Nahversorger investieren in ihre Geschäfte: Bauleitplanung für Rewe-Neubau in Breinig ist beschlossen

Nahversorger investieren in ihre Geschäfte : Bauleitplanung für Rewe-Neubau in Breinig ist beschlossen

Sie ist wieder in Bewegung, die Einzelhandelslandschaft im Stadtgebiet. Nachdem vor einem Jahr Aldi an der Mauerstraße seine vierte Filiale in Kombination mit dem Drogeriediscounter dm eröffnet hat, haben die Mitbewerber Erfahrungen gesammelt und ziehen Konsequenzen.

In direkter Nachbarschaft investiert in den nächsten Wochen Ender Cevik in das E-Center, und in Breinig setzt Georg Goffart neue Akzente im Einzelhandelsstandort am Kastanienweg.

Zwar lässt auch gute drei Wochen nach dem Beschluss des Stadtrates die öffentliche Bekanntmachung für die Bauleitplanung in Breinig noch auf sich warten. Da aber auch die Niederschrift der Sitzung noch nicht vorliegt, dürfte es nur eine „urlaubsbedingte Verzögerung“ sein, die in der Sache nichts ändert. Schließlich hatte das Gremium einstimmig die erste Änderung des „Bebauungsplans Nr. 112 Einzelhandelsstandort Eschenweg“ beschlossen.

Noch fünf Monate, dann wird sich das Erscheinungsbild des Breiniger Nahversorgungsbereichs deutlich ändern. Zum Jahresende läuft der Mietvertrag des Baumarktes Toom mit Georg Goffart aus. Möglichst schnell möchte der selbstständige Kaufmann dann den alten Baumarkt abreißen und mit dem Bau seines neuen Rewe-Marktes beginnen. Denn zum Weihnachtsgeschäft 2020 soll die moderne Filiale eröffnen und den Breinigern mehr Verkaufsfläche bieten, als sie bis dato am Kastanienweg gewohnt sind.

So soll der neue Rewe-Markt aussehen. Foto: Büro Raumplan / Rewe Goffart

1800 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen dort neu, wo für den Baumarkt bislang 1100 Quadratmeter gelten. Auf insgesamt rund 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche summiert sich der heutige Rewe-Markt. Nach dem Umzug in die neue Filiale soll das Gebäude aus den 1980er Jahren saniert werden und zwei Adressen mit jeweils rund 600 Quadratmetern Verkaufsfläche dienen: In der Hälfte zum Kastanienweg hin soll ein Drogeriediscounter seine Pforten öffnen. Die andere Hälfte zum Parkplatz Eschwenweg hin hat Georg Goffart für seinen Getränkemarkt reserviert, der derzeit noch in einem Nachbarkomplex untergebracht ist.

Naheliegend ist der Wunsch des Kaufmanns, in Breinig sein Warenangebot zu vergrößern und zu optimieren. Im städteregionalen Einzelhandelskonzept (Stikt) wird der Stadtteil als unterversorgt bezeichnet. Dort liegt die Umsatz-Kaufkraft-Relation in der Warengruppe Nahrungs- und Genussmittel unter 100 Prozent. Mit der Erweiterung soll der Unterversorgung begegnet und der Kaufkraftabfluss gemildert werden.

Und laut ihrem ‚Zentrenkonzept Einzelhandel’ verfügt die Kupferstadt über eine Verkaufsflächendichte, die im Vergleich mit anderen Mittelzentren der Städteregion sogar deutlich unterhalb des regionalen und des Bundesdurchschnittes liegt. Beide Gutachten sind zwar schon ein Dutzend Jahre alt, aber offensichtlich ist, dass die Unterversorgung innerhalb Stolbergs gewachsen ist.

Großes Umbauprogramm

Georg Goffart möchte aber auch die aktuellen Trends im Supermarkt aufgreifen. Dazu zählt neben energieeffizienter Technik und Lärmschutz vor allem das Sortiment. Es  soll insbesondere im Frischebereich (Brot, Milchwaren, Fleisch, Fisch) breiter aufgestellt werden. Blumen werden weiter im Angebot sein, und ganz zeitgemäß sollen die regionalen Produkte von Goffarts lokalen Geschäftspartnern präsenter werden. Neben dem üblichen Sortiment des 1927 gegründeten „Revisionsverbands der Westkauf-Genossenschaften“ kann der selbstständige Betreiber seiner Supermärkte in Breinig, Mausbach und Bohl über die übliche Konzernpalette hinaus individuelle Produkte anbieten.

Diese Möglichkeiten nutzt auch Ender Cevik, der im Juli 2010 das E-Center aus der Konzernregie übernommen hat und es selbstständig betreibt. Vor vier Jahren hat sich der 54-Jährige zudem mit einem zweiten Edeka-Markt und einem Getränkemarkt im neu errichteten Atscher Versorgungszentrum auf früheren Kistenplatz an der Eisenbahnstraße engagiert. Nun steht ein großes Umbauprogramm für den Markt in Münsterbusch an. Mitte September wird das Geschäft für drei Wochen schließen. Über eine Million Euro investiert der Kaufmann in neues Equipment. „Das wird nicht nur wie 2010 eine Renovierung mit Farbe“, sagt Ender Cevik, „sondern wir bekommen eine komplett neue Einrichtung.“ Schließlich ist die bisherige Ausstattung in die Jahre gekommen, und die Technik streikt zusehends. „Es ist wirklich Zeit, die Einrichtung zu erneuern.“

Ender Cevik freut sich bereits sehr auf den neuen Markt. Foto: Jürgen Lange

Zuletzt war das E-Center grundlegend Ende 2003 umgebaut worden. Langjährige Kunden werden sich noch erinnern, dass es zuvor „Super“ und „Vorteil-Center“ (ein Name, der bei vielen heute noch en vogue ist) hieß, und es einen zweiten Eingang an der Prämienstraße zum „Langen Hein“ hin gab, wo auch die Blumenabteilung lag. Der Kassenbereich schloss sich an, an dessen Ecke wiederum der Lotto-, Tabak- und Zeitschriften-Shop auch die Kunden des Haupteingangs begrüßte. Die Bäckerei Büsch und Multi-Gyros gab es damals noch nicht.

Investiert in den Standort Münsterbusch hatte die Edeka (der Name stammt von Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin), vor dem Hintergrund der absehbaren Ansiedlung von Kaufland und Burg-Center mit jeweils über 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Schon 2001 liefen Verhandlungen, Gespräche und Planungen an. Letztlich konnte Kaufland erst im Oktober 2008 eröffnen, das Burg-Center folgte im August 2009.

Auswirkungen waren schnell zu spüren. In Mausbach schloss Georg Goffart bereits Ende 2006 den Rewe-Markt, der allerdings in nicht zeitgemäßen Räumen residierte und erst Ende 2010 im Neubau neben Aldi an der Gressenicher Straße zurückkehrte. Das wiederum bedeutete im Februar 2016 das Aus für Rewe in Gressenich, wo im Sommer 2017 Netto eröffnete. Und in der Innenstadt schloss Theo Reinartz seinen Rewe in der Stadthallen-Passage Anfang 2013, nachdem er Ende 2009 in Eilendorf ein neues Standbein gefunden hatte.

Bei der Sanierung des E-Centers in Münsterbusch wird die Einrichtung ausgetauscht und die Obst- und Gemüseabteilung erweitert. Foto: Jürgen Lange

Zurück nach Münsterbusch, wo Ender Cevik seinen Markt einer Verjüngungskur unterzieht: Nagelneue Gefrier- und Kühlanlagen werden eingebaut, das gesamte Regalsystem wird ausgetauscht, die Fleischabteilung entsteht neu. Eine moderne Kassenzone wird aufgebaut. LED-Beleuchtung und energieeffiziente Technik sollen den Stromverbrauch reduzieren.

Optisches Vorbild der Neugestaltung ist die Filiale in Atsch mit ihren 1500 Quadratmetern Verkaufs- plus 150 Quadratmeter Shopfläche. Auch in dem Markt an der Mauerstraße mit seinen über 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche und mehr als 25.000 Artikeln im Sortiment sollen die Shops renoviert werden.

Kernpunkt der Sanierung ist aber eine Stärkung der Präsenz und Vergrößerung des Frischesortiments. So soll vor allem die Obst- und Gemüseabteilung deutlich vergrößert werden. Zudem sind Arbeiten am Entree und dem Parkplatz geplant. „Ich freue mich sehr auf den neuen Markt“, sagt Cevik, „nur die Schließung während der Umbauphase bereitet mir Sorgen.“

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