Stolberg-Mausbach: AWO-Seniorenzentrum: Das Demenzdorf ist nun offiziell eröffnet

Stolberg-Mausbach: AWO-Seniorenzentrum: Das Demenzdorf ist nun offiziell eröffnet

Dass Nicole Mehr nervös war, das hat man ihr deutlich angemerkt. Aber das durfte sie auch sein — zumindest an einem so außergewöhnlichen Tag. Zwar lächelte die Leiterin des AWO-Seniorenzentrums Süssendell freundlich, begrüßte jeden Gast persönlich und schüttelte viele Hände. Doch da war ja noch etwas anderes, das sie an diesem besonderen Tag erledigen musste — und das ihr sichtlich nicht sehr leicht fiel.

Mehr und die AWO Gesellschaft für Altenhilfeeinrichtungen mbH hatten am Mittwoch zur offiziellen Eröffnung des Demenzdorfes in Mausbach eingeladen. Hochkarätige Gäste waren gekommen; die ersten Bewohner, ihre Familien, viele Vertreter aus der Politik, Neugierige und natürlich Vertreter der AWO.

Sie alle wollten zusammen den Startschuss für das Stolberger Vorzeigeprojekt geben. Und Mehr hatte die Aufgabe, durch das rund einstündige Programm zu führen. „Ich mache das nicht sehr oft“, sagte sie und fügte gleich an: „Ich glaube, es ist sogar das erste Mal, dass ich vor so vielen Menschen rede.“ Gut gemeistert hat sie es dennoch — zumal sie mit ihrem Strahlen gleich jeden Gast in ihren Bann zog.

Matsch im Januar

Ende Januar öffnete das AWO-Seniorenzentrum Süssendell erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit. Damals war es kalt, regnerisch, matschig — Gummistiefel dringend zu empfehlen.

Am Mittwoch jedoch, bei der offiziellen Eröffnung, bot sich den zahlreichen Gästen ein ganz anderes Bild. Trotz des Unwetters der vergangenen Tage schien ausnahmsweise die Sonne, die Rasenflächen erstrahlten in sattem Grün, die ersten Pflanzen haben einen Platz in den vielen Beeten gefunden. Schaut man in die Häuser, sieht man ebenfalls viele Blumen. Alles ist liebevoll dekoriert. Von Matsch keine Spur mehr. „Es ist herrlich hier“ und „das ist sehr schön gelegen“, sagen die Gäste, die entlang der gepflasterten Gehwege zum zentralen Platz schlenderten, wo die Eröffnung stattfand.

Beate Ruland, Aufsichtsratsvorsitzende der AWO GesA und Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksverbandes Mittelrhein, die vergangene Woche bei der Bezirkskonferenz einstimmig wiedergewählt wurde, hatte es sich nicht nehmen lassen, ein paar Worte zu sagen.

„Jeder Bewohner kann seine Erinnerungen mitbringen“, sagt sie. Als Beispiel nannte sie das gemeinsame Kochen. „Wir kochen nicht strikt nach Rezept. Die Bewohner sollen es so machen, wie sie es von Zuhause kennen. Wir legen Wert auf eine häusliche, familiäre Atmosphäre.“ Ruland betonte zudem, dass „jeder pflegebedürftige Mensch“ auf Süssendell willkommen sei — nicht nur an Demenz Erkrankte.

Außerdem schaffe man weitere Arbeitsplätze in der Region. Denn mit den weiteren 40 Bewohnern, für die noch genügend Platz vorhanden ist, sollen auch ebenso viele neue Mitarbeiter eingestellt werden. Vier Stellen sind bereits auf der Homepage ausgeschrieben.

„Ein Vorzeigemodell“

Neben Ruland hat auch Bürgermeister Tim Grüttemeier das Wort ergriffen: „Dass dies ein besonderer Tag ist, sieht man alleine schon an den hochkarätigen Gästen, die von der AWO vor Ort sind. Es ist ein Vorzeigemodell — nicht nur für die Kupferstadt Stolberg — sondern auch für die Pflege von Demenzpatienten insgesamt.“ Er bedankte sich zudem für die konstruktive Zusammenarbeit mit der AWO in den vergangenen zwei Jahren und bot an, dass der Rat als Ansprechpartner bei allen Fragen gerne zur Verfügung stehe.

Bevor noch Auftritte der Tanzgruppe „KG Löstige Wölleklös“ und Musik des Duos um Hermann-Josef Schulte und Sylvia Schell auf dem Programm standen, hielt auch der leitende Bauingenieur des Projektes, Frank Sassendorf vom gleichnamigen Architekturbüro, eine kurze Rede. „Im Herbst 2011 stand ich das erste Mal auf diesem Grundstück. Mein erster Gedanke war ,oh, das ist ja mitten im Wald‘“, sagte er und lachte. Die Stimmung mitten im Wald, das Licht und die Atmosphäre hätten ihn jedoch überzeugt. „Es ist ein sehr schönes Grundstück“, sagte er.

Dass dort eine Menge Arbeit drin steckt, das betonte Sassendorf gleich mehrfach. Und er berichtete auch von den Problemen, die es während der Bauphase gab. „Im Vorfeld sagte man mir, dass wir in der Voreifel gerade in den Wintermonaten mit Schnee rechnen müssen. Schnee kam eher wenig, dafür aber sehr viel Wasser. All diejenigen, die schwimmen können, waren da klar im Vorteil“, sagte er scherzhaft. Dass dennoch alles so gut funktioniert habe, das sei auch der Verdienst der mehr als 34 Handwerkerbetriebe, die an dem Projekt beteiligt waren. Und der der vielen helfenden Hände, der Mitarbeiter, der AWO und vielen mehr.

Dass dieser Ort nun ein Zuhause für 40 Menschen geworden ist, das ließ sich schon an der regen Beteiligung der Bewohner an dieser Feierstunde erkennen. Viele von ihnen ließen es sich nicht nehmen, dabei zu sein. Ganz gleich, ob sie zu Fuß kommen konnten, mit dem Rollstuhl oder sogar im Bett zum zentralen Platz gebracht werden mussten. Sie wollten feiern — ihr neues Zuhause mitten im Wald, das so idyllisch liegt, dass man manches Mal nichts weiter hört als das Gezwitscher der Vögel.

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