Stolberg: „Art Tour de Stolberg“: Charakterdarsteller und schöne Hühner

Stolberg: „Art Tour de Stolberg“: Charakterdarsteller und schöne Hühner

Faszinierende Skulpturen, beeindruckende Malerei, amüsante Exponate der besonderen „Art“ und mehr: Pünktlich zur fünften „Art Tour de Stolberg“ erwacht der Kunst-Frühling im Skulpturengarten und Atelierhaus Hammerberg.

Gastgeberin Birgit Engelen präsentiert beim Frühlingserwachen am Samstag, 3. Mai, ab 14 Uhr und der Kunstausfahrt am Sonntag bis zum Wochenende des Kulturfestivals „Stolberg goes Euregio“ teils neue und allesamt sehenswerte Werke von Künstlern, die in Stolberg bereits alte Bekannte sind. Etwa Doris Ott, die in der Kupferstadt geboren und aufgewachsen ist. Die diplomierte Grafikdesignerin und Lehrerin für Kunst und Gestaltungstechnik zeigt Acryl-Malereien aus ihrer Serie „Federwesen“.

In ihren Werken bringt Ott eine kraftvolle Hommage an die Schönheit und Vielfalt der Natur auf die Leinwände. Die Malerin lebt und arbeitet im deutsch-niederländischen Grenzgebiet Mergelland, wo sie etwa Nutztiere als lebende Kunstwerke vorfindet.

Ott setzt die Ästhetik von Hahn und Huhn eindrucksvoll künstlerisch in Szene, unterstreicht diese teils durch imposante Farbgebung und immer durch eine Formsprache, die nicht nur der Schönheit der Tiere gerecht wird, sondern ihnen gleichsam individuellen Charakter, Persönlichkeit verleiht. Doris Ott verhilft dem Betrachter dazu, die „Federwesen“ künftig mit einem anderen Blick zu sehen, die von ihnen ausgehende Faszination intensiver wahrzunehmen.

Willi Lemkes letzte Einzelausstellung in Stolberg war 1997, im Museum Zinkhütter Hof nahm der vielseitige Künstler 2009 an einer Gruppenausstellung teil. Vom Frühlingserwachen bis „Stolberg goes Euregio“ zeigt der Würselener im Skulpturengarten am Hammerberg Metallplastiken. Seine Skulpturen strahlen auf den ersten Blick Ruhe aus und bannen intensiv den Blick des Betrachters.

Die Objekte vereinen vermeintliche Widersprüche in kunstvollem Einklang: Harmonie erreicht Willi Lemke durch gleichförmige Elemente, Spannung durch ihre Anordnung. Seine Skulpturen wirken solide, wie für die Ewigkeit geschaffen, aber zum Teil auch verletzlich, mit fast filigranen, fragil anmutenden Elementen. Rost gibt den symbolhaften Plastiken einen farblichen Reiz und zeugt zudem von Vergänglichkeit. Doch diese gewollte Rostpatina wird teilweise wiederum vom Künstler konserviert, so dass der jetzige Zustand der Skulpturen erhalten bleibt.

Im Rahmen der Artibus-Reihe waren seine „Herrschaften“ 2010 in der Burg-Galerie zu Gast: Franz-Josef Kochs aus Alsdorf erzählt Geschichten. Nicht mit Worten, sondern mit Blei-, Bunt- und Wachsstiften — und mit der Schere, denn er malt und zeichnet Figuren und Szenen auf Pappe und schneidet sie aus. Im Atelierhaus am Hammerberg sind Kochs‘ kleinere Figuren einer Prozession ebenso zu sehen wie lebensgroße „Pappfreunde“, und gewiss werden sie nicht als Staffage dienen.

Die Figuren des Künstlers sind keine Statisten. Sie sind absolute Charakterdarsteller. Liebevoll und mit Humor entdeckt Kochs individuelle Eigenarten der Menschen und transportiert sie gekonnt mittels seiner Kunst. Seine Figuren enthalten Spuren von Comic und Karikatur, leben von Körperhaltung und Gesichtsausdruck. Gestik und Mimik amüsieren angenehm, Kochs‘ Szenerien und Figuren laden mit künstlerischer Herzlichkeit dazu ein, Zeit mit ihnen zu verbringen, Teil der Geschichten zu sein.

Gastgeberin Birgit Engelen gewährt Einblick in ihr plastisches wie malerisches Schaffen, präsentiert unter anderem aktuelle Steinskulpturen — und bei der Kunstausfahrt „Art Tour de Stolberg“ auch einen Genuss für die Ohren, denn am Sonntag, 4. Mai, wird das A-cappella-Ensemble „Fünflinge“ Livemusik beisteuern. Die vor drei Jahren gegründete Gruppe aus Stolberg, Eschweiler und Aachen bietet ab 14 Uhr ein modernes Programm aus eigenen Arrangements dar.

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