Stolberger Ansichten | Damals und Heute: Aus Ellermühlenteich wurde Bastinsweiher

Stolberger Ansichten | Damals und Heute : Aus Ellermühlenteich wurde Bastinsweiher

Der 174. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“ beschäftigt sich heute mit dem „Flora“ genannten Bereich am Bastinsweiher.

Auf dem 1972 entstandenen historischen Vergleichsfoto sind im Vordergrund ein Kinderspielplatz und im Hintergrund mehrere Gebäude abgebildet. Der Kinderspielplatz besitzt die Ausstattung der 1970er Jahre: eine Rutsche, eine Wippe, ein Sandkasten und zwei kleine Blockhütten, die durch einen Steg miteinander verbunden sind. Der Spielplatz liegt auf historischem Grund.

Denn einst gehörte das Terrain zum Kupferhof Ellermühle, der von einem großen Gartengelände umgeben war. Das am Bastinsweiher gelegene Messingwerk ist aus einer Eisenhütte hervorgegangen, die schon im 16. Jahrhundert bestanden hat. Neben dem Dollartshammer im Süden (Prym-Werke) und der Ravensmühle im Norden (Krautladenplatz), war die Ellermühle eine der drei wirtschaftlichen Keimzellen Stolbergs.

Der Bastinsweiher, einst Ellermühlenteich genannt, ist um 1580 entstanden. Er war das vom Vichtbach gespeiste Wasserreservoir der Ellermühle, in der Mühlräder und Hammerwerke zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Produkte der Ellermühle genutzt wurden.

Namenshintergrund ungeklärt

Warum das einst zur Ellermühle gehörende Gelände als Flora bezeichnet wird, ist nicht bekannt. Vermutlich ist damit die Pflanzenwelt der früheren Gartenanlage gemeint. Mitte der 1950er Jahre wurde die historische Ellermühle abgerissen und machte der heutigen, dort liegenden Bebauung Platz. Schon in der Vorkriegszeit wurde ein Teil des ehemaligen Gartengeländes als öffentliche Grünanlage genutzt.

Ein anderes Gesicht erhielt das Flora genannte Terrain – den Spielplatz hatte man später unter anderem mit einer ausrangierten, ursprünglich aus dem Straßenbau stammenden Dampfwalze ausgestattet – in den Jahren 2015 bis 2017. Im Rahmen des Konzeptes „Talachse Innenstadt“ wurde der Bastinsweiher, die Frankentalwiese und die Flora umgestaltet. Die Uferbereiche des Bastinsweihers wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und der auf unserem historischen Vergleichsfoto abgelichtete Spielplatz wurde mit einer Rasenfläche ausgestattet.

Begrenzt wird das frühere Spielgelände von mehreren Wohnbauten. Diese Gebäude gehören zur Bebauung der Ellermühlenstraße, der Straße Am Bastinsweiher und der Samaritanerstraße.

Das links liegende Gebäude ist als eingeschossiges Wohnhaus mit ausgebautem Dachgeschoss 1951 an der Ellermühlenstraße entstanden. Bauherr war die Stolberger Glashütte „Vereinigte Glaswerke“ (Vegla), heute Saint Gobain; Architekt der ebenfalls aus der Kupferstadt stammende Lorenz Römer.

In der Bildmitte ist das Dach des auf dem jenseitigen Vichtbachufer liegenden Samaritanerheimes zu sehen. Das Samaritanerheim, das an der gleichnamigen Straße liegt, ist 1955 als Seniorenheim eingeweiht worden. Seit diesem Datum wird die Senioreneinrichtung, die kürzlich grundlegend saniert und modernisiert wurde, von der inzwischen in Venwegen ansässigen Ordensgemeinschaft der Christenserinnen geleitet.

Mitte der 1950er Jahre wurde die historische Ellermühle abgerissen und machte der heutigen, dort liegenden Bebauung Platz. Foto: Toni Dörflinger

Der Bau der Einrichtung, die kürzlich um ein weiteres Stockwerk erweitert wurde und inzwischen auch die vollstationäre Pflege und die Tagespflege im Programm hat, geht auf einer Initiative zweier Brüder zurück.

Die als ehemalige Stolberger in den USA lebenden Geschwister hatten damals Geldmittel akquiriert, um in ihrer alten Heimat ein Seniorenheim zu erstellen. Weitere Spenden stammten damals aus der Industrie, öffentlichen Zuschüssen und Stolberger Stiftungen.

Rechts ist an der Ellermühlenstraße ein weiteres Wohngebäude mit seiner Dachfläche abgebildet. Dieses Haus ist bereits 1937 gebaut worden. Ein Bau der Nachkriegszeit ist das am rechten Bildrand hinter den Bäumen zu sehende Gebäude. Dieser Bau liegt schon an der Straße Am Bastinsweiher und wurde 1957 errichtet. Inzwischen ist der Bewuchs dichter geworden und besonders die rechts liegenden Gebäude sind hinter einer grünen Wand verschwunden.

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