Stolberg-Schevenhütte: Bitbouler-Cup: Sonne und Baskenmütze, aber Bier statt Pastis

Stolberg-Schevenhütte : Bitbouler-Cup: Sonne und Baskenmütze, aber Bier statt Pastis

Die Sonne strahlt über dem bunt belebten Garten in Schevenhütte. Mehr als hundert Menschen tummeln sich in „Bubis Gartenparadies”, suchen Schatten unter Sonnenschirmen oder den malerischen Bäumen am Rande. Händeschütteln, Schulterklopfen und Umarmungen sind an der Tagesordnung, die freundschaftlich-familiäre Atmosphäre ist nahezu greifbar.

Ein Wind weht sanft leise Musik durch die Gesellschaft und der Mann am rauchenden Grill schwitzt.Was zunächst wie ein lockeres Sommerfest scheint, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als ein ernst zu nehmender sportlicher Wettkampf: Die „Bitbouler” veranstalteten am Samstag im Casino Schevenhütte den mittlerweile fünften Bitbouler-Cup, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. „Aus sieben Teams beim ersten Turnier sind heute 22 Teams mit je drei Spielern geworden, aus einer Boulebahn ganze zehn”, berichtet Bitbouler Thomas Arndt nicht ohne Stolz. „Auch das Leistungsvermögen und Spielniveau der Teams wird immer besser.”

66 Aktive am Start

Tatsächlich ist auf dem Gelände hinter dem Casino jeder freie Quadratmeter genutzt, so dass ausreichend Platz für zehn Spielfelder und die 66 Aktiven vorhanden ist. Mit modernster Technik ausgestattet wachte die Wettkampfleitung über das sportliche Geschehen und kontrollierte das Turnier. Hier wurde ernsthaft Sport betrieben, wenn auch die Konkurrenten befreundet sind. „Der Cup ist wie eine große Familienfeier, wir sind alle Freunde”, freut sich Frank Schaul, einer der Bitbouler. Er gehört zu den Boule-Enthusiasten unter den Hobby- und Amateurspielern, was man schon an seiner Frisur erkennen kann: Auf dem Hinterkopf ist eine Boulekugel einrasiert. „Wir spielen bei Wind und Wetter auch im Winter. Solange die Bahn nicht eingeschneit ist, wird Boule gespielt” so Schaul.

Die 22 angetretenen Teams, unter denen vier reine Damen- und drei gemischte Mannschaften sind, nehmen sich selbst nicht so ernst und nennen sich Gummibären, Le Stümper, Bouletten, Nebenbouler oder Bouledozer. Sie alle sind der Faszination des Boulespiels erlegen. Der sportliche Wettbewerb wird daher um so ernster betrieben. Olivier Marceau, der Franzose bei den Bitboulern, erklärt zu dem französischen Nationalsport Boule: „Wir spielen die Variante Ptanque aus der Provence, bei der die Kugel aus dem Stand geworfen wird.” Auf einer sechs bis zehn Meter langen Kiesbahn gilt es, die Metallkugeln möglichst nah an eine kleine Holzkugel zu platzieren, die liebevoll „Schweinchen” genannt wird.

Lässige Haltung, gezielter Wurf

Lässig steht Willi Spiegelmacher auf der Bahn. Er ist mit einer Baskenmütze, einer schmauchenden Zigarette und einer silbernen Kugel ausgestattet und mit einem hochkonzentrierten Blick. Er visiert sein Ziel an, federt in den Knien und macht einen gezielten Wurf, worauf er Lob von Teamkollegen wie vom gegnerischen Team erntet. Thomas Arndt: „Für uns zählt mehr die Freundschaft als der Sieg. Dennoch ist es für uns wichtig, dass wir mit unserer eigenen Leistung zufrieden sein können. Wenn wir gewinnen, gehen wir zusammen ein Bier trinken - wenn wir verlieren auch.”

Boule, zu deutsch Kugel, stammt aus dem Frankreich des dreizehnten Jahrhundert und wird hierzulande immer beliebter. In Stolberg entstand das Boulen in Gressenich, wo seit zehn Jahren Boule-Turniere veranstaltet werden. „Die Bitbouler hier in Schevenhütte stehen uns in nichts nach, das ist ein tolles Turnier”, meint Rolf Minderjahn aus Gressenich, „hier spielen Aktive im Alter von siebzehn bis siebzig Jahren, es gibt Männer-Teams, gemischte und reine Damen-Teams, so etwas ist einmalig, das gibt es nur beim Boule”, schwärmt der erfahrene Bouler.

Drei Generationen vereint

„Die Kugel wiegt 700 Gramm, soviel wie vier Tüten Gummibärchen”, erklärt ein Spieler einem interessierten Kind. Der Sport ist wie das Turnier der Bitbouler für die ganze Familie geeignet, so waren mindestens drei Generationen beim Bitbouler-Cup 2009 zugegen und sorgten für einen gelungenen sportlichen Wettstreit. Um 20 Uhr wurde das Finale ausgetragen, es traten die Teams „Acht Uhr” und „191 Plus” gegeneinander an. Willi Heidbüchel, Reiner Niessen und Gerd Beissel sind zusammen 194 Jahre alt, den Teamnamen „191” gaben sie sich im vergangenen Jahr mit einem „Plus”, um Namen und Trikots nicht jährlich ändern zu müssen.

Gewonnen hat aber das Team „Acht Uhr” aus Gressenich, Arthur und Wolfgang Schoenen sowie Dirk Schwabe gingen als stolze Sieger von der Bahn. Den dritten Platz belegten die Maiburschen vor den Teams Bitbouler I und II. „Das Spielniveau war fast französich und das ist gut, wir trinken in Schevenhütte eh lieber Bier als Pastis”, resümiert Olivier Marceau aus Langerwehe. Am Ende des fünften Bitbouler-Cup waren sich alle Beteiligten einig, die gelungene Veranstaltung nächstes Jahr bestimmt wieder zu besuchen.