Stolberg: Ausstellung: Fernab von jeglicher Postkarten-Idylle

Stolberg: Ausstellung: Fernab von jeglicher Postkarten-Idylle

Die zweite Schau in der Artibus-Reihe beginnt am kommenden Sonntag und ist eine Sonderausstellung — in mehrfacher Hinsicht. „Das ist Stolberg… Orte und Menschen aus einer anderen Sicht“ überschreibt Robert Schäfer seine Ausstellung mit fotografischer Kunst.

Der 39-Jährige ist Stolberger und seit 2012 freischaffender Künstler. Dass der Schauplatz seiner ersten Einzelausstellung jetzt die Kupferstadt ist, liegt nahe. Zudem ist „Stolberg“ aber auch das Thema der Arbeiten, die Schäfer in der Burg-Galerie zeigt. Bei der Gesamtbetrachtung der Ausstellung fällt auf, dass Schäfer fotografisch ein facettenreiches wie authentisches Bild seiner Heimatstadt zeichnet.

Zeugen der Geschichte

Der Künstler entdeckt mit seiner Kamera viel Reizvolles — auch in den Schattenseiten. Seine Motivauswahl spiegelt die Geschichte der Kupferstadt wider: Die Burg, historische Häuserfassaden und Straßenzüge und idyllische Ecken der Altstadt sind ebenso zu finden wie Zeugen der jüngeren Geschichte. Industrielle Brachen und Ruinen begreift Schäfer in der Gegenwart ebenso als Spuren der Vergangenheit Stolbergs wie manche „Bausünden“ der 70er Jahre. „Auch die gehören zum Stadtbild, und vor allem leben Menschen in ihnen“, beschreibt Schäfer.

Das Thema „Stolberg“ beschäftige ihn immer, sagt Schäfer. „Mein Freundeskreis besteht aus Stolbergern und wir reden natürlich auch über die negativen Aspekte wie das Dauerthema Steinweg.“

Als Künstler habe er allerdings zunehmend wahrgenommen, dass die Vielfalt der Stadt ihren Charme habe und man Stolberg durchaus positiv als lebens- und liebenswerte Stadt sehen könne. „Dazu gibt es genug Möglichkeiten, denn viele Orte der Kupferstadt haben reizvolle Besonderheiten.“ Dies beweist Schäfer mit seiner Ausstellung, gerade indem er ein unverfälschtes Stolberg präsentiert.

Ob das alte Goethe-Gymnasium oder die „Russische Botschaft“, ein Panorama-Bild des malerischen Offermann-Platzes oder der Sender auf dem Donnerberg — Schäfers Motive sind ehrlich, obwohl ein Teil seiner Kunst darin besteht, die Fotografien digital nachzubearbeiten. Dieses Mittel nutzt er, um die Wirkung der Werke auf den Betrachter zu verstärken. Seine Bilder sind teils in Farbe, teils auch in Schwarz-Weiß gehalten.

Letztgenannte Exponate bestechen durch ihre Kontraste, überraschen mit ihrem Licht und entwickeln in Verbindung mit der gewählten Perspektive ebenso viel Atmosphäre wie die farbigen Bilder.

Vergänglichkeit

Industrielle Relikte zeugen von der Historie der Kupferstadt und bringen gleichermaßen Vergänglichkeit zum Ausdruck. Schäfer konzentriert sich nicht auf „touristische“ Motive, fotografiert nicht gezielt die „Schokoladenseiten“ der Stadt. Fernab von PostkartenIdylle entdeckt der Künstler Ästhetik sowohl in stilvollen Gebäuden und Fassaden als auch in „Bausünden“ und Industrieruinen. Den Betrachter lässt er an dieser speziellen Kupferstädter Schönheit teilhaben.