Stolberg-Gressenich: Aus dem Pogo ist „Moshen” geworden

Stolberg-Gressenich: Aus dem Pogo ist „Moshen” geworden

Die Verausgabung ist total: Körperlich wie mental ist der Auftritt von „Tornapart” ein Kraftakt. Ein Kraftakt, den die „jungen Wilden” der Dürener Band mit einer unvergleichlichen Spielfreude bewältigen.

„Tornapart” ist eine von fünf Bands, die beim Open-Air-Festival auf der Wolff-Farm in Gressenich das Publikum aufmischen. Aufmischen in der Art, dass sich die Zuschauer ordentlich anrempeln. „Moshen” heißt das in der Szene. Ein Begriff, der durchaus auch den Eltern der Jugendlichen etwas sagen dürfte. Gemosht wird nämlich schon lange: Sich im Pulk gegenseitig anzurempeln, wird bereits seit den 80er Jahren praktiziert. Damals nannte man das aber Pogo.

Einen Rempler kassiert

„Wenn sich zwei anrempeln, nennt man das Wall of death”, erklärt die 15-Jährige Annika, die sich mit ihrer Freundin in den Kreis der Schubser begeben hatte und einen heftigen Rempler kassierte. Den Schmerz schluckt der Teenager tapfer hinunter. „Moshen ist total cool”, versichert Annika. „Obwohl es eigentlich nichts für Mädchen ist. Das behaupten zumindest die Jungs”, wirft ihre Freundin Mona, 15, lachend in die Runde ein.

Die Erklärung, warum das Moshen angeblich nichts für Mädchen sei, liefert Dominik: „Mit dem Moshen ist das wie mit Bier trinken und rülpsen - so was tut ein Mädchen nicht”, findet der 18-Jährige.

Was gibt einem das Moshen? „Moshen hat etwas damit zu tun, sich selbst ausprobieren, seine Grenzen auszutesten. Die meisten der Zuschauer sind in einem Alter, indem man noch nicht so genau weiß, wo man steht und wo man hingehört”, beschreibt es Ihab Sabe Al-Eish, einer der Sänger von „Tornapart”. Das Moshen sähe wilder aus, als es in Wahrheit sei. „Wenn man versehentlich einen anderen zu hart angerempelt hat, wird sich entschuldigt”, versichert der Student mit den hüftlangen Dreadlocks.

Industrial Metal nennt sich die Musikrichtung von Tornapart. Es ist eine der vielen Spielarten, die die Metal-Ecke bereit hält. Für den Laien ist der Unterschied zwischen den einzelnen Stilen nur schwer auszumachen.

Dass Metal- und Punkbands volltrunken auf der Bühne stehen, mag hin und wieder vorkommen, aber Fakt ist, dass die Gruppen, die bei „Rock on farm 2010” mitmachen, stocknüchtern auftreten.

Das gilt in etwa auch für das Publikum: Es wird zwar Bier getrunken, aber in Maßen - das in der Jugendszene angeblich so populäre „Komasaufen” scheint beim Open-Air-Festivals verpönt zu sein.

Leistungsstarke Anlage

Nach Tornapart hat die Band „Suiciety Remains” ihren Auftritt. Die junge Band ist der Veranstalter des Festivals im Gressenicher Wald. Qualität zu bieten, war den jungen Musikern wichtig, darum wurde unter anderem in eine leistungsstärkere Soundanlage investiert. Eine Investition, die sich offenkundig gelohnt hat.

„Die Qualität des Festivals ist super. Es spielen fünf Bands, die unterschiedliche Stile vertreten, und gut finde ich auch, dass selbst Erwachsene den Weg hierher gefunden haben. Das zeigt, dass unsere Musik auch ältere Leute gut finden”, sagt die 15-jährige Annika.

Einen Extrabonuspunkt bekommt das Festival für etwas ganz anderes, nämlich für seine stillen Örtchen. „Die haben hier keine Dixie-Klos, sondern richtig schöne, saubere Toiletten”, schwärmt Annika.

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