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Stolberg: „Bestatter fürchten einen „Verlust der Trauerkultur”

Stolberg : „Bestatter fürchten einen „Verlust der Trauerkultur”

„Die Trauerkultur geht verloren”, sagt Bestattungsunternehmer Holger Deussen. Er und seine Kollegen beklagen sich überdie Pläne der Verwaltung, die Friedhofsgebühren im Schnitt um 30 Prozent anzuheben.

Von Wucher spricht Deussen, seine Kollegin Iris Braun vom Bestattungsinstitut Lenzen und Beckers sagt, die Gebühren seien nicht mehr tragbar: „Die Stadt hat eine Verpflichtung gegenüber ihren Bürgern.”

Ein Reihengrab soll zukünftig 1530 statt bisher 1095 Euro kosten (plus 40 Prozent), ein Urnenreihengrab schlägt statt mit 670 bald mit 1380 Euro zu Buche (106 Prozent mehr). Wer die Trauerfeier in einer der Trauerhallen an den Friedhöfen abhalten will, wird mit 625 Euro zur Kasse gebeten (bisher 350 Euro, plus 79 Prozent).

Nun sind mit den Gebühren längst nicht alle Kosten für eine Beerdigung abgedeckt. Eine einfache Urnenbestattung kostet nach der vorgelegten Satzung um die 5000 Euro, die Kosten für eine Erdbestattung beginnen etwa bei 6000 Euro.

Es geht natürlich auch teurer: Wer beispielsweise ein Doppelwahlgrab haben möchte, soll von der Stadt Stolberg zukünftig allein für die Nutzungsrechte mit 4680 Euro zur Kasse gebeten werden.

Da sind die finanziellen Grenzen bei vielen Leuten erreicht, was nach der Ansicht von Holger Deussen dazu führt, dass die Menschen nicht mehr in angemessener Weise Abschied nehmen von ihren Lieben. Beispiel Trauerhalle: Für die Nutzung müssen nach der neuen Satzung 625 Euro bezahlt werden - da halten die Angehörigen die Trauerfeier lieber direkt am Grab ab.

Die meisten Menschen wollen in ihrem Heimatort begraben werden, aber es gibt auch Alternativen. Holger Deussen vermittelt auf Wunsch auch Begräbnisse in anderen Städten, wenn dort Verwandte des Verstorbenen wohnen.

Es ist auch möglich, den Leichnam nach Heerlen zu überführen, im dortigen Krematorium zu verbrennen und die Asche auch dort zu verstreuen. Dann belaufen sich die Kosten nur auf einen Bruchteil dessen, was man in Stolberg bezahlen müsste.

Die Verwaltung nennt als Grund für die geplante Gebührenerhöhung, dass die Auflagen der Kommunalaufsicht - in diesem Fall des Kreises Aachen - der Stadt keine andere Chance ließen. Bisher waren nur 70 Prozent der Kosten durch Einnahmen gedeckt, in Zukunft müssen es 100 Prozent sein. Hinzu kommt, dass Stolberg viele Friedhöfe hat (nämlich 16), für die entsprechend hohe Unterhaltskosten anfallen.

Über die neue Gebührensatzung wird am 20. Januar im Hauptausschuss debattiert, der Rat wird in seiner Sitzung am 3. Februar darüber befinden.