Stolberg: Begeisterung für Fotokunst hält sich sehr in Grenzen

Stolberg: Begeisterung für Fotokunst hält sich sehr in Grenzen

Der Versuch, „die Kunst in die Stadt zu tragen“, scheint schon im ersten Anlauf zu scheitern — am Desinteresse der Stolberger Gewerbetreibenden. Dabei eigne sich gerade die erste „Artibus“-Schau aus mehrfachem Grund dazu, beschreibt Kurator Professor Dr. Dieter Alexander Boeminghaus.

„Die Fotokunstwerke von Ales Vega zeigen ausschließlich Stolberger Motive. Die Geschäftswelt der Kupferstadt könnte mit ihrer Beteiligung also sowohl die lokale Kunstszene unterstützen, als auch Identifikation mit ihrer Stadt zeigen.“

Mit der „kunstvollen“ Aussage, zum Standort Stolberg zu stehen, gerne hier zu leben und zu arbeiten, werde zugleich das Image der Stadt im Inneren verbessert, da die Bürger mit den ausgestellten Bildern den Reiz des eigenen Lebensumfelds vor Augen geführt bekämen.

Rund 100 Motive

Geschäftsleute können eines oder mehrere von rund 100 in der Burg-Galerie gezeigten Motiven auswählen und gegen eine Kostenbeteiligung in gewünschtem Format auf Leinwand ziehen lassen. Die Kunstwerke sollen dann bis zum Jahresende in Ladenlokalen oder Schaufenstern ausgestellt werden. Soweit die Theorie. In der Stolberger Praxis aber zeigte bisher lediglich ein Gewerbetreibender Interesse an den Werken, ein zweites Bild soll bald im Lokal der Stolberg-Touristik zu sehen sein.

„Das ist schon eine sehr enttäuschende Resonanz“, kommentiert der Künstler Ales Vega. Er hat in Stolberg mehr als 1700 Fotos geschossen und war am Ende fasziniert vom Facettenreichtum der Stadt. Faszination für die Kupferstädter Gewerbetreibenden hingegen will bei Vega und auch bei Boeminghaus noch nicht aufkommen. „Die Geschäftswelt ist doch eigentlich eine treibende Kraft, sozusagen der Motor einer Stadt. Stolberg scheint diesbezüglich aber speziell zu sein“, hadert Boeminghaus.

In einem ersten Gespräch sei etwa der Vorsitzende der Gesellschaft für Stadtmarketing (SMS), Patric Peters, von der neuen „Artibus“-Konzeption begeistert gewesen. „Doch dann kam gar nichts mehr. Mehrfach habe ich vergeblich versucht, Herrn Peters telefonisch zu erreichen; immer mit der Bitte um Rückruf“, sagt der „Artibus“-Kurator und bedauert, dass ein Rückruf bis heute nicht erfolgt sei. Auch auf die Bitte per E-Mail, ihm Kontaktdaten von möglichen Ansprechpartnern zu übersenden, habe Peters nicht reagiert.

Auf Anfrage unserer Zeitung reagierten Stolberger Geschäftsleute unterschiedlich auf das „Artibus“-Konzept. Positive Stimmen befürworten die Idee und zeigen Bereitschaft, die Kunst und damit Stolberg zu unterstützen. Sie seien aus Zeitmangel bisher nur noch nicht dazu gekommen, sich Motive auszusuchen.

Andere sind in wirtschaftlich angespannten Zeiten skeptisch ob der Kostenbeteiligung, für die es unternehmerisch kalkuliert keinen direkten Gegenwert gebe. Manche halten das Konzept der Ausstellung für gut, zweifeln aber stark an dem künstlerischen Wert der zur Auswahl stehenden Fotografien und haben kein Bild gefunden, das ihnen wirklich gefällt.

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