Stolberg: Autorenlesung mit Jörg Kleis: Kluft zwischen den Welten aufgehoben

Stolberg: Autorenlesung mit Jörg Kleis: Kluft zwischen den Welten aufgehoben

„Glückwunsch an den Autor für einen gelungenen Abend und ein tolles Buch. Der Einblick war überzeugend und unterhaltsam. Ein Mann, der sieben afrikanische Länder bereist und erfrischend echt, sachlich und fair die Länder in ihren Eigenarten und speziellen Seiten beschreibt. Und wir müssen uns nicht schämen oder Mitleid haben oder uns verantwortlich fühlen, sondern dürfen unterschiedliche Länder eines großen Kontinentes in ihrer schönen und echten und auch banalen Alltäglichkeit kennenlernen.“

Diese Stellungnahme aus dem sozialen Netzwerk beschreibt treffend den Eindruck, den die Lesung von Jörg Kleis — einem 30-jährigen Stolberger, der in Berlin Jura studiert hat und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an Berlins Freier Universität ist — in der Stadtbücherei Frankentalstraße bei zahlreichen Besuchern hinterlassen hat. The­ma des Abends war das kürzlich erschienene Kleis-Buch „Gestatten: Afrika“.

Mit rund 60 Besuchern hatte die Lesung eine große Resonanz gefunden. Um den Besuchern eine alternative und differenzierte Sichtweise auf Afrika und seine unterschiedlichen Ethnien, Nationen und Länder zu ermöglichen, widmete sich Kleis einigen Passagen seines 260-seitigen Buches. Beim Lesen und Vortragen, das Kleis spannend, abwechslungsreich und mit gut akzentuierter Stimme gestaltete, wurde schnell deutlich, dass es dem jungen Stolberger dabei nicht um das Wiederholen und Vertiefen gängiger Klischees, sondern um eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart und Zukunft Afrikas und seinen Menschen ging.

Schließlich will der Autor nach eigenen Worten eines vor allem nicht sein: ein weiterer Afrika-Belehrer und -Experte sein. Darum standen bei der Lesung immer die Menschen im Mittelpunkt, die der junge Mann in den Jahren 2011 bis 2013 als Taxifahrer, Kneipenbekanntschaft, Künstler oder Politiker auf seinen Reisen durch Ghana, Ruanda, Togo, Südafrika, Simbabwe, Nigeria und Tansania kennengelernt hat.

Wichtig war ihm dabei, dass die Menschen in seinem Buch zu Wort kommen und die Situation in ihren Heimatländern aus eigener Anschauung und Erleben schildern. Dass ihm das gelungen ist — Kleis hat sein Buch auch mit Humor, Selbstironie und -kritik sowie mit Herzblut und Natürlichkeit ausgestattet — bewies die Reaktion des Publikums, das sich anschließend bei dem Autor mit großem und lang anhaltenden Beifall bedankte, bevor es in eine lebhafte Diskussion einstieg.

Dabei wurden das mit unter konfliktbeladene und klischeehafte Verhältnis zwischen Afrikanern und Europäern kritisch beleuchtet und der Sinn und die Auswirkung von Entwicklungshilfe und anderen Unterstützungsmaßnahmen differenziert und prüfend unter die Lupe genommen. Stellvertretend für die Meinung vieler formulierte eine Besucherin: „Eine runde Lektüre, die allein dadurch begeisternd wirkt, dass die tiefe Kluft zwischen Erster und Dritter Welt mal aufgehoben wird, und uns alle als normale Menschen mit unterschiedlichen Traditionen und Verhaltensweisen darstellt“.

(dö)