Stolberg: Bethlehem: Verzicht als Basis für bessere Zeiten

Stolberg: Bethlehem: Verzicht als Basis für bessere Zeiten

Ein bekanntes Sprichwort besagt, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben soll. Doch davon wollte Dirk Offermann am Donnerstag nichts wissen. Schon am Morgen stellte er fest: „Das ist ein guter Tag.“ Und brachte damit seine Erleichterung zum Ausdruck über den Kompromiss, den er als neuer Geschäftsführer des Stolberger Krankenhauses mit der Mitarbeitervertretung und der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas erzielt hat.

Er sieht zwar vor, dass die Mitarbeiter bis zum 31. März 2016 auf Teile der ihnen eigentlich zustehenden Tariferhöhungen verzichten werden. Eine komplette Nullrunde, wie es der Antrag an die Arbeitsrechtliche Kommission ursprünglich vorgesehen hatte, wird es aber nicht geben.

„Das ist ein ganz wichtiger Baustein in unserem Sanierungsprozess“, erklärte Offermann gegenüber unserer Zeitung. Und auch Ulrich Schornstein war zufrieden: „Abstriche sind natürlich immer schmerzhaft. Aber wir hatten zwischenzeitlich durchaus mit weniger gerechnet“, räumte der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung ein.

Schornstein zeigte sich „zuversichtlich, dass wir jetzt die Basis dafür geschaffen haben, dass unser Haus in Zukunft wieder auf gesunden Beinen stehen kann“. Und das wiederum bedeutet für Dirk Offermann, dass das von seinem Vorgänger Gábor Szük für das Geschäftsjahr 2014 mit rund zwei Millionen Euro bezifferte Defizit zügig abgebaut wird: „Unser Ziel ist es, bis Ende 2016 die schwarze Null zu schaffen.“

Damit das gelingen kann, erhalten die nichtärztlichen Mitarbeiter des Krankenhauses zunächst rückwirkend die Tariferhöhungen von drei Prozent zum 1. Juli 2014 und nochmals 2,4 Prozent für März. Anschließend werden die Löhne allerdings nahezu wieder auf das alte Niveau herabgesenkt.

Bis Ende März 2016 wird es ein Plus von lediglich knapp einem Prozent geben. Danach sollen die tariflich vereinbarten Erhöhungen in vollem Umfang gewährleistet werden. Auch die 90 Ärzte unter den insgesamt 854 Beschäftigten im Bethlehem-Gesundheitszentrum werden ihren Beitrag zur Konsolidierung leisten und auf Gehaltserhöhungen bis Ende März 2016 verzichten.

Die Vereinbarung ist das Ergebnis eines dreimonatigen Prozesses. Den hatte der damalige Geschäftsführer Gábor Szük vor Weihnachten mit seinem Antrag bei der Arbeitsrechtlichen Kommission auf Aussetzung der geltenden Tarifvereinbarungen in Gang gesetzt. Am 4. Februar war die zuständige Unterkommission zu einer ersten Prüfung nach Stolberg gekommen. Schon damals hatte Dirk Offermann, der seinen Dienst offiziell erst zum 1. März angetreten hat, mit am Verhandlungstisch gesessen.

„Im Vergleich zu dem, was ursprünglich als Forderung eingereicht worden ist, stellt unser Ergebnis natürlich einen Kompromiss dar“, meint Offermann, der die leichte Lohnerhöhung als „Motivationsspritze“ bezeichnet. Die zeigt bei den Mitarbeitern offenbar Wirkung. „Die Stimmung war deutlich gelöster als zum Ende des vergangenen Jahr“, fasst Ulrich Schornstein seine Eindrücke von der jüngsten Mitarbeiterversammlung zusammen.

Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Geschäftsleitung bei dieser Gelegenheit angekündigt hat, in zusätzliches Personal investieren zu wollen. Aus zwei Gründen, wie Dirk Offermann betont: „Die Fallzahlen steigen wieder deutlich. Außerdem wollen wir unser Leistungsspektrum erweitern.“