Stolberg: Atmosphäre, Stimmung und viel Flair

Stolberg: Atmosphäre, Stimmung und viel Flair

„Heut´ geh ich ins Maxim”, singen die Herren des Büsbacher Männergesangvereins aus vollen Kehlen und begleitet von Theo Palm am Klavier. Und im großen Zelt im Garten des Kupferhofs Rosental fühlt sich das große Publikum gleich mitgenommen in eine andere Zeit.

Gedämpftes Licht, Kerzenschein und anheimelnde Atmosphäre verbreiten ein besonderes Flair bei dieser inzwischen schon 6. Stolberger Museumsnacht in die sich das einmalige Ensemble bestens einfügt. Gleich am Tor empfangen bei klassischer Musik Skulpturen von Antonio Máro und der Festsaal des Denkmals bietet einen einen ebenso klassisch-geschmackvollen Rahmen für Kabarettist „hmklein” und Autor Sebastian Ybbs alias Holger Vanicek, der Neues aus seiner Gedankenfabrik im Kronleuchter geschmückten Saal vorträgt. Stilvolle Kunst aus Grün geschaffen vom Atelier Floral präsentiert Martina Kazimierske: Acht Stunden dauerte es, das florale Kleid zu schmücken.

Kunst ist es auch, die Besucher bei ihrer Tour durch das nächtliche Stolberg auf die Burg lockt. Barbara Breuer vom Kulturamt registriert in der Galerie schon ein reges Interesse an der geplanten „Artothek”, bei der man sich gegen Entgelt Werke aus der städtischen Kunstsammlung ausleihen kann, um Mitglieder der Initiative „Kunst auf dem Weg” präsentieren ihre Schaffensvielfalt mit beispielhaften Werken - durchaus auch mit praktischem Effekt, wenn das Objekt „Tagträume” von Katja Knospe zum ruhenden Pol in einer langen Nacht wird.

Die genießen auch die Burgritter mit Freunden aus der Szene und der neu formierten Band „Capud Draconis”, die sich spontan zur Museumsnacht in die Kupferstadt aufgemacht und auf dem Burghof ihr Lager im Schein von Kerzen und Feuer aufgeschlagen haben, während oben im Rittersaal die Gruppen „Not just dancing” und die „Copper City Pioneers” mit ihren Tänzen im Rittersaal die Burg bewegen. Stilvolle Bilder von dem bewegenden Kulturfest des Kreises, von Andreas Gabbert mit der Kamera komponiert, können hier ebenso bewundert werden wie Aufnahmen aus der Eifel im Kupferhof.

Ausfall wegen Schweinegrippe

Kreativität ist auch gefragt bei Monika Kohlen, die in den Pfadfinderräumen der Burg nicht nur eigene Arbeiten präsentiert, sondern auch Besuchern den Pinsel in die Hand drückt. 36 genauer gesagt, die mit kleinen Ausschnitten in Rot- und Gelb-Nuancen gemeinsam ein herzliches Bild gestalten, das zugunsten des Museums in der Torburg noch versteigert wird.

Dort empfängt einen der Duft gebackener Waffeln und frisch gerösteten Kaffees, der angesichts nächtlicher Temperaturen auch ein wenig hochprozentiger ausgeschenkt wird. Alle Hände voll zu tun hat das Team um Elvira von Wirth, denn gerne nutzen die vielen Besucher auf ihrer Tour diesen Ort der Gastlichkeit, bevor sie das ungeahnt große Innere der Torburg erkunden. Da führt Renate Weßler in die Geheimnisse von Gewürzkugeln und allerlei Kräutern ein, da lässt Rainer Hauschildt beim Drechseln die Späne fliegen und Tim Stevens schwingt in der Schmiede den Hammer, während man auf den Führungen mit Dieter Bergheim in Stolbergs Historie, Handwerk und Heimatgeheimnisse eintauchen kann. Oder man lässt sich von Ben Müller und Uli Nobel nebst Band in folkloristische Gefilde entführen. Eine unterhaltsame Entführung in die an Anekdoten reiche Geschichte dieser Stadt haben die Nachtwächter im Gepäck, die auf ihrem Weg durch die Gassen der Altstadt auch das Burghof-Theater und die Steinweg-Galerie passieren, wo Roland Fuchs in der Rolle des Dr. Kortum zu erleben und die Ausstellung „Ausbruch der Leidenschaft” zu bewundern ist.

Spätestens mit zunehmender Stunde führt der Weg unweigerlich in den Zinkhütte Hof, wo Sebastian Wenzler und Petra Grüttemeier in strahlender Feierlaune sind. Der Museumsleiter und die Museumspädagogin haben alle organisatorischen Klippen - auch die kurzfristige Absage der Band „Cable Rocks” wegen Schweinegrippe - glücklich bewältigt und haben allen Grund, sich zur freuen. „Die Museumsnacht ist fest etabliert und auch die Stolberger kommen”, freut sich Wenzler über die große Resonanz und gute Stimmung ebenso wie Grüttemeier über die Vielfalt, die die Kupferstadt bietet - musikalisch, museal und multi-kunsthandwerklich.

Mobile aus Papiervögeln

Dazu tragen am frühen Abend auch die vielen Kinder bei, die mit Wiebke Vagst Münzen gießen, mit Julia Crassmöller Windlichter basteln, mit Marija Hein Luftballons kneten oder sich von Friedrich Holtz einfach von der sagenhafte Welt des Zwerges Galminus erzählen ließen. Dazu trägt aber auch die gute Mischung bekannter Aktiver - wie Hartmut Albrechts Steinzeiterlebnisse oder Literatur und Bilder aus dem Europäischen Kunsthof Vicht, für den Bernd Groten neben Haki Ritzerfeld auch eine spannende Kollektion mit Tango-Bildern von Martin Kiefer präsentiert, oder Kräuter und Malerei von Gabi Jansen und Gabriele Schulden -Êmit eher (noch) ein wenig im Verborgenen schaffender Stolberger bei. Beispielsweise aus Büsbach Silke Kahnert, die Blaustein in Deko-Stücke verwandelt, und Iris Brasche-Anders, die Textilien designt, eben anders. Ebenso wie Tobias Kreus aus Dorf, der aus Pflanzen und Anderem kreative Accessoires gestaltet. Wenige der vielen tollen Beispiele für Kunsthandwerk auf der Route der Museumsnacht.

Montreux-Siegerin verzaubert

Dazu zählt natürlich auch die Papierkunst von Kyoung-Hi Kim, deren Vogel-Mobile im Himmel der Konzertarena schwebte, während auf der Bühne in ausdrucksstarken Farben eingehaucht der Stern des deutschen Jazzhimmels mit ihrer Stimme verzauberte: Sabine Kühlich, preisgekrönt beim Jazz-Festival Montreux, mit dem New Yorker Fingerkünstler an der Gitarre, Adam Rafferty, beherrschen die Töne - von leise und fein bis kräftig und stark, Gänsehaut-Feeling ebenso garantiert wie Lebensfreude pur. Immer ein wenig Melancholie, aber auch jede Menge Lebensfreude schwingt mit, als „Triple L” Klezmer Musik in den Zinkhütter Hof bringen oder „Syl´ n´ Dan” Songs fürs Herz anstimmen. Und die musikalische Stimmung bis in den Morgen rettete dann - Carlos, der spontan für die ausgefallenen Rock´n´Roller einspringt und gleich noch ein paar Fans von seinem Konzert am frühen Abend mitbringt. Klar, dass so auch die 6. Stolberger Museumsnacht erst zu früher Morgenstunde ausklingt.