Stolberg-Donnerberg: Anna-Klöcker-Straße: Angst vor den Folgen des Bergbaus

Stolberg-Donnerberg: Anna-Klöcker-Straße: Angst vor den Folgen des Bergbaus

Der Traum vom eigenen Haus wird für die Bewohner im Baugebiet Anna-Klöcker-Straße zum Albtraum. Der besagt, dass ihre Neubauten in der Erde verschwinden könnten. Laut einem vor wenigen Tagen im Auftrag der VR-Bank und der genossenschaftlichen Bankaktiengesellschaft BAG vorgelegten Gutachten stehen mindestens fünf Gebäude in einem Bereich „der von Bebauung freizuhalten und gegen Betreten zu sichern ist”.

Schächte und Folgeschäden der Bergbauaktivitäten in den Feldern „Wolfeter Hoffnung” und „Hammerberg” sind demnach die Ursachen.
„Wir fühlen uns von der Bank betrogen”, bewerten Nicole und Sascha Sobotka ihre Situation. Denn die sei bereits 2003 durch ein Gutachten des Büros Heitfeld-Schetelig informiert gewesen über die Situation.

Als sie 2007 ihr Haus mit der Nr. 30 errichteten sei die Lage auf einem der Schächte und seines Einwirkungsbereiches bekannt gewesen. Andere betroffene Eigenheim-Besitzer sind über die Situation noch nicht informiert, weil sie in Urlaub weilen.

Weitere Donnerberger haben Angst, doch betroffen zu sein, zumal die aktuellen Erkenntnisse weitergehend sind, als das Gutachten 2003 aussagte. „Ich bin ja nicht betroffen”, bemüht Nachbar Wolfgang Marx Galgenhumor. Doch die Angst sitzt an der Anna-Klöcker-Straße tief.

Die vertreibt auch nicht die angelaufenen Bohrungen und Verfüllungen zur Sicherung der Schäden. „Dadurch ist unser Haus erst einmal einen Zentimeter gesackt”, bilanziert Sobotka. Wenige Meter weiter hat es kürzlich einen Einbruch gegeben, der nun mit Beton verfüllt und umzäunt ist.

Betroffen ist neben dem neuen Spielplatz auch die Erschließungsstraße die jetzt fertiggestellt werden soll. Und vor allem die Geldbörse. Auf zig-zehntausende Euro summieren sich die Sicherungskosten pro Haus. Laut Gutachten werden sie auf insgesamt 475.000 Euro plus Nebenkosten geschätzt. „Wer soll das bezahlen?” fragen sich die Bewohner.

Etwa ein Dutzend hat bereits einen Anwalt eingeschaltet. Er fordert für Direktbetroffene eine Evakuierung, was die Bank für nicht erforderlich hält.

Angesichts mangelnden Entgegenkommens und fehlender Informationspolitik seitens der Verkäuferin machen sich die Betroffenen bereits Mut angesichts erwarteter langwieriger Gerichtstermine.

„Wir können erst einmal nur versuchen, eine schnelle Einigung zu bewirken”, erklärte auf Anfrage der städtische Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt. Die Stadt hatte vor zehn Jahren die früheren Laubenganghäuser abgerissen, einen Bebauungsplan erstellt und das rund 23.000 Quadratmeter große Gelände letztlich an die heutige VR-Bank verkauft; diese reichte im vergangenen Jahr die verbliebenen Grundstücke an die BAG weiter.

70.000 Euro zahlte die Stadt im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs 2005 an die VR-Bank wegen höherer Aufwendungen bei der Gründung angesichts der Bergbauaktivitäten. „Davon war uns früher nichts bekannt; ihr Gutachten von 2003 hat die Bank uns erst jetzt vorgelegt”, erklärte Pickhardt.

Zivilrechtlich sieht der Fachbereichsleiter die Stadt außen vor; ob Versäumnisse bei Bauleitplanung oder -genehmigung vorliegen, werde derzeit geprüft, was angesichts des Zeitraums ein schwieriges Unterfangen sei.

Am Montag werden auf einer am Freitag einberufenen Konferenz der Vorsitzenden die Ratsfraktionen informiert. Die Banken waren am Abend nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.