Stolberg/Berlin: Ausgezeichnet für viele kleine Geschichten

Stolberg/Berlin: Ausgezeichnet für viele kleine Geschichten

Am liebsten berichtet Jessica Beuth über Projekte an ihrer Schule, der Hauptschule an der Kogelshäuserstraße. Ihre Mitschülerin Anna Fedukov, 17, interviewt gerne neue Lehrer für die „Kogelstreetnews”. Auch Maria Siebert, 16, schreibt für die Schülerzeitung.

Sie plant gerade ein Interview mit einem Schauspieler vom städtischen Theater Aachen. Eine Liste mit 20 Fragen hat sie ausgedruckt. Und Dilan Sahin interessiert sich für alles, was mit Rassismus zu tun hat. Für die „Kogelstreetnews” hat die 16-Jährige mit einer Zeitzeugin gesprochen. Über die Erinnerungen der 94-Jährigen an die NS-Zeit. „Ich nenne sie âmeine OmaÔ”, sagt Dilan. „Obwohl sie gar nicht meine Oma ist.”

Mit ihren Mitschülern Moise Tshibamba, 16, Semhar Berhe, 18, Bianca Autermann, 17, Christina Riffel, 16, Komsan Henn, 16, Kai Ziebuhr und Jens Schüller, 16, sind die Zehntklässler nach Berlin gereist. Zur Preisverleihung des Schülerzeitungswettbewerbs der Bundesländer. „Wir wussten nur, dass wir einen Preis gewonnen haben”, sagt Claudia Titz. Die Lehrerin betreut das Team der Schülerzeitung. Die elf Zehntklässler gehören dazu und 20 Schüler aus den unteren Stufen.

Die Jury in Berlin hat den „Kogelstreetnews” gleich zwei Sonderpreise verliehen. Einen hat die Amadeu Antonio Stiftung verliehen. „Als die Jury die Kateogrie Medien mit Mut nannte, hatte ich direkt das Gefühl, jetzt kommen wir”, erinnert sich Dilan. Den zweiten Sonderpreis erhalten die Stolberger Schüler „für besonderes bürgerschaftliches Engagement” vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Die Jury hat die vielen kleinen Geschichten in den Kogelstreetnews gelobt”, sagt Titz.

Unter Kogel-Engagment findet der Leser in der prämierten Ausgabe Nr. 13 eine Geschichte über zwei Mädchen, die einem streunenden Hund geholfen haben. Auf der nächsten Seite steht ein Beitrag zum „Red Hand Day”, einer Aktino gegen Kindersoldaten. Jessica Beuth hat über ihr Praktikum in einem Möbelgeschäft bei der „Aktion Tagwerk” berichtet. Unter Kogel-Gegen-Rechts findet der Leser einen Beitrag über die Mahnwache in Stolberg.

„Wir haben uns die ganze Zeit nur gefreut”, sagt Titz über die Stunden nach der Preisverleihung. Urkunden, Blumen, Bücher und 1250 Euro Preisgeld haben ihre Schüler aus Berlin mitgebracht. „Und wir dürfen bei der Stiftung ein Praktikum machen”, sagt Moise Tshibamba, 16.

Zurück aus Berlin sammelt Titz mit ihren Schülern wieder Themen, Texte und Fotos für die nächste Ausgabe der „Kogelstreetnews”. Am Freitagmorgen hat die Lehrerin mit den jüngeren Kindern der Jahrgangstufe 5 bis 7 die AG zur Schülerzeitung betreut. Siebt- und Achtklässler können „Schülerzeitung” als Wahlpflichtfach belegen, erklärt sie.

Jetzt sind die Großen dran. Freitagmittag 13.30 Uhr treffen sie sich sich im Klassenzimmer der 10b. „Hast Du die Fotos hochgeladen?”, fragt Anna. „Wer tippt den Bericht ab?”, will Titz wissen. „Und wer hat Liest Du meinen Text noch Korrektur? Wann treffen wir den Schauspieler für das Interview? „Wir besprechen uns hier nur”, sagt Jessica. „Wir schreiben zu Hause.”

Die nächste Ausgabe der „Kogelstreetnews” erscheint im November. Dann haben die Zehntklässler schon die Schule gewechselt.

Moise Tshibamba geht nach den Sommerferien an eine weiterführende Schule, um Abitur zu machen. „Wenn es an meiner neuen Schule keine Schülerzeitung gibt, dann führe ich eben eine ein.” Jessica Beuth und Dilan Sahin wollen erstmal eine journalistische Pause einlegen. Erstmal wollen sie das Fachabitur an der Berufsschule bestehen.