Stolberg: Archivstück des Monats: Lageplan schützt vor feindlicher Spionage

Stolberg : Archivstück des Monats: Lageplan schützt vor feindlicher Spionage

In diesem Jahr feiert die Region das 175-jährige Bestehen der Eisenbahnstrecke Köln-Aachen, die für die Entwicklung der Stolberger Industrie einen entscheidenden Impuls darstellte.

Das Eisenbahnwesen erlebt seitdem Höhen und Tiefen und auch in der Kupferstadt weiß man gut, welche positiven Effekte ein vitales Schienennetz hat. Vor genau einhundert Jahren, im August 1916, entstand bei der Königlichen Eisenbahn-Direktion Köln dieser großformatige Plan des Stolberger Bahnhofsgeländes — das Archivstück des Monats August.

Auf 68 Zentimeter Mal 146 Zentimeter zeigt der Plan aus dem dritten Jahr des 1. Weltkriegs das über zwei Kilometer ausgedehnte Areal, das als wichtiger Güterumschlagplatz für die Hauptstrecke wie auch für die Gleise Richtung Breinig-Walheim-Belgien sowie für die Industriebetriebe Münsterbuschs und des Birkengangs diente. Schier unendliche Gleiskilometer reihen sich aneinander.

Gut erkennbar sind die 1888 im Stolberger Hauptbahnhof aufgegangenen Gleisanlagen der Bahnhöfe Atsch und Velau, die nun ein verzweigtes Verladezentrum bildeten, wo Steinkohle, Rohstoffe und Produkte aus und für die Stolberger Industriebetriebe umgeschlagen wurden. Ungewöhnlich und Stolbergs topographischer und alter herrschaftlicher Struktur geschuldet, ist die territoriale Gliederung, die der Plan verrät: sämtliche Bahneinrichtungen liegen auf Gebiet der „Gemeinde Eschweiler“ und der damals selbstständigen „Gemeinde Eilendorf“.

Zum Stadtgebiet Stolberg gehört die „Stolberger Spiegelmanufactur“, heute St. Gobain Glasfabrik, im oberen Bereich des Plans, der nicht genordet ist. Es wird ersichtlich, dass die Eisenbahn so nah, wie es das Gelände ermöglichte, an das Stolberger Industriegebiet herangeführt wurde.

Der gedruckte Plan im Bestand „Karten und Pläne“ des Stadtarchivs datiert vermutlich nicht zufällig in die Zeit des ersten großen europäischen Konfliktes, in dem die Eisenbahnlogistik von kriegswichtiger Bedeutung war.

In Stolberg war ein Landsturmbatallion kaserniert, das für die Sicherung der Bahnanlagen vor Spionage und Sabotage durch feindliche Agenten zuständig war. Bahnhofsanlagen, Tunnel- und Brückenbauwerke waren mit Wachmannschaften besetzt und ein aktueller Lageplan war vermutlich eine notwendige Grundlage dafür.