Vichter Dorfladen feiert fünften Geburtstag: Bei einem Besuch bleibt es meist nicht

Vichter Dorfladen feiert fünften Geburtstag : Bei einem Besuch bleibt es meist nicht

Kleiner Dorfladen große Gemeinschaft

Das Konzept des Vichter Dorfladen scheint aufzugehen, wenn man sich den Betrieb im Laden einmal anschaut. Am Freitag und Samstag feiert die Einrichtung ihren fünften Geburtstag. Kunden erhalten bei einem Besuch eine kleine Überraschung.

Unscheinbar ist das Ladenlokal an der Eifelstraße. Allerdings herrscht dort reger Betrieb. Es ist Mittwochnachmittag und die Eingangstür öffnet sich im Minutentakt. Jung und Alt strömen in das Ladenlokal. Manchmal halten sie sich dort länger auf, manchmal dauert ihr Besuch gerade einmal wenige Minuten. Ein Mann mittleren Alters hat sein Auto abgestellt und eilt mit zwei großen Paketen zu Mitarbeiter Hans Graff. „Die würde ich gerne zurückschicken“, sagt er, und Hans Graff leitet alles in die Wege.

Zur gleichen Zeit verkaufen Margret Ervens und Roswitha Hauschild an der Theke Kaffee und Kuchen. Alle fünf Tische sind an diesem Nachmittag belegt. Während Ervens den Kaffee vorbereitet, bringt Hauschild den Gästen den Kuchen an den Tisch. Der Herr mit den Paketen hat diese mittlerweile abgegeben. Auf dem Weg aus dem Laden hält er noch einen kurzen Plausch mit einem Bekannten. Dann steigt er in sein Auto und fährt fort. Drinnen klirren indes die Gabeln auf den Kuchentellern. Herzlich willkommen im Vichter Dorfladen!

Die Einrichtung, die von Ehrenamtlern betrieben wird, feiert nun ihren fünften Geburtstag. 33 Ehrenamtler im Laden und noch einmal 15 Vorstandsmitglieder sorgen dafür, dass Menschen aus Vicht und der Umgebung an sieben Tagen in der Woche einkaufen können – und das bis zu zwölf Stunden am Tag. Das Konzept scheint aufzugehen, wenn man sich den Betrieb im Laden anschaut.

Vor sieben Jahren haben die Planungen begonnen. Es gab mehrere Versammlungen und eine Bedarfsanalyse. Im Rahmen der Realisierung des Projekts musste auch ein Geschäftsplan entwickelt werden. Gefördert wurde das Konzept dann unter anderem durch EU-Gelder. Stillstand soll auch heute – fünf Jahre nach der Eröffnung – nicht herrschen. „Wir haben die Produkte nach den Bedürfnissen der Kunden mit und mit angepasst. Im Laufe der Jahre ist auch ein Kühlregal dazugekommen“, sagt Geschäftsführer Kees van der Wouw. Das Angebot sei vielfältig.

Engagiert sich mit vielen anderen Helfern ehrenamtlich im Vichter Dorfladen, der nun seinen fünften Geburtstag feiert: Kees van der Wouw. Foto: ZVA/Sonja Essers

Vom Waschmittel bishin zu Antipasti ist alles dabei. Zudem lege man großen Wert auf regionale Produkte. Brot, Fleisch, Genüse und Eier stammen beispielsweise von Händlern aus Stolberg oder der näheren Umgebung. Im Laden gebe es zudem eine Liste, in die Kunden ihre gewünschten Produkte eintragen können, erklärt Kees van der Wouw.

Was man schnell feststellt: Wer einmal den Vichter Dorfladen aufgesucht hat, kommt immer wieder. So wie die Dame mit den blonden Haaren, die vor den Süßigkeiten steht. „Holst du wieder Kekse für deine Tochter“, sagt Margret Ervens und lacht. „Ja, das weißt du doch. Die hat sie besonders gerne“, sagt die Dame, während sie ein Paket aus dem Regal zieht und zur Kasse geht.

Jeden Morgen um 7 Uhr

Im Café-Bereich werden indes weitere Stücke Kuchen verkauft. Oft sei davon am Abend nichts mehr übrig, erklären die Damen hinter dem Tresen. Das Café scheint eine Art Treffpunkt für etliche Leute aus Vicht zu sein. Das bestätigt auch Kees van der Wouw. Jeden Morgen um 7 Uhr treffe sich eine Gruppe von Männern im Dorfladen. Gemeinsam lese man die Zeitung und trinke Kaffee. „Sie kommen wirklich jeden Tag und bestellen immer vier große und dann vier kleine Tassen Kaffee“, sagt der Ehrenamtler und lacht.

Doch nicht nur für etliche Gäste hat der Dorfladen eine große Bedeutung. Auch die Helfer sind mit viel Herzblut bei der Sache. Einige von ihnen sind bereits seit der Eröffnung vor fünf Jahren mit von der Partie. Darunter auch Margret Ervens, Helene Hilgers und Roswitha Hauschild, die gemeinsam mit Sandra Köhler und Hans Graff jeden Mittwoch im Laden bedienen.

Auch regionale Produkte: Ein vielfältiges Angebot gibt es im Vichter Dorfladen. Der feiert nun Jubiläum. Foto: ZVA/Sonja Essers

Hans Graff hat dabei eine besondere Funktion inne. Warum? Er und seine Frau Erika betrieben den Laden dort einst. Sie wollten ihr Geschäft allerdings altersbedingt schließen. Damit drohte damals eine Menge in Vicht wegzubrechen, denn das Geschäft beinhaltete Postfiliale, Lottoannahmestelle, Reisebüro und Friseursalon, Schreibwaren, Geschenkartikel, Zeitschriften – um nur einige Beispiele zu nennen.

Als Hans Graff die Idee ins Spiel brachte, aus den Geschäftsräumen einen Dorfladen zu machen, fiel dieser Gedanke auf fruchtbaren Boden. Die IG Schönes Vicht, Vertreter der Politik und einige Vichter Urgesteine verfolgten die Idee weiter und setzten sie schließlich um. Auch heute steht Hans Graff noch jeden Mittwoch hinter dem Tresen des Geschäfts – und das mit 80 Jahren. Große und auch kleine Kunden kommen in den Laden. So wie das blonde Mädchen, das Eier für die Familie kauft und auch gleich noch Briefmarken mitnimmt.

„Jeder hat hier seine Aufgabe. Manche von uns sind für die großen Dinge zuständig und andere für die kleinen“, sagt Ehrenamtlerin Roswitha Hauschild während sie gemeinsam mit Margret Ervens die Spülmaschine ausräumt. Langsam leert sich nicht nur der Kuchenvorrat. Auch im Laden wird es so mit und mit etwas ruhiger. Bald ist auch für die Ehrenamtler der Feierabend gekommen. Nach dem Kassenabschluss ist es dann geschafft. Ein weiterer Tag im Vichter Dorladen geht zu Ende. Doch schon am nächsten Tag geht es wieder weiter.