Ausstellung in Stolberg würdigt "Mütter de Grundgesetzes"

Ausstellung : Auch in Stolberg Spuren hinterlassen

Frieda Nadig, Helene Weber, Elisabeth Selbert und Helene Wessel sind die „Mütter des Grundgesetzes“. Eine Ausstellung, die ihr Engagement würdigt, wurde nun im Rathaus eröffnet.

„Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker!“ Dieser Satz stammt von Helene Weber. Er fiel am 2. Dezember 1949 im Deutschen Bundestag. Helene Weber war eine der insgesamt vier Mütter des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat, der vor über 60 Jahren das Grundgesetz der Bundesrepublik verfasst hat. Sie und ihre Mitstreiterinnen Frieda Nadig, Elisabeth Selbert und Helene Wessel arbeiteten überparteilich zusammen und sorgten dafür, dass der Gleichberechtigungsartikel, der besagt „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, im Grundgesetz verankert wurde. Für ihr Engagement wurden sie mit der Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“, die das Bundesfrauenministerium in Kooperation mit dem Helene Weber Kolleg sowie der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) zur Verfügung stellt, gewürdigt. Diese ist seit Donnerstagabend auch in Stolberg zu sehen.

Eröffnet wurde diese im Foyer des Rathauses. Stolbergs stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen blickte in ihrer kurzen Ansprache auf die Vergangenheit zurück. Schließlich war es bis vor wenigen Jahrzehnten noch so, dass ein Ehemann das Arbeitsverhältnis seiner Ehefrau einfach kündigen konnte. Wollte eine Frau einer Erwerbstätigkeit nachgehen, musste sie sowieso erst einmal ihren Ehemann um Erlaubnis bitten. Erst im Jar 1994 befreite das Gesetz zur Neuordnung des Familienrechts Frauen von dem Zwang in der Ehe den Namen ihres Mannes anzunehmen. Im Jahr 1997 trat dann ein neuer Paragraph in Kraft, der die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe stellte. Für die heutige Frauengeneration sei es indes selbstverständlich geworden, dass eine Frau das Kanzleramt bekleide, meinte Wahlen. Die Arbeit der vier Frauen habe Spuren hinterlassen – auch in Stolberg.

Auch in der Kupferstadt gebe es viele Frauen, die sich für ihre Mitbürger einsetzen würden, meinte Wahlen und nannte die Ratsdamen Hanne Zakowski (SPD), Dina Graetz (Grüne) und Gabi Halili (Linke) stellvertretend für viele andere. „Wir arbeiten über die Fraktionsgrenzen hinaus zusammen und ich würde mich freuen, wenn uns nach der nächsten Kommunalwahl weitere Frauen im Rat unterstützen würden“, so Wahlen weiter. Die Idee, die Ausstellung nach Stolberg zu holen, war im Zusammenhang mit dem Tag des Offenen Archivs und der Ausstellung zu den Stolberger Ratsfrauen im Gespräch entstanden. Auch Stadtarchivar Christian Altena war involviert und hatte sich beispielsweise um den Aufbau gekümmert, merkte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg, Susanne Goldmann, an.

Frieda Nadig (SPD) gehörte dem wichtigsten Grundsatzausschuss des Parlamentarischen Rates an. Von 1949 bis 1961 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie kämpfte für eine gesetzlich verankerte Lohngleichheit von Männern und Frauen. In diesem Punkt stand sie zusammen mit Helene Weber (CDU), die sich ebenfalls vehement für Lohngleichheit einsetzte. Die Frauen konnten sich allerdings nicht gegen ihre männlichen Parteikollegen durchsetzen. Helene Weber war neben Paul Löbe und Wilhelm Heile übrigens eines von drei Mitgliedern des Parlamentarischen Rates, die bereits der verfassunggebenden Nationalversammlung der Weimarer Republik angehört hatten.

Elisabeth Selbert (SPD) stammte aus Kassel und war Juristin. Ihr besonderes Anliegen war die Schaffung eines unabhängigen Rechtswesens, vor allem eines unabhängigen Richteramtes. Helene Wesel vertrat mit Johannes Brockmann im Parlamentarischen Rat die Deutsche Zentrumspartei. Hauptthema Wessels war die Diskussion um den Normenkomplex von Ehe und Familie.