Berge von Schrott-Kühlschränken: Behörden nehmen sich die Müll-Ruine am Bahnhof vor

Berge von Schrott-Kühlschränken : Behörden nehmen sich die Müll-Ruine am Bahnhof vor

„Unseren Mitarbeitern sind die Augen übergegangen“, umschreibt Pressesprecher Detlef Funken der Erlebnisse der Kollegen von der Umweltbehörde.

Gemeinsam mit dem Stolberger Bauordnungsamt nahmen die Mitarbeiter der Städteregion das Gelände der „Feuerfeste Peters“ an der Probsteistraße nahe dem Hauptbahnhof in Atsch ins Visier. Und staunten.

Noch umfassender als schon vor Jahren türmen sich heute Berge von Abfall auf dem Gelände. In erster Linie ein Meer aus weißer Ware: Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde. Aber auch jede Menge weiterer Abfall wird nach Feststellung der Ordnungsbehörden auf den Freiflächen des Firmengeländes illegal gelagert: Altreifen, Fahrzeuge, Schrott, Kunststoffe.

Das neuerliche Einschreiten der Ordnungsbehörden hat die Berichterstattung in unserer Zeitung über die derzeitige Situation veranlasst. „Bis dahin lagen uns keine Erkenntnisse über erneute Abfallprobleme vor“, berichtete Funken. Die Städteregion war davon ausgegangen, dass nach der verordneten Räumung des Geländes im Jahre 2003 wieder alles in Ordnung sein.

Seinerzeit hatte das dann in Insolvenz gegangenen Unternehmen Polarbär GmbH das Gelände der früheren Produktionsstätte feuerfester Produkte als Zwischenlager nutzen wollen. Auch 2009 schritten die Behörden ein. Das Bauordnungsamt erließ erneut Ordnungsverfühungen gegen verschiedene Nutzer des Geländes. Seinerzeit wurden die Nutzungsverbote bestandskräftig und unanfechtbar.

Unerlaubte Nutzungen

Doch das aktuelle Ausmaß der unerlaubten Nutzungen scheint aber frühere Erfahrungen der Behörden zu übertreffen. „Wir sind gemeinsam mit der Städteregion vorgegangen“, bestätigte Tobias Röhm. „Dabei nehmen wir Stadt die Aspekte des Bauordnungsrechtes ins Visier“, so der Technische Beigeordnete weiter, während die Abfallthematik durch die städteregionale Umweltbehörde geprüft würden.

Noch immer ist das Gelände der Feuerfeste Peters voller Müll. Mittlerweile haben Städteregion und Stadt neuen Ordnungsverfügungen erlassen sowie Fristen gesetzt. Foto: Jürgen Lange

„Wir haben mehrere Ordnungsverfügungen erlassen“; bestätigte auf Anfrage Detlef Funken. „Je nach Abfallart sind sie mit unterschiedlichen Fristen zur Beseitigung versehen“, erklärte der Sprecher der Städteregion aber auch, dass gegen die Ordnungsverfügungen der Städteregion Rechtsmittel eingelegt werden können. Der Vertreter des Immobilieneigentümers habe jedenfalls angegeben, nicht zu wissen, woher der Abfall komme und wer für die Ablagerung verantwortlich sei, berichtete die Stadtverwaltung.

Das Gelände und die zerfallenden Gebäude der „Feuerfeste Peters“ an der Atscher Probsteistraße gelten in Stolberg als Schandfleck im Umfeld des Hauptbahnhofes, das in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand aufgewertet wurde. Gleichwohl wird dem Areal eine Zukunft als eine für den Euregio-Railport aktivierbare Fläche eingeräumt. Die ist seit 2015 Bestandteil des Flächenpools NRW. Zwei Landesgesellschaften begleiten eine mögliche Reaktivierung der Brache. Seit wenigen Wochen wird das Areal auch von der Eigentümerin aktiv vermarktet.

Aktive Vermarktung

Der Breiniger Immobilienmakler Alex Kaldenbach bewirbt den „Gewerbepark in top Lage am Hauptbahnhof“. Der Kaufpreis wird mit 2,6 Millionen Euro aufgerufen für die insgesamt 23.000 Quadratmeter Grundstücksfläche. Der Preis sei aber verhandelbar, die Flächen ab 1000 Quadratmeter teilbar. Laut Kaldenbach müssten die meisten Gebäudeteile entgegen des herrschenden Eindrucks gar nicht abgerissen werden, sondern könnten nach einer Renovierung weiter genutzt werden. Teilweise seien die Decken der alten Hallen sogar auf Schwerlasten ausgelegt.

Die rosigen Zeiten der „Feuerfeste Peters“ in Atsch sind längst vorbei. Das Unternehmen reicht zurück auf den 18. Juli 1859, als die Herren Heinrich Schlaeger, Peter Peters und N. Warrin die Firma H. Schlaeger et Compagnie zur Produktion feuerfester Steine gründen. Ihre Geschichte ist vielseitig.

1997 meldete die Firma „P. Peters Fabrik Feuerfester Produkte GmbH“ Konkurs an und stellte zum Jahresende die Produktion an der Probsteistraße ein. 35 Beschäftigte waren betroffen. Die Firma Kurt Peters KG übernahm Knowhow und Kundenstamm, produzierte an der Eschweiler Karlstraße – seit 2012 unter der Firmierung „L& F. Peters GmbH Feuerfeste Erzeugnisse“.

Sie teilte auf Anfrage mit, dass das Grundstück in Atsch seit einem Jahrzehnt im Besitz eines in Eschweiler lebenden Komplementärs ist, nachdem zuvor die Kurt Peters KG das Areal verwaltet hatte. 2007 hatten die rund 23 Hektar mit 19 Gebäudeteilen, die im Wesentlichen zwischen 1870 und 1920 erbaut wurden, mit einem Gesamtwert von 51.000 Euro zur Zwangsversteigerung gestanden.

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