Stolberg: Betriebsführungs-GmbH: Weichen gestellt für Haus am Amselweg

Stolberg: Betriebsführungs-GmbH: Weichen gestellt für Haus am Amselweg

Die Nervosität ist ihr anzumerken, als sich Gabriele Makola im Stadtrat vorstellt. Grund dazu hat die 50-Jährige eigentlich nicht. Einstimmig hatte sich bereits im Vorfeld die Auswahlkommission für die Aachenerin ausgesprochen.

Ebenso einmütig fällt die Entscheidung der Politik aus. Gabriele Makola wird Nachfolgerin des scheidenden Geschäftsführers der Seniorenwohn- und Sozialzentrum Betriebsführungs-GmbH. Sascha Saßen verlässt zum 30. September das Haus auf der Liester, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen.

Gabriele Makola (kl. Bild) übernimmt zum 1. Oktober die Geschäftsführung der Seniorenwohn- und Sozialzentrum Betriebsführungs-GmbH. Sie erhält auf dem Gelände der Propst-Grüber-Schule eine neue Pflegestation mit 80 Plätzen, die zum 1. August 2018 bezugsfertig sein muss. Foto: J. Lange

Rückkehr in die Heimat

Den September über hat der vor fünf Jahren als Geschäftsführer bestellte Saßen Zeit, seine Nachfolgerin einzuarbeiten. Gabriele Makola beginnt zunächst als Heimleiterin, um vier Wochen später zum 1. Oktober auch die Geschäftsführung der Betriebsleitungs-GmbH zu übernehmen. Kurz skizziert sie im Ratssaal ihren Lebenslauf. Ein Pflegepraktikum im Marienhospital in Witten weckt das Interesse an diesem Beruf. Sie wird Kinderkrankenschwester, absolviert 1999 die Weiterbildung zur Pflegedienstleitung — eine Funktion, die sie zehn Jahre lang in Seniorenheimen und ambulanten Einrichtungen ausübt.

Nebenberuflich beginnt sie 2006 die Weiterbildung zur Pflegesachverständigen. Es folgt an der Hochschule Hamburg der Abschluss als Diplom-Pflegewirtin und Tätigkeiten für das Diakonische Werk und den Caritasverband. Derzeit pendelt sie wöchentlich nach Augsburg, wo Makola Leiterin der Sozialeinrichtungen ist. „Ich freue mich, in die Heimat zurückkehren zu können“, sagt die agile Managerin, auf die große Aufgaben in Stolberg warten.

Denn an diesem Tag trifft der Stadtrat eine weitere, weit reichende Entscheidung für das Haus am Amselweg. Es wird umgebaut und erhält eine neue Pflegestation auf der Liester: Das Gebäude der Propst-Grüber-Hauptschule auf der Liester weicht einem Neubau. Einstimmig beschließt der Stadtrat den Verkauf des gesamten Areals inklusive der ehemaligen Tennisplätze an die GHS Immobilien GbR. Die angegliederte Sporthalle bleibt den Stolberger Vereinen und Schulen als Trainigsstätte erhalten.

Hinter der GHS Immobilien GbR stehen Hans-Dieter Hollander, Philipp Hollander und Hermann Greiff aus Paderborn sowie Heinrich Sangerhausen aus Bad Driburg, die sich bereits mit der neuen Itertalklinik-Seniorenresidenz Alt Breinig in der Kupferstadt engagieren. 3,2 Millionen Euro zahlen die Investoren für die gut zwei Hektar. Sie hatten sich unter insgesamt fünf Interessenten anhand eines Kriterienkatalogs als bestes Angebot an die Spitze gesetzt. Bereits im März hatte der Stadtrat die Grundsatzentscheidung gefasst, nun folgt der Beschluss zum Kaufvertrag.

In enger Abstimmung mit dem Seniorenzentrum wird nun die Konzeption für die Pflegeeinrichtung entwickelt, die vom Haus am Amselweg für die Dauer von zunächst 25 Jahren angemietet werden soll. Spätestens zum 1. August 2018 muss die neue Einrichtung in Betrieb gehen können, denn aufgrund der dann veränderten gesetzlichen Bestimmungen entspricht die bisherige Pflegestation am Amselweg nicht mehr den Anforderungen.

Der Haken an der Sache ist allerdings, dass mit Abriss und Bau erst zum 11. Juli 2017 begonnen werden kann. Dann endet das letzte Schuljahr und damit die Existenz der Propst-Grüber-Hauptschule. Ein Teilabriss im Vorfeld ist dann möglich, wenn die schulischen Belange nicht beeinträchtigt werden. Allerdings hat der Investor jederzeit die Versorgung der Turnhalle mit Wasser und Energie sicherzustellen. Die technische Versorgung soll zukünftig autark und nicht mit dem Neubau gekoppelt sein.

Pflege und Wohnungsbau

Die neue Senioreneinrichtung soll über 80 Pflegeplätze inklusive aller dafür erforderlichen Anlagen verfügen. Zudem sieht das Konzept eine ambulante Wohngemeinschaft mit zweimal zwölf Plätzen, eine Tagespflege mit 20 Plätzen, eine separate Hauskapelle sowie großzügige Freianlagen vor. Der energetische Standard des Projektes wird von der Verwaltung hoch eingeschätzt. So sind eine Pelletheizung, Photovoltaik mit Batteriespeicher und eine thermische Solaranlage auf einem Walmdach vorgesehen.

Auf dem nicht für die Pflegeeinrichtung benötigten Grundstück sieht das Konzept eine Wohnbebauung mit 20 Doppelhaushälften oder zehn Mehrfamilienhäusern mit je sechs Wohneinheiten vor. Die genauen städtebaulichen Details sollen im Rahmen der Bauleitplanung noch abgestimmt werden.