Stolberg: Black Jackets stehen vor Gericht

Stolberg: Black Jackets stehen vor Gericht

Es ist schon eine Latte an Vorwürfen, die die Aachener Staatsanwaltschaft drei Stolbergern zur Last legt. Wegen Menschenhandels, sexueller Ausbeutung, Zuhälterei, Erpressung, Drogenhandels und Waffenbesitz zwischen Januar 2014 und November 2015 müssen sich ein 26-Jähriger, der seit Januar in Untersuchungshaft sitzt, sein 28 Jahre alter und nun in Jülich ansässiger Bruder wegen Beihilfe sowie eine noch 24-Jährige, die ebenfalls in Jülich wohnt und Partnerin des Hauptangeklagten, vor der 8. großen Strafkammer des Aachener Landgerichtes verantworten (Az.: 68 KLs 19/16).

Die Vorwürfe beginnen im Januar 2014 in einem Geschäfts- und Wohnhaus auf der Mühle. Die Schwester des 26-Jährigen soll laut Anklage eine Arbeit suchende Frau an ihren Bruder vermittelt haben. Der traf mit seiner Partnerin die Geschädigte in einer Kneipe im Parterre des Hauses, in dem die Angeklagten auch wohnten. Bei dem Treffen habe sich der 26-Jährige als Mitglied der Rockerbande Black Jackets geoutet und der Frau Gewalt angedroht, wenn sie nicht für ihn als Prostituierte arbeite.

Vor lauter Angst habe sich die Geschädigte auf die Tätigkeit eingelassen, die in einer Wohnung des Wohn- und Geschäftshauses ausgeübt wurde. Die Partnerin des Hauptangeklagten soll die Frau dann in die Tätigkeiten eingeführt haben. Für die Nutzung der Wohnung soll dem Opfer eine horrende Miete abgefordert worden sein, so dass sie sich bei den Angeklagten zudem habe verschulden müssen. Erst aufgrund einer zwischenzeitlichen schwerwiegenden Erkrankung sei dem Opfer im Mai 2014 der Ausstieg gelungen — allerdings auch erst nach Zahlung einer Ablösesumme.

Nach Karneval 2014 habe ein anderes Mitglied der Black Jackets ein weiteres Opfer an den Hauptangeklagten vermittelt. Der alleinerziehenden und erwerbslosen Frau in finanziellen Schwierigkeiten sei erneut gedroht worden mit den Mitteln der Rockerbande.

Auch sie habe in einer Wohnung in dem Objekt der Prostitution nachgehen müssen und dabei zunehmend Schulden aufgebaut. Nachdem den Angeklagten die Wohnung auf der Mühle gekündigt worden sei, habe das Opfer, das nach einigen Monaten eine Beziehung mit dem Bruder des Hauptangeklagten angefangen habe, seine Tätigkeit in einer Bar im Alsdorfer Ortsteil Mariadorf sowie in Merzbrück fortsetzen müssen. Um ihre Schulden begleichen zu können, habe die Frau zudem zwei Wochen in Rosenheim als Prostituierte arbeiten müssen, um 3000 Euro abzahlen zu können.

Einen Ausstieg hätten die Angeklagten wiederholt durch Drohungen, ihrem Sohn etwas antun zu wollen, verhindert. Allerdings habe sich das Opfer nach einer Ablösezahlung in Höhe von 5000 Euro im August 2015 freikaufen können.

Im November habe sich die Frau der Polizei anvertraut. Die fand dann bei Durchsuchungen der Angeklagten auch Waffen sowie Amphetamin und Marihuana, mit dem die Angeklagten gehandelt hätten. Die 8. große Strafkammer unter Vorsitz des Richters Hans-Günter Görgen hat für das Verfahren zunächst einmal zwölf Verhandlungstage angesetzt. Es beginnt am Donnerstag, 3. November, um 11 Uhr.