Bildungszentrum der Städteregion will Angebot erweitern

Bildungszentrum der Städteregion : Neue Wege in die Gesundheitsberufe

Pflege und Gesundheit zählen angesichts der alternden Gesellschaft zu den Wachstumsbranchen. Doch der Fachkräftemangel wird zum Risiko für die Versorgung der Menschen, warnt Thomas Kutschke.

Der 51-jährige Pflegewissenschaftler ist Geschäftsführer der neuen gemeinnützigen Gesellschaft „Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit“ (BZPG) der Städteregion, in der zum 1. Januar das bisherige Amt für Altenarbeit mit dem Fachseminar für Altenpflege und der Fort- und Weiterbildung aufgegangen ist. Schritt für Schritt will Kutschke das Bildungszentrum in den kommenden Jahren um weitere Ausbildungen im Pflege- und Gesundheitsbereich ergänzen.

Einfache Lösungen zur Beseitigung oder zumindest Linderung des Fachkräftemangels gibt es nicht. „Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir auch diejenigen gewinnen können, die Abitur oder Fachabitur haben, also eine Studienberechtigung. In drei Jahren werden das 80 Prozent aller Schulabgänger sein“, prognostiziert Kutschke. Duale Studiengänge seien ein Weg. In den vergangenen drei Jahren hat er als Beauftragter des Präsidiums der Hochschule Niederrhein einen solchen Studiengang mitentwickelt. Und das Altenpflegeseminar der Städteregion unter Leitung von Diplom-Psychologin Marion Pöppinghaus hat als Partner in einem Modellprojekt erste Erfahrungen gesammelt.

Aufstiegschancen verbessern

Wichtig sei auch, die Aufstiegschancen zu verbessern. An Attraktivität gewinnen werden Pflegeberufe nach Ansicht von Thomas Kutschke auch dadurch, dass neue Aufgabenfelder für qualifizierte Beschäftigte entstehen. Etwa in der Pflegeplanung oder in Prüfstellen.

Die Reform im Pflegebereich mit der Zusammenführung der bislang getrennten Ausbildungen in der Kranken-, der Kinderkranken- und der Altenpflege bringt weitere Herausforderungen. Die generalistische Pflegeausbildung mit gemeinsamer Basisqualifikation für alle und anschließender Spezialisierung wird im neuen Bildungszentrum ab Januar 2020 umgesetzt. Dann soll die Krankenpflegeschule des Rhein-Maas-Klinikums in die neue Gesellschaft überführt werden.

Und Kutschke hat noch mehr vor: Er möchte perspektivisch – in enger Abstimmung mit schon bestehenden Schulen in der Region – noch weitere Ausbildungen anbieten. Denn es gebe nicht nur einen Mangel an Pflegekräften, sondern auch zum Beispiel an operationstechnischen Assistenten und medizinisch-technischen Radiologieassistenten. Zudem seien Physiotherapie oder Ergotherapie ein Thema.

Am jetzigen Standort in Nachbarschaft des Rhein-Maas-Klinikums in Würselen ist das alles unmöglich. Das Altenpflegeseminar leidet seit Jahren unter eklatanter Raumnot, eine Erweiterung ist nicht möglich. Ein Neubau muss her. Der soll – nach neuesten Standards – auf dem ehemaligen Krankenhausgelände in Würselen-Bardenberg entstehen. 600 Auszubildende sollen hier möglichst ab September 2020 hervorragende Lernbedingungen vorfinden. Bauherr wird die Krefelder Inoges AG, die in Bardenberg bereits die psychosomatische Reha angesiedelt hat. Das Bildungszentrum wird den Bau mieten.

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