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Stolberg: Atemberaubende Tour durch Tibet

Stolberg : Atemberaubende Tour durch Tibet

Werner Herzog liebt Trekkingreisen. Der Bergtourismus führte ihn unter anderem nach Nepal und Tibet. Seine Reise nach Tibet war Thema eines Diavortrages beim Heimat- und Verkehrsverein Schevenhütte.

Das vom Lamaismus geprägte Hochland, das seit 1951 von China beherrscht wird, hat der 65-jährige Elektromeister zuletzt vor sieben Jahren besucht. Neben zahlreichen Fotos hat der gebürtige Aachener, der in Schevenhütte Eigentum besitzt und sich im Vorstand des Heimat- und Verkehrsvereines engagiert, Erfahrungen gewonnen und bleibende Eindrücke mitgebracht.

Eine große Rolle spielte neben dem kulturellen Austausch die Begegnung mit den Menschen. Besonders gefordert war Werner Herzog bei der Bergtour zum 6714 Meter hohen, im westlichen Transhimalaja gelegenen „Kailas”. Der Kailas gilt Hinduisten und Buddhisten als heilig und darf nicht bestiegen werden. Man kann ihn allerdings auf einer Höhe von etwa 4500 Meter umrunden: Eine Herausforderung, der sich Werner Herzog gemeinsam mit vier Briten und einem Schweizer stellte.

Die Organisation der sechswöchigen Tibet-Reise - besucht wurde auch der am Süd-Fuß des Kailas gelegene „Manasarowar”-See - hatte ein englisches Reisebüro übernommen. Fahrzeuge und ortskundige Helfer unterstützten die sechsköpfige Gruppe. Übernachtet wurde im Zelt. Die Ausrüstung transportierte der Begleitkonvoi.

Die Trekkingtour war kein Zuckerschlecken. Eisfelder, eine karge, unwirtliche Steppenlandschaft und Temperaturen von nur drei Grad machten die Wanderung zur Strapaze. Eine Strapaze, die verglichen mit den Anstrengungen, die einheimische Pilger bei der Umrundung des Kailas auf sich nehmen, verblasst.

Nur unzureichend ausgerüstet wird der Berg von Buddhisten und Hinduisten nicht umwandert, sondern „umkrochen”. Das Ritual besteht aus Hinlegen, Knie anziehen, Aufstehen und erneutem Hinlegen. Durch diese eigentümliche Art der Fortbewegung - eine Demutshaltung, die oft mit körperlichen Blessuren einhergeht - wird jeweils ein Meter zurückgelegt: die Gesamtstrecke beträgt allerdings 52 Kilometer.

Orientierungspunkte entlang des Pilgerweges sind die so genannten Tschorten, Steinhaufen und bunten Pilgerfahnen. Die Tschorten sind Kultbauten (quadratische Basis, blasenförmiger Mittelteil und 13-fach unterteilte Spitze), in denen Reliquien bedeutender Buddhisten oder Hinduisten aufbewahrt werden.

Besonders beeindruckt hat Werner Herzog, der Anfang der 90er Jahre im Schevenhütter „Pfarrgarten” afrikanische Kunstgegenstände präsentierte, der Besuch in einem tibetischen Kloster. Dort sind viele Fotos entstanden, die beim Tibet-Vortrag Aufsehen erregten.