Stolberg: Arbeiten am Stolberger Hauptbahnhof sind auf die Minute pünktlich

Stolberg : Arbeiten am Stolberger Hauptbahnhof sind auf die Minute pünktlich

„Es hat auf die Minute gepasst“, sagt am Morgen Daniel Karpenko mit einem zufriedenen Blick auf den wiederhergestellten Bahnsteig 43. Die Kante zum Gleis sitzt sauber. Dort wo bis Sonntag die Unterführung war, stehen Bretter einer Verschalung; rundherum ist der Bahnsteig erst einmal mit Schotter aufgefüllt.

Die Deutsche Bahn hat Freitagnacht den zweiten Teil ihrer Modernisierungsoffensive im Stolberger Hauptbahnhof gestartet. Den kennt Daniel Karpenko bereits aus dem vergangenen Frühjahr bestens. Als Bauleiter des von der DB beauftragten Generalunternehmers Albert Fischer aus dem niedersächsischen Elze hat sein Team im Januar vergangenen Jahres den „filigranen Laufsteg“ als provisorische Überführung gespannt und den Mittelbahnsteig barrierefrei und RRX tauglich ausgebaut.

Pünktlich fertig: Bahnsteig aufbrechen, Schienen unterbrechen, Tunnel verfüllen und Schienen sowie Bahnsteig wiederherstellen: Am Wochenende starteten aufwendig die Arbeiten für den neuen „Skywalk“ im Stolberger Hauptbahnhof. Foto: J. Lange

Für die Nutzung der ab Dezember diesen Jahres verkehrende Rhein-Ruhr-Express wurde der Bahnsteig auf einer für den Personenverkehr nutzbare Länge von 220 Meter von 38 auf 76 Zentimeter angehoben.

Weil Verträge zwischen Deutscher Bahn und der Euregio-Verkehrsschienennetz zur Nutzung ihrer Infrastruktur im Stolberger Hauptbahnhof fehlten, musste die 6,6 Millionen Euro kostende Offensive vier Monate nach Beginn eine Zwangspause einlegen. Nach wenig auffälligen Vorbereitungen nahmen die Bagger am Freitag um 23.15 Uhr wieder ihre Arbeit auf.

Dann aber musste es Schlag auf Schlag gehen. Zwei viel genutzte Gleise wurden im Bahnhof für den Zugverkehr gesperrt: Gleis 43, auf dem die aus Aachen kommende Euregiobahn einfährt, und Gleis 2 für den in Richtung Köln verkehrenden Regional-, International- und Güterverkehr.

Damit wurde Gleis 1 in Stolberg zum Nadelöhr für den Güterstrom zwischen den Nordseehäfen und der Rheinschiene ebenso wie für Thalys, ICE & Co. in beide Fahrtrichtungen. Entlastung veschaffte sich die Bahn, indem sie die Fahren des RE 1 strich oder auf den Bus verlagerte. Die Euregiobahn pendelte nur zwischen Düren und Altstadt, Samstagabend und Sonntag aber bis Breinig.

Die zwei Seiten der Unterführung

Derweil hat die Truppe von Daniel Karpenko auf und zwischen den Bahnsteigen 43 und 2 alle Hände voll zu tun. Schienen müssen durchtrennt und die Bahnsteigskante aufgetrennt werden, um an die alte Unterführung herankommen zu können.

Die Unterführung hat Geschichte. Im Laufe des vergangenen Jahres haben sich zwar viele Reisende sehnlichst nach dem Weg unter den Schienen hindurch nahe dem Bahnhofsgebäude zurückgesehnt — als kürzere und schnellere Verbindung zu den Zügen im Vergleich zum 220 Meter entfernt liegenden „filigranen Laufsteg“. Aber in vielen vergangenen Jahrzehnten zuvor war die Unterführung verrufen als dunkles Urinal, das zudem in letzter Zeit stetig von Wasser geflutet wurde.

Barrierefrei erreichbar war Stolbergs Mittelbahnsteig in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht. Zumindest spätestens seit Mitte der 1980er Jahre, als die Bahnsteige saniert wurden. Damit verschwanden auch die Absenkungen zum Gleisbett, die zuvor von Elektrowägelchen genutzt wurden, die Post und Gepäck zu den Zügen brachten. Diese Furten durften dann gelegentlich unter Betreuung von Bahnbediensteten von Rollstuhlfahrern und Kinderwagen genutzt werden.

Fertig zum Jahresende

Eine reguläre barrierefreie Erreichbarkeit wird — wenn alles nach Plan verläuft — zum Winter erreicht, wenn der sogenannte „Skywalk“ steht — eine Überführung vom Mittelbahnsteig über die Gleise 2, 43 und 44 hinweg zum Parkhaus mit beidseitigen Aufzügen. Dabei wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt an der Seite des im August letzten Jahres eingeweihten Parkhauses nachgebessert: Der Aufzug wird auf allen vier Ebenen der gleisseitigen Parkhausabschnittes halten und nicht wie ursprünglich angedacht nur im Parterre und am Oberdeck.

Doch das ist für Daniel Karpenko und seine Truppe noch Zukunftsmusik. An einem anstrengenden Wochenende hat sie es geschafft, dass der Zugbetrieb Montag wieder pünktlich seit 2 Uhr über Gleis 43 rollen kann. Gleis 2 bleibt derweil für den Verkehr noch gesperrt, da es hier als Arbeitsgleis dienen muss.

Nachdem die Unterführung verfüllt, der Bahnsteig wieder gekittet und die Gleise neu verlegt sind, ging es nach einer kleinen Verschnaufpause am Vormittag weiter für den Trupp des Spezialunternehmens mit den Arbeiten an den Fundamenten für den Aufzugsturm nebst einem 6,80 Meter langen Treppenauf- beziehungsweise abgang auf dem Mittelbahnsteig und dem Stützpfeiler auf dem Bahnsteig 43/44, wo auch die taktilen Elemente zur Barrierefreiheit ergänzt werden müssen, sowie für den Aufzug neben dem Parkhaus, was angesichts der Gleisferne für den Bautrupp das kleinste Übel ist.

Bis unter laufendem Zugbetrieb die Aufzugstürme und Stützpfeiler so installiert sind, dass die Überführung von einem Kran aufgelegt werden kann, wird es voraussichtlich Oktober werden. „Ich freue mich jedenfalls schon darauf, das Projekt hier in Stolberg auch vollenden zu können“, sagt Karpenko und widmet sich wieder seiner Baustelle.

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