Belastung für Umwelt und die Vereinskassen?

Mikroplastik auf Kunstrasen-Plätzen : Ist Granulat eine Belastung für Umwelt und Vereinskassen?

Granulat auf Kunstrasenplätzen gerät als Mikroplastik in die Umwelt und in das Visier der EU. Stolberger Fußballklubs betroffen.

Mikroplastik belastet unsere Umwelt, und die Problematik belastet vielleicht künftig auch die Kassen Kupferstädter Fußballvereine. Denn der Kunstrasen ist in Verruf geraten. Wobei nach anfänglicher Panik bei vielen Klubs jetzt die Verbände des Deutschen Fußballbunds DFB zur Versachlichung des Themas die Vereine angeschrieben haben. „Die Europäische Kommission plant kein Verbot von Kunstrasenplätzen und arbeitet auch nicht an einem solchen Vorschlag“, teilt der Fußball-Verband Mittelrhein den Stolberger Vereinen mit.

Tatsächlich ist lediglich das Kunststoffgranulat, das auf den Kunstrasen aufgetragen wird, damit die Bespielbarkeit der von Naturrasen ähnelt, ins Visier der EU geraten. Geprüft wird, inwieweit Befüllmaterial mit Bestandteilen aus Mikroplastik nur noch eingeschränkt genutzt werden kann oder nicht mehr erlaubt sein wird. Beschlossen ist indes noch nichts, und Bundesinnen- und Sportminister Horst Seehofer hat sich für eine sechsjährige Übergangszeit im Sinne der Vereine ausgesprochen.

Für die Kupferstädter Klubs mit Kunstrasenplätzen, FC Stolberg, FSV Columbia Donnerberg und SV Breinig, ist also zunächst Entwarnung angesagt. Andere Vereine jedoch müssen reagieren oder haben dies bereits. Etwa die SG Stolberg, die im Jahr der 100-jährigen Vereinsbestehens ein gebrauchtes Kleinspielfeld erstanden hat, in dessen Kunstrasen als Alternative zum Kunststoffgranulat bereits Kork eingestreut ist. Was das große Spielfeld am Bovenheck angeht, so hält Axel Wirtz, Vorsitzender der SG, die angedachte Übergangszeit von sechs Jahren für zu gering.

„Unser Kunstrasenplatz ist fünf Jahre alt. In der Regel können solche Plätze 12 bis 15 Jahre bespielt werden, also sind sechs Jahre als Übergangszeit zu kurz“, meint Wirtz und entspricht damit der Haltung des DFB. „Wir haben einen sehr hochwertigen Kunstrasen, den wir gewissenhaft und intensiv pflegen, so dass wir relativ wenig Granulat einstreuen. Zudem führen wir Granulat, das abgetragen wird, wieder auf den Platz zurück. Letztendlich muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein, denn die Fußballvereine erfüllen wichtige gesellschaftliche Aufgaben hinsichtlich Bewegung, Gesundheit und sozialer Integration“, betont der SG-Vorsitzende.

Wenn es der Umwelt diene, werde die SG selbstverständlich längerfristig das Kunststoffgranulat ersetzen, aber „daraus resultierende Mehrkosten können nicht auf die Vereine und Kommunen abgewälzt werden, sondern ich sehe die Politik in der Pflicht“, sagt Wirtz. Auch dies spiegelt die Meinung des DFB wider – und die weiterer Stolberger Vereinsvertreter. Holger Schulz ist beim FC Adler Büsbach mit der Planung einer neuen Kunstrasenanlage am Kranensterz betraut. „Wir warten noch auf die Finanzierungszusage der NRW-Bank und werden frühestens im kommenden Jahr mit der Umsetzung des Büsbacher Kunstrasenprojekts beginnen können“, erklärt Schulz.

Rechts neben dem Ball spritzt das Kunststoffgranulat auf, das ins Visier der EU geraten ist. Foto: Dirk Müller

Und: „Die Kosten kalkuliert haben wir allerdings mit Kunststoffgranulat und nicht mit teureren Alternativen wie Kork.“ Finanzielle Unterstützung wünscht man sich auch beim VfL Vichttal, wo auf dem Dörenberg bereits zweifach auf die Mikroplastik-Problematik reagiert wurde. „Unser bestehender Kunstrasen, auf dem derzeit 30 Mannschaften trainieren und spielen, ist zehn Jahre alt und muss ohnehin in absehbarer Zeit erneuert werden. Die neuen Projekte haben wir aber bewusst zukunftsfähig geplant“, beschreibt Michael Frey, Vorsitzender des VfL-Vichttal.

Frank Donsbach, 2. Vorsitzender der Vichttaler, zeigt den Kunstrasen, den der Verein in seiner neuen Soccer-Halle verlegt hat. Dieser Rasen ist kürzer und wesentlich dichter als die Außen-Variante. „Er ist qualitativ enorm hochwertig und kommt auch ohne Granulat sehr nah an die Bespielbarkeit von Naturrasen heran, so dass wir den Rasen unverfüllt verlegt haben. Er eignet sich auch für andere Sportarten wie Volleyball, und Turnmatten auf dem Kunstrasen auszulegen, ist auch kein Problem“, führt Donsbach aus.

Jene Qualität des Kunstrasens habe jedoch auch ihren Preis, sagt Frey: „Er ist etwa zweieinhalb Mal so teuer wie der Rasen, den wir außen verlegen.“ Dementsprechend sei diese Lösung nicht infrage gekommen, als es um den alten Naturrasen ging, den der VfL Vichttal derzeit durch einen zweiten Kunstrasenplatz ersetzt. „Ein Risiko wollen wir trotzdem nicht eingehen und werden den neuen Kunstrasen mit Sand und Korkgranulat befüllen.“ Was aber auch kräftig zu Buche schlage, denn: „Kork statt Kunststoff bedeutet für uns rund 300 Prozent Mehrkosten für das Befüllmaterial“, sagt Frey.