Biotop soll länger erhalten bleiben

Engagement in „Gehlens Kull“: Biotop noch länger erhalten

Walter Meuthen hat viel zu erzählen. Über seine Expeditionen, seine Liebe zu Stolberg und insbesondere über sein ehrenamtliches Engagement in „Gehlens Kull“.

Seit mehr als zwanzig Jahren kümmert er sich dort um Sauberkeit und Ordnung; sorgt für die Pflege des Grünbestands und des kleinen Biotops, das inzwischen dort angelegt wurde.

Der Grund hierfür ist schlicht und gleichzeitig sehr beeindruckend: „Ich habe so viel Schönes in meinem Leben erlebt und wollte meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, in dem ich den Menschen hier ein Stück Natur zurückgebe.“, erklärt er uns, als wir ihn fragen, warum er solche Mühen auf sich nimmt. Mehrmals täglich besuchen er und seine Mitstreiter das Naturschutzgebiet, sammeln Müll auf, beseitigen Laub von den Wegen und Treppen und sorgen dafür, dass der Teich nicht zuwächst.

„Entkrauten“ nennt er das, und ein Blick auf den Teich zeigt, dass dies eine notwendige Arbeit ist, um der Vielzahl an Tieren einen Lebensraum zu bieten. Die Geschichte und Geschichten rund um Gehlens Kull sind spannend. Besonders erstaunt hat mich, dass so unglaublich viele Menschen dieses Schatzkästchen der Natur mitten in Stolberg gar nicht kennen.

Bereits 1897 wurde das Gebiet von der Firma Heinrich Gehlen als Steinbruch zur Kalkgewinnung genutzt und erst in den fünfziger Jahren geschlossen. Danach gab es eine Phase, in der das Gelände als Abraumdeponie genutzt wurde. Erst 1985 begann man damit, das Grundstück wieder zu rekultivieren.

„Und das war dringend notwendig“, findet Walter Meuthen. Er war von Anfang an dabei, kümmerte sich darum, dass das Biotop angelegt wurde, sorgte für Ordnung und Sauberkeit. Bänke wurden aufgestellt, Bäume angepflanzt. „Wenn ich durch den Park gehe, kann ich mit Stolz auf einige Bäume zeigen und sagen: Den habe ich angepflanzt. Das ist ein Walter-Meuthen-Baum“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Inzwischen ist die Arbeit so weit gediehen, dass immer mehr vom ursprünglichen Gelände freigesetzt werden kann. So zum Beispiel werden alte Rinnen, in denen früher die Steine abwärts transportiert wurden, von Erde und Unkraut befreit und dienen nun als Abflussrinnen bei starkem Regen.

Und Herr Meuthen hat noch mehr zu erzählen. So zum Beispiel von einer Familie, die sich darum gekümmert hat, die alten Kalkbrennöfen aus dem Griff der Sträucher zu befreien. So wird auch ein Stück von Stolbergs Geschichte wieder sichtbar. Oder von der Gruppe Motorradfahrer, die dort eine Grillfeier veranstalteten und sich vorbildlich verhalten haben.

Am liebsten berichtet er von einer Hochzeitsgesellschaft, die das wunderschöne Naturgebiet dazu nutzen wollte, um Hochzeitsfotos zu machen. „Da hatten ein paar Vandalen eine der Mülltüten, die wir im Sommer zusätzlich aufhängen, auseinandergerissen und den Müll in der Umgebung verteilt. Ich wollte gerade damit beginnen, die Schweinerei zu beseitigen, als diese Gruppe ankam. Die Braut sprach mich an und bedeutete mir, dass ich das nicht tun solle. Dann animierte sie ihre Gäste, dass sie gemeinsam anpacken und den Müll wieder einsammeln sollten. Das sei ihr ein besonderes Anliegen, erzählte sie mir. Schließlich hatte sie in Gehlens Kull ihren Mann kennengelernt. So könne sie wenigstens ein kleines bisschen an diesen Ort wieder zurückgeben.“

Überhaupt sei die Resonanz auf seine Bemühungen, diesen Flecken Natur zu erhalten, immer sehr positiv. Und man merkt es auch. Auf einem Rundgang mit ihm durch „seinen Park“ sprechen ihn immer wieder Menschen an und unterhalten sich mit ihm. Ein junges Mädchen, das auf den Bänken herumturnt, überzeugt er mit seinem ihm eigenen Charme dazu, die Bank von ihren Schuhabdrücken zu säubern.

Unglaublich, denkt man sich, aber er erreicht mit seiner Liebe zu Gehlens Kull jung und alt. Walter Meuthen sieht „Gehlens Kull“ als das Herzblatt von Stolberg; als die grüne Lunge der Kupferstadt, die als Naherholungsgebiet zu einer Begegnungsstätte für alt und jung einen Anziehungspunkt bildet. Wie lange dies allerdings so bleiben wird, ist fraglich. Schließlich ist er nicht mehr der Jüngste und seine Bemühungen, einen Nachfolger für seine Arbeit zu finden, waren noch nicht sehr erfolgreich. „Es ist auch eine große Verantwortung und nimmt viel Zeit in Anspruch“, meint Meuthen.

Helfer koordinieren

„Man muss die ehrenamtlichen Helfer koordinieren und mindestens einmal täglich durch den Park gehen und kontrollieren; damit die Leute sehen: Aha, da kümmert sich einer. Wenn das nicht mehr passiert, wird hier bald wieder Müll und Unrat herumliegen. Der Park würde verwildern und damit ein schöner Fleck Stolbergs verschwinden.“, befürchtet er.

Für Walter Meuthen wäre das eine Katastrophe, wenn das, was er an die Stadt Stolberg und seine Bürger geben wollte, ein derartiges Ende nehmen würde. Vielleicht würde es besser gehen, wenn sich mehrere Menschen zusammentun, um gemeinsam die Verantwortung zu übernehmen.

Zu wünschen wäre es nicht nur Meuthen, dass sich dieses ehrenamtliche Engagement fortsetzt, denn auch wenn Gehlens Kull immer noch nicht allen Stolbergern bekannt ist, würde der Stadt doch etwas fehlen, wenn der alte Steinbruch wieder dem Müll und Vandalismus anheimfallen würde. Wer mehr über Gehlens Kull erfahren möchte, kann sich auf der Homepage der Stadt Stolberg oder beim Touristikbüro erkundigen.

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