angaben der Feuerwehr niemand verletzt wurde. Die Polizei registrierte für dieses Jahr bis Ende August keinen Verkehrsunfall für die Landesstraße 24 zwischen Breinig und Zweifall, der von den Beamten hätte aufgenommen werden müssen.

Im Vorjahr wurden für diese Strecke vier Unfallanzeigen registriert. „In einem Fall wurde der Autofahrer schwer verletzt“, berichtet Polizeisprecher Paul Kemen: „Er stand unter Alkoholeinfluss.“ In den drei anderen Fällen seien die Fahrer leicht verletzt worden. Ein weiterer Alleinunfall war durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht, ein Unfall durch einen Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr und ein weiterer durch einen Abbiegefehler.

Spekulativ ist, inwieweit Unfälle vorsorglich verhindert werden konnten aufgrund der präventiven Anlage zur Geschwindigkeitsüberwachung an ihrem heutigen Standort. Jedenfalls ist auch an dieser Stelle ein reguläre Inbetriebnahme der „Blitze“ aufgrund des Zustandes der Fahrbahn nicht möglich.

Gleichwohl appellierten bereits im Mai die Ausschussmitglieder für eine Beibehaltung der Anlage zur Vorbeugung — so wie dies vor gut acht Jahren an der Landesstraße 221 in der Buschmühle nach heftigem Drängen seitens der Stolberger Politik der Fall gewesen war. Dort war die Anlage nach Kanalarbeiten nicht mehr einsatzbereit, weil die Induktionsschleifen nicht erneuert worden waren. In der Buschmühle ist der „Starenkasten“ erst wieder seit drei Jahren in Betrieb, nachdem in Folge einer Erneuerung der Fahrbahndecke durch den Landesbetrieb auch wieder Induktionsschleifen eingearbeitet worden waren.

Weiter Tempo 30 auf der Landesstraße 12 in Breinigerberg

Weiterhin der Auffassung, dass die durch die Stadt erfolgte Ausweisung von Tempo 30 auf der Landesstraße 12 im Bereich des „Starenkastens“ an der alten Schule in der Ortslage Breinigerberg nicht dem geltenden Recht entspricht, ist die Städteregion. Allerdings versucht sie derzeit nicht, die Geschwindigkeitsbegrenzung wieder auf 50 km/h anzuheben, erklärte Pressesprecher Detlef Funken auf Anfrage.

Auf Bundesebene laufe derzeit eine intensive Diskussion über die Ausweitung von Schutzzonen auf Landesstraßen durch eine Geschwindigkeitsreduzierung. „Wir wollen dem Ergebnis der Debatte nicht vorgreifen und wollen erst ihr Ergebnis abwarten“, so Funken. Es bleibt also vorerst weiter bei Tempo 30.