Auffangstation für Reptilien und Amphibien der Städteregion in Büsbach

Auffangstation für Reptilien in Büsbach : Gecko und Co. suchen ein neues Zuhause

„Da haben wir es schon, deshalb brauchen wir ein Erdgeschoss“, ruft Amine Fehr zur Begrüßung durchs Treppenhaus. Die Praxis der Tierheilpraktikerin befindet sich in einem Gebäude am Büsbacher Markt, in dem auch ein Friseur und ein Zahnarzt beheimatet sind. Doch hier gibt es auch noch etwas ganz Besonderes: eine Auffangstation für Reptilien.

Die Reptilienauffangstation liegt etwas versteckt im zweiten Obergeschoss. Im Treppenhaus müssen sich Besucher zunächst kurz orientieren und anschließend einige Treppenstufen in Angriff nehmen. Das bedeutet, dass auch Tiere, die in großen Terrarien angeliefert werden, bis in den zweiten Stock hochgebracht werden müssen – eines der Probleme, die Fehr durch einen Umzug beseitigen will.

2010 hat die Tierheilpraktikerin in ihrer rund 160 Quadratmeter großen Praxis mit der Akkupunkturbehandlung von Hunden und Katzen begonnen, 2014 wurde die offizielle Quarantäne- und Auffangstation für Landschildkröten der Städteregion Aachen in Fehrs Praxis eröffnet. Seit 2017 gibt es zusätzlich dazu die Reptilien- und Amphibienauffangstation, in der Amphibien und Reptilienarten wie Geckos, Bartagamen, Leguane, Chamäleons, ungiftige Schlangen und Schildkröten behandelt werden.

„Der Bedarf ist einfach sehr hoch. Und wir sind die einzigen in der Städteregion mit einer Genehmigung, um diese Tiere beherbergen zu dürfen“, erläutert Fehr, die mehrere hundert Tiere pro Jahr behandelt und in deren Praxis zurzeit etwa 60 Reptilien und Amphibien leben.

Außenstellen wie das Gehege für Schildkröten befinden sich zurzeit noch auf dem Gnadenhof in Stolberg. Ein weiterer Grund, warum die Reptilienauffangstation umziehen möchte: „Wir möchten alles kompakt bündeln, weil es zu zeitaufwendig ist, die Tiere immer wieder einzupacken und irgendwo anders hinzufahren“, sagt Fehr. Denn verletzte oder kranke Tiere werden zunächst in die Praxis gebracht. Dort werden sie medizinisch versorgt und gepflegt und leben, wenn sie für ihre Artgenossen ansteckende Krankheiten haben, zunächst in Quarantäne. Erst wenn sie wieder gesund sind, kommen sie in Gehege wie in das auf dem Gnadenhof und sind ab dann für die Vermittlung bereit.

300 Quadratmeter benötigt

Ihre Traumimmobilie stellt sich Fehr folgendermaßen vor: Erdgeschoss, ebenerdig, mindestens 300 Quadratmeter groß, Außenanlage für Gehege und Parkplätze vor der Tür – ob Kauf oder Miete ist dabei egal. Nach einem Facebook-Aufruf habe sie zwar viele Hinweise bekommen, aber die meisten seien in anderen Städten gewesen. Die Tierheilpraktikerin möchte aber in jedem Fall in Stolberg bleiben: „Hier sind wir schon etabliert und haben uns ein gutes Netzwerk aufgebaut“, erläutert Amine Fehr.  Mit dem Umzug soll auch die Genehmigung für die Beherbergung von Gift- und Gefahrtieren einhergehen – bisher gibt es in der Auffangstation lediglich ungiftige Schlangen.

Außerdem soll es einen Ausstellungsraum mit Terrarien geben. Die Aufklärungsarbeit mit Führungen beispielsweise für Schulklassen soll Vorurteile und Unsicherheiten beseitigen: „Wir wollen die Menschen, die leider oft falsch informiert sind, sensibilisieren und Vorarbeit leisten, damit solche Verletzungen gar nicht erst passieren“, sagt Fehr, während sie die Bartagame-Dame Alicia füttert. Alicia kam im Mai aufgrund einer nicht artgerechten Haltung mit Knochenbrüchen im Kiefer und in den Beinen in die Auffangstation und muss nun mit Fertigbrei gefüttert werden.

Mit Landschildkröten fing es 2014 an: Tierheilpraktikerin Amine Fehr kümmert sich in Büsbach um heimatlose und/oder verletzte Reptilien und Amphibien. Doch das heutige Zuhause der einigen Auffangstation für diese Tiere in der Städteregion bringt einige Probleme mit sich, weswegen eine geeignete Bleibe gesucht wird. Foto: Merve Polat

Abgegebene, gefundene oder beschlagnahmte Tiere kommen von Behörden wie dem Ordnungsamt oder dem Veterinäramt und von Privatpersonen, die dann auch für die Unterbringungskosten aufkommen. Wundreinigung, Blutabnahme, Parasiten- oder Virenuntersuchungen, Verabreichung von Medikamenten – all das gehört zu Fehrs Aufgabengebiet, nur die Operationen nehmen Fachtierärzte vor. „90 bis 95 Prozent der Erkrankungen und Verletzungen resultieren aus Haltungsfehlern“, resümiert Fehr.

Es gebe aber auch verantwortungsvolle Halter, die sich beispielsweise aus Zeitgründen nicht mehr um ihr Tier kümmern können und es in der Praxis abgeben. Die Tiere kommen von überall her: „Aachen, Köln, Bonn – unser weitestes Einzugsgebiet war Hannover“, sagt die Tierheilpraktikerin. Die Vermittlungszeit könne von zwei Wochen bis hin zu sechs Monaten oder länger dauern.

Wer ein Tier adoptieren möchte oder Hinweise auf eine Immobilie für die Reptilienauffangstation hat, kann sich telefonisch bei Fehr unter 02402/1274998 oder auf der Facebook-Seite „Reptilienauffangstation in der StädteRegion Aachen“ melden.

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