Ausbildungsbörse in Stolberg soll jungen Menschen Orientierung geben

73 Betriebe aus der Region : Ausbildungsbörse in Stolberg soll jungen Menschen Orientierung geben

„Ich muss 1,60 groß sein, um eine Ausbildung bei der Landespolizei anzufangen“ sagt die 18 jährige Dilan Ceylan nachdem sie sich auf der Ausbildungsbörse an dem Informationsstand der Landespolizei NRW mit einem Beamten unterhielt.

Die Abiturientin hat vor kurzem ihre Prüfungen an der Gesamtschule in Eschweiler gemacht und suchte auf der Ausbildungsbörse im Berufskolleg Stolberg das Gespräch mit Betrieben aus verschiedenen Branchen. Die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Polizei und Bundeswehr, sowie in der medizinischen Branche interessieren sie sehr.

Ein weiterer Besucher der Ausbildungsbörse, Oguecan Zabun hat seinen Hauptschulabschluss gemacht und ist sich sicher, dass er einen handwerklichen Beruf lernen möchte. „Ich habe hier schon Betriebe gefunden, bei denen ich mir eine Ausbildung zum Elektriker vorstellen könnte und habe ihnen meinen Lebenslauf vorgelegt“ so der 21-jährige Aachener.

Zum 15. Mal veranstalten die Städte Stolberg und Eschweiler mit dem Berufskolleg Stolberg die jährliche Ausbildungsbörse, in der viele Berufe aus verschiedenen Bereichen vorgestellt werden. 73 Betriebe aus der Region zeigten vergangenen Freitag in der Sporthalle des Berufskollegs in Stolberg Präsenz, um mit Interessenten aus der Städteregion in Kontakt zu treten.

Von 9 bis 13 Uhr nutzten viele Schüler und Arbeitsuchende die Börse, um das vielfältige Ausbildungsangebot der Städteregion zu erkunden. Der Fokus liegt jedoch nicht nur auf Ausbildungsplätze, sondern auch auf duale Ausbildungen und duale Studiengänge. „Eine frühe Orientierung für den zukünftigen Beruf wird für die Schüler immer wichtiger“ sagt Ingrid Wagner, Schulleiterin des Berufskollegs Stolberg. Der Fachkräftemangel, vor allem in der Erzieherausbildung sei ein Thema, was längst an einer Besserung bedarf.

Der Ausbildungssuchende aus Aachen suchte den Kontakt mit Firmen aus der handwerklichen Branche und probiert sich hier bei einer kleinen elektrischen Tätigkeit. Foto: Anissa Bouamoud

900 Stunden Erfahrung im erzieherischen Bereich und gute finanzielle Voraussetzungen brauchte man bisher um eine Ausbildung als Erzieher anzufangen. Die Städte setzten sich für die Realisierung einer professionellen Praxisbegleitung in der Erzieherausbildung ein, die ab dem Schuljahr 2019/2020 für drei Jahre erprobt werden soll. In dem Modellversuch sollen die Erzieher morgens ausgebildet werden und nachmittags im offenen Ganztag arbeiten. „Die angehenden Erzieher sollen dabei ein Einkommen erhalten“ fügt Klaus Spiller, Kooperationspartner des Modellprojekts Akifa hinzu. Die Kooperation halte es für wichtig in die Weiterbildung zu investieren, da es unter anderem auch immer mehr Kitas gibt.

„Unser Ziel ist es Kräfte mit Praxiserfahrung auszubilden und nicht von der Qualität abzuweichen“ so Wagner. Der Fachkräftemangel sei ein allgemein gesellschaftliches Problem, welches primär durch die Förderung der Wirtschaft mit jungen Menschen behoben werden kann. „Aus diesem Grund sollten Schulen und junge Menschen die Ausbildungsbörse als Plattform nutzen“ sagt Rudi Bertram, Bürgermeister der Stadt Eschweiler. Es werden Ausbildungsplätze und Zukunftsperspektiven für Interessenten mit und ohne Abitur angeboten. „Jeder soll sich zur Ausbildungsbörse trauen“ so Bertram.

Die Universitäten der Städteregion, die RWTH Aachen und FH Aachen stellten auf der Börse unter anderem auch ihre dualen Studiengänge vor. „Das Akquirieren von Fachkräften wird auf einer Ausbildungsbörse vereinfacht“ sagt Robert Voigtsberger, erster Beigeordneter der Stadt Stolberg. Nathalie Becker, Amtsleiterin für Wirtschaftsförderung der Stadt Stolberg fügt hinzu, dass die Börse eine Marketingveranstaltung sei, die besonders bei der Erkundung der handwerklichen Berufe helfe. Dort können Schüler Informationen über das Elternhaus hinaus gewinnen und frühe Kontakte knüpfen.

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