Stolberg: Birgitta Hollmann begeistert mit Vortrag über Mühlen an Pau und Johannisbach

Stolberg: Birgitta Hollmann begeistert mit Vortrag über Mühlen an Pau und Johannisbach

Pau und Johannisbach zählen zu den Wasserläufen, die die industrielle Entwicklung Aachens wesentlich mit geprägt haben: Mit diesem Thema befasste sich jetzt im Kupferhof Rosenthal der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein, der als sachkundige Referentin Birgitta Hollmann vom Ökologie-Zentrum Aachen eingeladen hatte.

Hollmann — Geschäftsführerin des Ökologie-Zentrums — befasst sich seit vielen Jahren mit den historischen Wasserläufen der Nachbarstadt und gibt ihre Erfahrungen und Recherchen in Form von Exkursionen und Vorträgen weiter. Bildlich untermalt hatte Hollmann ihren Vortrag, indem sie in Form von Dias den rund 65 Besuchern zahlreiche historische Fotos, Zeichnungen und Karten zugänglich machte. Diese Hintergrundinformationen dienten dazu den Verlauf der Bäche, die einst die Aachener Innenstadt berührten, darzustellen. Denn im 19. Jahrhundert wurden Pau und Johannisbach verrohrt und bis auf wenige Meter offenen Verlaufs weitgehend in den Untergrund verbannt. Nur am Lindenplatz wurde der Johannisbach 1999 wieder an die Oberfläche geholt: Seitdem folgt eine 400 Meter lange gepflasterte Rinne seinem natürlichen Verlauf.

Ihren Vortrag nutzte Hollmann außerdem, um die Gäste mit den Standorten der zahlreichen alten Mühlen vertraut zu machen, die einst die Ufer von Johannisbach und Pau säumten. So lagen laut Hollmann am Johannisbach allein sechs Mühlen, die mehrheitlich im 15. und 16. Jahrhundert entstanden, die Produktionsabläufe der Tuch- und Nadelindustrie unterstützten. Denn das Wasser des Johannisbaches und der Pau hatte man in Teichen aufgestaut und über Gräben zum Betrieb von Mühlen mit unterschiedlicher Funktion und Arbeitsweise eingesetzt.

So lagen einst entlang von Pau und Johannisbach Walk-, Schleif- und Mahlmühlen, die ähnlich wie im Stolberger Vichttal dem Zerkleinern von Erzen, dem Verdichten und Veredeln von Geweben sowie dem Antrieb von Hammer- und Schleifwerken dienten. Als Beispiel wie nah die Mühlen der Aachener Innenstadt verhaftet waren, führte Hollmann die im 16. Jahrhundert entstandene „Plattenbauchmühle“ im Bereich von Lochnerstraße und Karlsgraben an, deren einstigen Gebäude als solche aber heute nicht mehr zu erkennen sind. Die Plattenbauchmühle hatte um 1817 als Walkmühle und Färberei gedient. Später entstand dort die Fabrik und die Villa des Industriellen Lochner, der 1857 auch die benachbarte „Junkersmühle“ aufkaufte.

Dass auch der Aachener Hangeweiher — der inmitten des um 1910 entstandenen „Kaiser-Friedrichs-Parks liegt — seine Existenz einem Wasserreservoir des früheren Tuch- und Nadelgewerbes verdankt, machte Hollmann deutlich, als sie die Geschichte von Pau und Paunelle erläuterte. „Denn das weiche Wasser bildete die Grundlage für die industrielle Entwicklung. Ohne weiches Wasser keine Tuchindustrie“, so Hollmann. Die Besucher waren begeistert. Sie verfolgten die Erläuterungen und Darstellungen mit großem Interesse. Noch ausstehende Fragen wurden in der anschließenden Diskussionsrunde vertieft und bearbeitet.

(dö)