Kaminartige Aufbauten: Augenfälliges Überbleibsel des Erzabbaus in der Stolberger Region

Kaminartige Aufbauten: Augenfälliges Überbleibsel des Erzabbaus in der Stolberger Region

Bodendenkmäler wie Relikte unseres ehemaligen Bergbaus auf Erz und Kohle sind im hiesigen Gelände zwar häufig vorhanden, aber in den meisten Fällen kaum zu erkennen. Ganz anders verhält es sich mit den kaminartigen Aufbauten des Froschschachtes, ein ganz augenfälliges Überbleibsel der ehemaligen Erzgrube Diepenlinchen an der heutigen Industriestraße in Mausbach.

Darüber hinaus ist dieses Bauwerk der einzige noch sichtbare Zeitzeuge des traditionsreichen Erzbergbaus in unserer Region. Der Zustand des mittlerweile mehr als 100 Jahre alten Bauwerkes gibt durchaus Anlass zur Sorge, aber erfreulicherweise hat der städtische Bauhof die starke Verbuschung bereits entfernt, die den turmartigen Schachtaufbau nahezu komplett verdeckte.

Das letzte Relikt des regionalen Erzbergbaus entzieht sich somit nicht mehr der visuellen Wahrnehmung und kann im Gelände als frei stehender, im wahrsten Wortsinn herausragender Baukörper auf sich und auf seine historische Bedeutung aufmerksam machen.

Fernerhin hat die Stadt zwecks Erhaltung des teilweise maroden Gemäuers dankenswerterweise erhebliche Finanzmittel bereitgestellt. Es besteht somit frohe Hoffnung auf eine zeitnahe Verbesserung der Situation.

Interesse wächst

So sieht der turmartige Schachtausbau heute aus. Foto: Friedrich Holtz

In den letzten Jahren ist ein starkes Interesse für Industriekultur jedweder Ausprägung von zunehmender Evidenz zu beobachten. (zum Beispiel Ruhrgebiet). In präsentablem Zustand dürfte der Froschschacht zu einer der vielen Sehenswürdigkeit der Region werden. Dies gilt nicht nur für Besucher mit heimatgeschichtlichem Interesse, sondern insbesondere auch für auswärtige Gäste mit montanhistorischen Präferenzen.

Der Froschschacht, ein sogenannter Wetterschacht, wurde zur Gewährleistung der Frischluftversorgung in den Grubenbauen angelegt („Wetter“ ist ein bergmännischer Ausdruck für Atemluft). Mittels der an der Tagesoberfläche sichtbaren, kaminförmigen, runden Ziegelsteinaufbauten (Wetterschornstein) wurden die ausziehenden Wetter (verbrauchte Grubenluft) abgeführt.

Die Teufe (Tiefe) der Schachtanlage betrug zunächst 252 und nach der letzten Ausbaustufe 360 m. Der Wetterzug auf Diepenlinchen wurde ohne Verwendung technischer Hilfsmittel auf natürliche Weise bewerkstelligt (kalte und schwere Frischluft sinkt, wärmere und leichtere Abluft steigt auf).

Zur Unterstützung der Wetterführung wurde auf der 232-Meter-Sohle des Froschschachtes ein Feuer unterhalten, welches mit dem reichlich vorhandenen, alten Grubenholz betrieben wurde und die natürliche Kaminwirkung des ausziehenden Wetterschachtes intensivierte.

Dies war völlig ungefährlich, weil brennbare Grubengase, wie bspw. Methan, im Erzabbau so gut wie nicht vorhanden sind. Darüber hinaus waren die hier auftretenden Stäube im Gegensatz zu Kohlenstaub nicht brennbar, so dass katastrophale Kohlenstaubexplosionen (schlagende Wetter) nicht auftreten konnten.

Offene Flamme

Über Jahrhunderte war im Erzbergbau der Betrieb von Geleucht mit offener Flamme üblich. Fernerhin war auch das Feuersetzen (Lockerung des Gesteins vor Ort) die gängige Praxis.

Denn man könnte mit Fug und Recht fragen, was dieser Schacht mit einem Frosch zu tun gehabt hat. Hierzu muss man wissen, dass es durchaus üblich war, Schächte, Stollen oder Örtlichkeiten mit ungewöhnlich reichen Erzmitteln nach leitenden Angestellten der Grubengesellschaft zu benennen. Im Bereich Diepenlinchen gab es bspw. Blume- sowie Widmannschacht, und in der Grube Breinigerberg den Fetisschacht.

Somit steht zu vermuten, dass der betreffende Steiger, Obersteiger oder „Grubenbeamte“ entweder Frosch, Frösch oder Fröschen geheißen hat.

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