Auftaktveranstaltung 30-jährigen Bestehen des Kulturzentrums Frankental

Klavierkonzert : Auftaktveranstaltung 30-jährigen Bestehen des Kulturzentrums Frankental

Das Klavier war das Lieblingsinstrument vieler Komponisten, doch niemand konnte virtuoser damit umgehen als Frédéric Chopin (1810 bis 1849). Ein großer Kenner dieses bedeutendsten Repräsentanten polnisch/französischer Musik und Kultur im 19. Jahrhundert ist Dr. Roman Salyutov, selbst Pianist und Dirigent aus Bergisch Gladbach, der sich mit vielen großen Komponisten der Musikliteratur befasst hat.

In einer Auftaktveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Kulturzentrums Frankental zeigte Salyutov leider einem sehr kleinen Auditorium die wichtigsten Lebensstationen dieses introvertierten Künstlers.

Die Art und Weise, wie er dies tat - Hintergründiges zur Geschichte, Privates aus dessen Leben und Einspielungen von Artur Rubinstein und anderen Pianisten auf der Leinwand - machte Freude, so dass am Ende der Veranstaltung jeder Besucher sagte „So machen klassische Konzerte noch mehr Spaß!“

Chopin war eine Triebfeder der Romantik und ein von Phantasie und Leidenschaft getriebener Meister der Komposition. Düstere Klaviersonaten, große romantische Balladen, über 50 Mazurken, zwölf Etüden, Nocturnes, Impromptus, Scherzi, Walzer, Polonaisen, Rondos, Variationen, Klavierkonzerte und anderes zeichnen den einzigartigen und unverwechselbaren Stil des sensiblen Mannes aus, der dennoch unglücklich im Leben war.

Als er 1810 in Warschau geboren wurde, stand Polen unter Druck des Zarenreiches, wo jeder sich nach Freiheit sehnte. Chopin war schon in jungen Jahren eine Sensation, ein Stern am polnischen Himmel und komponierte im Alter von acht Jahren die ersten kleinen Stücke, und das parallel zum Klavierunterricht. 1829/30 brach Chopin zu einer Europareise auf und feierte überall berauschende Konzerte.

Als er zurück nach Warschau fahren wollte, erreichte ihn ein Brief aus der Heimat mit der Botschaft, nicht nach Polen zurückzukehren. Es zog ihn dann nach Paris, wo er Franz Liszt und anderen politischen Immigranten begegnete. Weil er aufgrund seiner höchst empfindsamen und scheu zurückhaltenden Psyche für eine Weltkarriere nicht geeignet war, hielt er sich hier mit Klavierunterricht über Wasser.

Dennoch sehnte er sich nach Polen und seiner Familie und litt unter ständigem Heimweh. Inspirationsquelle für seine Werke waren besonders drei Frauen: die polnische Sängerin Konstancja Gladkowska, die aber ihre eigene Karriere im Sinn hatte. Maria Wodzinska, mit der es schon Heiratspläne gab, lernte er in Dresden kennen, als er sich dort mit seinen Eltern traf. Die Schwiegereltern bewunderten zwar den jungen Mann, aber nicht als Ehemann ihrer Tochter.

Schließlich traf er George Sand. Mit der zigarrerauchenden Emanzipierten und politischen Aktivistin und Schriftstellerin lebte er zehn Jahre zusammen. Sie verbrachten schöne Zeiten auf Mallorca, und er hatte zum ersten Mal eine Beziehung, wie er sie immer haben wollte. In seiner Leidenszeit (Schwindsucht) kümmerte sie sich sehr um den sieben Jahre jüngeren, prominenten Künstler, der mit ihr seine fruchtbarste schöpferische Periode hatte.

Doch auch diese Beziehung zerbrach. Die Trennung von George Sand war wie ein Todesschlag, und er war nicht mehr in der Lage, etwas zu komponieren. Seine Schwester kam aus Polen und kümmerte sich bis zum Tode am 17. Oktober 1849 um ihn. Chopins Grabstätte befindet sich auf dem größten Friedhof Père Lachaise in Paris.

Nach einer kurzen Pause spielte Roman Salyutov selbst eine Reihe von Miniaturen und größeren Werken des genialen Komponisten auf dem Klavier. Darunter waren ein melodisch schönes Nocturne, eine fröhliche Mazurka, eine große dramatische Polonaise und Fantasie und ein Scherzo. Immer ging es in der Geschichte dahinter um Zerrissenheit und ein Streben nach Glück.

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