Stolberg: Aus Fundstücken werden Skulpturen

Stolberg: Aus Fundstücken werden Skulpturen

Mit dem Hammer bearbeiten sie Metall, rücken mit Sägen Holz zu Leibe, benutzen Zangen und Scheren, um Draht und Papier in die gewünschte Form zu bringen. Zwölf Künstler schaffen in der Werkstatt des Museums Zinkhütter Hof mit Hilfe von Akkuschrauber und Klebstoff aus Fundstücken, alten und weggeworfenen Dingen beeindruckende Skulpturen.

Industrieschrott, ausgediente mechanische Kleinteile, Harken und Mistgabeln treffen dabei auf organische Fundstücke aus der Natur, werden mit Holz, Stein, Papier und anderen Dingen kombiniert. Kunstvolle Plastiken, die von „willsosein“ ab dem kommenden Sonntag, 24. November im Zinkhütter Hof gezeigt werden.

Die Kunstwerkstatt „willsosein“ der Lebenshilfe Aachen Werkstätten und Service GmbH ist eine von Künstlern begleitete Ateliergemeinschaft, die Menschen mit Behinderung im Alter von 19 bis 56 Jahren einen kreativen Vollzeit-Arbeitsplatz bietet. „Über die Einladung des Zinkhütter Hofs haben wir uns sehr gefreut. Wir können hier eine Woche lang die Werkstatträume mit Ausrüstung benutzen — das ist nicht selbstverständlich“, sagt Barbara Geier, Architektin und Künstlerin, die das Projekt „vom Finden — und Fundstücke“ begleitet.

Das Museumsquartier biete optimale Bedingungen, da auch das Mittagessen gegenüber der Werkstatt serviert wird, und vor allem, weil die Skulpturen im selben Museum ausgestellt werden, in dem sie entstanden sind.

Doch bei den dreidimensionalen Plastiken bleibe es nicht bei der Ausstellung „vom Finden — und Fundstücke“, erklärt Beatrix Al-Khadra: „Die Künstler arbeiten hier zum ersten Mal skulptural, nachdem wir den Umgang mit den entsprechenden Werkzeugen geübt haben. In den Arbeitsplätzen Kunst beschäftigt die Gruppe sich schon seit 2008 mit Malerei, Zeichnungen, Grafik und Kalligraphie, und viele der daraus resultierenden Werke werden bei der Ausstellung zu sehen sein“, verspricht die künstlerische Leiterin von „willsosein“. Da es Ziel der Kunstwerkstatt sei, die individuellen Stile der einzelnen Künstler zu fördern, würden mehr als 50 meist sehr unterschiedliche Exponate die Galerie des Multifunktionsraums im Museum füllen.

Der Blick auf die Entstehungsprozesse in der Werkstatt des Zinkhütter Hofs gibt Al-Khadra Recht: Hier geraten eine Hacke und eine mit Rost-Patina behaftete Mistgabel im Zusammenspiel mit Draht, Ösen und einem Holzfundstück zu einer Plastik mit mystischer Ausstrahlung — dort erhalten kitschige weiße Porzellanfiguren durch sie umgebende Drahtgeflechte einen neuen künstlerischen Ausdruck.

An einem anderen Kunstarbeitsplatz gehen Puppenteile aus Kunststoff und eine geschwungene Papiergirlande eine Symbiose mit einem rudimentären Holzstück ein. Die vielfältigen Ideen und Herangehensweisen der Künstler sind offensichtlich und machen neugierig auf die gesamte Ausstellung „vom Finden — und Fundstücke“.

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