Informationsveranstaltung „Antriebstechnologien der Zukunft“: Autonom vom Camp Astrid bis zum Hauptbahnhof

Informationsveranstaltung „Antriebstechnologien der Zukunft“ : Autonom vom Camp Astrid bis zum Hauptbahnhof

Das Stolberger Gewerbegebiet Camp Astrid soll eine der Teststrecken sein für den elektromobilen Kleinbus e.GO-Mover, der sich autonom fortbewegt.

Das war eines der Themen der hochkarätig besetzten und dementsprechend gut besucht gewesenen Informationsveranstaltung „Antriebstechnologien der Zukunft“ der Städteregion.

Im Stolberger Museum Zinkhütter Hof begrüßten Städteregionsrat Helmut Etschenberg und der Bürgermeister der Kupferstadt, Tim Grüttemeier, zahlreiche interessierte Gäste an dem von Dieter Haack moderierten Abend. Und natürlich die Experten, die zunächst zum Thema referierten und anschließend den Gästen Rede und Antwort standen. „Es geht darum, das Gift aus unseren Städten zu verbannen“, schickte Prof. Dr. Günther Schuh (RWTH Aachen und e.GO GmbH) seinem Impulsreferat voraus.

Dieter Haack (v. l.) moderiert die Infoveranstaltung, bei der Städteregionsrat Helmut Etschenberg, Aseag-Vorstand Michael Carmincke, Prof. Dr. Günther Schuh von der RWTH Aachen und der e.GO GmbH, Bernd Lindemann von der FEV Europe GmbH und der Stolberger Bürgermeister Tim Grüttemeier mit den Gästen diskutieren. Foto: Dirk Müller

Fahrzeuge, die mit warm gelaufenem Verbrennungsmotor über Landstraßen rollen, seien nicht das Problem — die Städte aber würden die „Verbrenner“ mit massenhaft giftigen Stickoxiden belasten. Schuh stellte eine Vision vor, in der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren an den City-Grenzen abgestellt werden. Innerhalb der Innenstädte könne dann ein vielfältiges Szenario mit Elektromobilität greifen. Herkömmliche Angebote wie Bus und Bahn sieht Schuh dabei angereichert von Alternativen wie Pedelec-Carts, kompakten Elektroautos wie dem e.GO Life, dem autonom fahrenden Kleinbus e.GO Mover, der den Busverkehr nicht nach Plan, sondern nach Bedarf ergänzt, bis hin zu „Silent Air Taxis“ und voll-elektrischen Senkrechtstartern wie dem Volocopter.

Bernd Lindemann, EU-Geschäftsbereichsleiter bei der Aachener FEV Europe GmbH, rückte die Wasserstofftechnologie als Antriebsalternative in den Fokus. „Die Gewinnung von erneuerbarer Energie ist mit Schwankungen verbunden, daher ist es in Zukunft umso wichtiger, regenerative Energie effektiv zu speichern“, sagte Lindemann. Wasserstofftechnologie sei dazu gut geeignet, und es sei durchaus sinnvoll, satt einer Rückverstromung den Wasserstoff direkt zum Antrieb von Fahrzeugen zu nutzen. Hohe Reichweite und sehr kurze Ladezeiten seien Vorteile vor allem für Bus- und Lastverkehr. Zudem lasse sich Wasserstofftechnologie mit Elektroantrieb kombinieren.

Aseag-Vorstand Michael Carmincke zeigte auf, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) künftig sowohl nach Plan, als auch nach Bedarf fahre. Wie mit dem „Netliner“ bereits getestet, etwa in Monschau. „Was das autonome Fahren angeht, steht für uns die Sicherheit an erster Stelle“, betonte Carmincke.

Dennoch sei das „Fahren ohne Fahrer“ ein Thema für die Aseag. „Auch aus wirtschaftlicher Sicht, denn 70 Prozent unserer Kosten sind Personalkosten.“ Die Zukunft des ÖPNV sei eine Mischung aus massentauglichen Verkehrssystemen und öffentlichem Individualverkehr — angetrieben mit regenerativen Energien.

Autonomes Shuttle zum Bahnhof

In der abschließenden Diskussionsrunde stellten die Fachleute sich auch kritischen Fragen. Zum Beispiel wollte ein Gast wissen: „Woher kommt das ganze Lithium für die Akkus der Elektroautos?“ Prof. Dr. Schuh räumte ein, dass der Lithium-Abbau teils mit ökologisch und sozial kritischen Bedingungen einhergehe, und meinte: „Wir sollten dringend zwei oder drei Werke in Europa etablieren, um positiv auf den Lithium-Abbau einwirken zu können.“

Groß war das Interesse an e.Go life und e.Go Mover. Bei der Infoveranstaltung der Städteregion erfuhren die Gäste, dass der Kompaktwagen e.GO life nicht autonom fahren soll, sondern lediglich eigenständiges Parken derzeit getestet werde. Der Kleinbus e.GO Mover hingegen soll sich in Zukunft autonom fortbewegen. Testläufe sollen in Aachen stattfinden, und auch in Stolberg zum Beispiel den Hauptbahnhof an das Gewerbegebiet Camp Astrid anbinden.

(dim)
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