Bahn-Strecke nach Stolberg-Breinig war unverzichtbar

„Ansichten über Jahrzehnte“. : Bahnhof mit wichtigen Funktionen

1889 nimmt die Eisenbahnstrecke nach Breinig ihren Betrieb auf: zuerst eingleisig, nach 1909 zweigleisig. Ausgangspunkt der sieben Kilometer langen Strecke ist die Station Altstadt, damals Hammer. Endpunkt ist Walheim.

Dazu wird am Kastanienweg ein Bahnhof gebaut. Er ist Thema des 140. Teils unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte“.

Das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto zeigt das zweigeschossige Backsteingebäude in seinem damaligen Zustand. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Strecke schon lange nicht mehr für den Personenverkehr genutzt. Den hatte man bereits 1961 eingestellt.

Demnach wurde die Strecke damals nur noch für den Gütertransport verwendet. Der Breiniger Bahnhof, der anfänglich ein Stationsbüro, zwei Warteräume, einen Güterschuppen und eine Angestelltenwohnung beherbergte, hatte in seiner rund 130-jährigen Geschichte zahlreiche Funktionen erfüllt. Von 1889 bis 1922 war er beispielsweise Umschlagplatz für das im Grubenfeld „Cornelia“ - heute Bereich Corneliastraße - gewonnene Eisenerz.

Abnehmer der Erzlieferungen waren die in Eschweiler und Aachen-Rothe Erde ansässigen Stahlhütten. Baumaterialen für den so genannten „Westwall“ wurden 1938 nach Breinig transportiert. Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die deutsche Wehrmacht Bahnhof und Strecke für ihre Zwecke. Danach waren es die US-amerikanischen Streitkräfte, die nach 1944 die nach Breinig und Walheim führende Linie für Militärtransporte nutzten. Dazu hatten sie das von der Wehrmacht gesprengte Rüstviadukt provisorisch wieder hergestellt.

Die Bahn-Strecke nach Stolberg-Breinig war unverzichtbar. Foto: Christian Altena

Zunächst notdürftig

Bereits im Sommer 1945 wird der Personenverkehr wieder aufgenommen: anfänglich in notdürftig wieder hergerichteten Personen- und umgebauten Güterwagen. Wie eingangs berichtet erfolgte in den frühen 1960er Jahren die Einstellung des Personenverkehres. Die Bürger hatten sich längst anderen Verkehrsmitteln zugewandt: dem eigenen Personenkraftwagen oder dem Transport per Straßenbahn oder Bus. Eine Renaissance erlebt die Breiniger Eisenbahnstrecke seit einigen Jahren: anlässlich des Stadtfestes oder des Weihnachtsmarktes wird Breinig gelegentlich mit der Euregiobahn angefahren.

Derzeit gibt es Überlegungen, die einen dauerhaften Personenverkehr per Euregiobahn von und nach Breinig vorsehen. Dazu wird das historische Bahnhofsgebäude, das derzeit eine Schuhmacherwerkstatt, ein Geschäft für Geschenkartikel und eine Wohnung enthält, allerdings nicht mehr benötigt. Geplant ist, das im Bahnhofsbereich ähnlich wie in Stolberg-Altstadt, ein moderner, überdachter Haltepunkt errichtet wird.