Ausschuss entscheidet über Mobilitätskonzept Stolberg

Klimafreundliches Mobilitätskonzept : Ein Handlungsfahrplan für die kommenden Jahre in Stolberg

34 verschiedene Maßnahmen in fünf Kategorien umfasst das klimafreundliche Mobilitätskonzept der Stadt Stolberg. Dieses wird am Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt vorgestellt. Einige Projekte konnten bereits umgesetzt werden. Weitere Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr starten.

Bereits vor zwei Jahren hat sich die Stadt Stolberg auf den Weg gemacht, um Fördergelder für die Erstellung eines klimafreundlichen Mobilitätskonzepts zu generieren. Das Ziel des Konzepts: Die Treibhausgasemissionen sollen langfristig reduziert werden. Schließlich ist allein der Verkehrssektor in Deutschland für rund ein Fünftel dieser Emissionen verantwortlich. In Stolberg liegt der Anteil sogar bei rund einem Drittel. „Ohne das Thema Mobilität mitzudenken, ist der Klimaschutz nicht möglich“, ist sich Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm sicher.

An dieser Stelle kommt das klimafreundliche Mobilitätskonzept ins Spiel. Röhm bezeichnet dieses als „Handlungsfahrplan“ für die kommenden Jahre. Im Rahmen einer Bestandsanalyse wurden zunächst die verschiedenen Verkehrssysteme analysiert. Dabei wurde deutlich, dass Stolberg einen auffällig niedrigen Radverkehrsanteil besitzt - und das, obwohl ein Großteil der bedeutendsten Pendlerverflechtungen eine fahrradtaugliche Entfernung aufweise, meint Stolbergs Klimaschutzmanager Georg Trocha.

Die fehlende Fahrradnutzung begründe sich allerdings nicht nur durch die vorhandene Topografie, sondern auch durch die fehlende Radverkehrsinfrastruktur. Während die Topografie aufgrund der zunehmenden Anzahl an Pedelecs nach und nach an Bedeutung verlieren werde, sei ein ausreichend dichtes Radverkehrsnetz mit einer verkehrssicheren und regelwerkskonformen Radverkehrsführung und einer möglichst hohen Kontinuität bezüglich der Führungsform auch in Zukunft weiter relevant.

Erarbeitet wurde das Konzept übrigens nicht nur von der Stolberger Verwaltung. Beteiligt waren – neben dem Arbeitskreis Energie und Klima – auch die Stolberger. Etliche Bürger nahmen an den Informationsveranstaltungen und auch an einer Befahrung mit dem Fahrrad (wir berichteten) teil.

Ausbau des Radwegenetzes

Das Konzept umfasst insgesamt 34 Maßnahmen, die in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt sind. Dazu gehören der Fußverkehr, Radverkehr, ÖPNV, MIV (motorisierter Individualverkehr) und Sonstiges. Für den Radverkehr wurde beispielsweise ein kommunales Radwegenetz als eine Art Grundgerüst definiert. Dieses besteht aus insgesamt 19 Radrouten zur Anbindung der Stadtteile an das Stolberger Zentrum sowie der Stadtteile untereinander und mit den angrenzenden Kommunen. Die notwendige infrastrukturelle Optimierung dieser Radrouten ist in den entwickelten Maßnahmenempfehlungen enthalten.

In der Kategorie Radverkehr zählt der Netzausbau zu den Starterprojekten. Dazu gehören unter anderem die Routen zwischen Atsch und Eilendorf sowie der Ausbau des Wirtschaftsweges zwischen Gressenich und Werth und auch der Lückenschluss Nachtigällchen. Fahrradabstellanlagen und die Prüfung der Freigabe von Einbahnstraßen sind weitere Startermaßnahmen in diesem Handlungsfeld.

In der Kategorie Fußverkehr spielt die Erweiterung und Erneuerung von Fußwegverbindungen inklusive Beleuchtung sowie die Reduzierung von Barrieren eine wichtige Rolle. Dies ist auch Teil des integrierten Handlungskonzepts. Zudem soll das Projekt „beSITZbare Stadt“ umgesetzt werden. Dabei steht eine ausgewählte Route, die für Senioren eine Bedeutung hat, im Fokus. Dies könnte beispielsweise die Route vom Seniorenzentrum auf der Liester in die Innenstadt sein.

In Sachen ÖPNV soll eine Machbarkeitsstudie zum Stadtbussystem angelassen werden. Außerdem stehen der „Park & Ride“-Platz an der Schneidmühle und der „Bike & Ride“-Platz in Breinig auf dem Programm.

Elektromobilität und schulisches Mobilitätsmanagement

Das Thema Elektromobilität und deren Ausbau spielt in Stolberg schon seit längerem eine Rolle. Im Bau- und Vergabeausschuss (BVA), der am Donnerstag tagt, steht das Thema ebenfalls auf der Tagesordnung. Dann soll über die Anschaffung eines elektrisch betriebenen Pritschenwagens für das Technische Betriebsamt entschieden werden.

Das Handlungsfeld Sonstiges umfasst unter anderem das schulische Mobilitätsmanagement. So sollen die Stolberger Schulen beispielsweise mit einer entsprechenden Anzahl an Fahrradabstellanlagen ausgestattet werden. Trocha hofft, dass auf diese Weise das Thema Mobilität auch Einzug bei den Familien hält. „Stolberg hat ein riesiges Potential, Dinge zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erledigen“, ist er sich sicher. Um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, sei es allerdings unumgänglich, den Rad- und Fußverkehr zu stärken, so Röhm.

Die Kosten für das klimafreundliche Mobilitätskonzept liegen übrigens bei 94.795 Euro. 70 Prozent davon werden durch Bundesmittel gefördert. Werden alle Maßnahmen umgesetzt, könnten so langfristig 22.000 Tonnen CO2 gespart eingespart werden.

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