AWO am Mittelrhein: Neues Buch, das Geschichte der AWO erzählt

Engagement und Einsatz : Buch zum 100-jährigen Bestehen erzählt die Geschichte der AWO

Käthe Reinartz aus Stolberg war eine mutige Frau. Sie ist eine von 35 Menschen, deren Geschichten ein neues Buch der „AWO am Mittelrhein“ erzählt. Es geht um das besondere Engagement der Porträtierten – und um die Geschichte einer ganzen Organisation.

Käthe Reinartz starb am 31. Juli 1995. Ihre Jugend war geprägt von sozialem Engagement und dem Einsatz für Schwache und Hilfsbedürftige. Als 1935 ihr Vater von den Nationalsozialisten verhaftet wurde, übernahm die damals 20-jährige Käthe trotz ihrer Behinderung das elterliche Geschäft.

Obwohl sie wusste, dass sie durch die Nazis beobachtet wurde, half sie weiterhin politisch Verfolgten und jüdischen Mitbürgern und versorgte russische Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln.

Es sind die Geschichten der Menschen, die Geschichte für uns greifbar machen. Käthe Reinartz ist eine von 35 Persönlichkeiten, deren Geschichten die AWO am Mittelrhein zu einem Buch zusammengefasst hat: „Gesichter der AWO am Mittelrhein“.

Anlass ist das 100-jährige Bestehen der Arbeiterwohlfahrt und das 70. Jubiläum der AWO am Mittelrhein. Unter den 35 Porträtierten sind viele aus unserer Region. Neben Käthe Reinartz (1915 bis 1995) sind auch Leben und Wirken von Walter Heckmann (1942 bis 2009), Willi Everartz (1927 bis 2014) und Marie Juchacz (1879 bis 1956) beschrieben.

Marie Juchacz gründete vor 100 Jahren die AWO

Sie war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament die Rednerbühne betrat. Und sie war es, die 1919 die Arbeiterwohlfahrt gründete. Das Leitbild der AWO ist seither unverändert geblieben: Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz. Im Laufe der Zeit bereicherten einige besondere Mitglieder die Arbeiterwohlfahrt und trugen ihre Werte stets entschlossen und über sämtliche Hürden hinweg nach außen.

Die Porträts schildern das Engagement der 35 vorgestellten Personen und würdigen deren Unterstützung. Die Leser und Leserinnen erfahren außerdem interessante Anekdoten aus der Anfangszeit der Organisation, über ihr Verbot während des Zweiten Weltkriegs und den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit.

Denn: Es sind die Geschichten der Menschen, die Geschichte für uns greifbar machen. Eine populärwissenschaftliche Beschreibung der Geschichte der Arbeiterwohlfahrt am Mittelrhein findet sich in den Bänden zwei und drei der in diesem Jahr erschienenen Trilogie: „Arbeiterwohlfahrt am Mittelrhein 1919 bis 1989 – Ursprünge und Entwicklung“.

Sie widmet sich den ersten 70 Jahren der AWO am Mittelrhein, die von tiefgreifenden Ereignissen der Geschichte begleitet wurden. Sie erzählt von der Zeit von Marie Juchacz in Köln, den Gründungsjahren, von schweren Rückschlägen während des Zweiten Weltkriegs, aber auch von Zeiten der Hoffnung, in denen mutige Persönlichkeiten den Verein wieder aufbauten.

Das neue Buch „Der AWO Bezirksverband Mittelrhein 1989 bis 2019 – Der Weg ins 21. Jahrhundert“ schreibt die Chronik fort: 1989 bricht eine neue Zeit an, die der AWO neue Aufgaben stellt. Der Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung bieten Chancen wie auch Herausforderungen. Die Digitalisierung sowie der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel bedeuten zugleich Erneuerungen in den Strukturen des Verbands: Innovative Ideen, neue Leitlinien und organisatorische Anpassungen sind erforderlich.

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