Stolberg: Auflösung Fotorätsel: Das Bild zeigt altes Walzwerk in Münsterbusch

Stolberg: Auflösung Fotorätsel: Das Bild zeigt altes Walzwerk in Münsterbusch

Die Auflösung zu unserem Fotorätsel von Samstag, 12. August, liefert ein Blick auf die früheren Zinkhütten von Stolberg.

Im späten 19. Jahrhundert besaß Stolberg vier Zinkhütten: Birkengang, Velau, Münsterbusch und Steinfurt. Heute besteht davon keine mehr. Die größte Anlage war die St-Heinrich-Hütte in Münsterbusch an der Ecke Cockerillstraße/Schlossberg. Sie hatte 1837 der englische Industrielle James Cockerill gegründet.

Die Standortwahl erfolgte nicht zufällig. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft der Hütte lag die Steinkohlengrube seines Bruders James Cockerill - Steinkohle benötigte man für den Betrieb der Schmelzöfen.

Den für die Verhüttung erforderlichen Rohstoff, das Zinkerz, lieferten anfänglich die im Stolberger Raum gelegenen Erzgruben, zu denen beispielsweise auch die Blei- und Zinkerzgrube Diepenlinchen in Mausbach gehörte. Später kamen als Rohstofflieferanten die im Eifeler - und sauerländischen Raum gelegenen Erzgruben hinzu.

1967 wurde die Hütte, deren größter und längster Kamin der in den frühen 1960er Jahren abgerissene „Lange Hein“ war, geschlossen. Nur das angegliederte Walzwerk hielt seine Produktion bis 1991 aufrecht. Ein Walzwerk - das aus der Produktion stammende Rohzink wurde dort eingeschmolzen und zu Platten, Bändern und Blechen verarbeitet - hatte die Münsterbuscher Zinkhütte schon im 19. Jahrhundert besessen. Mit zeitweise rund 200 Beschäftigten war das Walzwerk die größte innerbetriebliche Einheit.

Offsetplatten für das Druckgewerbe

„Kassenschlager“ waren in der Nachkriegszeit die dort hergestellten Offsetplatten für das Druckgewerbe. Sie zeichneten sich durch eine hervorragende Qualität aus. Ebenso anspruchsvoll waren die dort hergestellten Klischees, Zylinder und Platten, die im Buch- oder Tiefdruckverfahren zum Einsatz kamen. 1944 fiel das Walzwerk den Kriegsereignissen zum Opfer: Granateinschläge hatten für schwere Schäden an der Bausubstanz geführt. 1951 errichtete man an der Cockerillstraße ein neues Walzwerk.

Es war das Werk der Aachener Bauunternehmung Josef Hündgen. 1962 wurde das Walzwerk erweitert. Man brauchte Platz für Krananlagen und Transporteinrichtungen. Auch wenn das Werk wie eingangs berichtet schon 1967 geschlossen wurde, war dem angeschlossenen Walzwerk ein längeres Leben vergönnt. Schließlich wurden dort unter anderem die im grafischen Gewerbe so beliebten Druckplatten hergestellt. 1991 war aber auch damit Schluss.

Das Walzwerk stellte seine Produktion ein. Heute sind auf dem an der Cockerillstraße liegenden Gelände der früheren Zinkhütte zahlreiche, unterschiedliche Gewerbeeinheiten angesiedelt. So auch in dem ehemaligen „Huthaus“, das seit 2005 von einer Ballettschule genutzt wird. Der Huthaus genannte halbrunde, zweigeschossige Bau ist ebenfalls wie das Walzwerk 1951 entstanden. Es beherbergte die Sanitär- und Umkleideräume der Beschäftigten.

Desweiteren wurde das Gebäude für den Betriebsarzt, den Pförtner und den Betriebsrat genutzt. Die Bezeichnung Huthaus stammt aus dem Bergbau und leitet sich ab von dem als Hutmann titulierten Grubenaufseher, der im Verwaltungsgebäude des Bergwerks seinen Sitz hatte. Später waren in den Huthäusern auch die Sanitär- und Umkleidemöglichkeiten der Beschäftigten unter gebracht.