Stolberg: Angst nehmen vor der Verantwortung im Ehrenamt

Stolberg: Angst nehmen vor der Verantwortung im Ehrenamt

Wie kann man die Lebendigkeit in Sport, Kultur und Brauchtum bestmöglich erhalten und ausbauen? Diese Frage stellte die SPD bei ihrem vorletzten Bürgerdialog - und sie bekam Antworten der Akteure aus den drei Bereichen, die der Einladung in den Wintergarten der Stadthalle gefolgt waren.

Vorschläge und Anregungen, die auf den einzelnen Veranstaltungen gesammelt werden, will die SPD anschließend prüfen und gegebenenfalls in ihr Wahlprogramm, das am 25. Juni verabschiedet werden soll, aufnehmen.

Ihre eigenen Leitpunkte hatte Martin Peters - Vorsitzender der Stolberger SPD und Bundestagskandidat, zuvor kurz skizziert: Beste Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement; Erhalt, Anpassung und Erneuerung der städtischen Infrastruktur; Zugänglichkeit von Sport-, Kultur- und Brauchtumsangeboten für alle in der Stadt lebenden Menschen und die Förderung dieser Angebote durch öffentliche, aber auch private Akteure.

Dass dies nicht immer einwandfrei funktioniert und der Bedarf nach Hilfe groß ist, wurde gleich zu Beginn des anschließenden Dialogs deutlich. Viele Ehrenamtler seien verunsichert, gerade was Haftungsfragen in der Vereinsarbeit angehe, klagte Günther Severens, Vorsitzender des Stadtsportverbands. Dieser biete zwar Schulungen für seine Mitglieder an, die sich jedoch nur an die Sportvereine der Stadt richten. Die Verunsicherung, das wurde deutlich, gelte aber auch für die Akteure in Kultur und Brauchtum.

„Es ist wichtig, den Mitgliedern von Vereinen die Angst davor zu nehmen, ein Vorstandsamt zu bekleiden und Verantwortung zu nehmen”, brachte es Dieter Jollet, Vorsitzender des SV Breinig, auf den Punkt. Eine Anregung, die von den Sozialdemokraten aufgenommen wurde: Das Ziel, als Kommune regelmäßige Informationsveranstaltungen zu Haftungs-, Versicherungs- oder Finanzfragen anzubieten, könne durchaus den Weg ins SPD-Wahlprogramm finden, sagte Martin Peters.

„Stolberg ist Diaspora”

Nicht nur als Anregung, sondern als unmissverständliches Verlangen wollten die Sportvertreter ihre Forderung verstehen, dass die Verwendung der Sportpauschale, die das Land der Kommune zuweist, zweckgebunden wird - für den Erhalt und die Erneuerung von Sportanlagen.

Und noch etwas: „Wir sind von Kunstrasen umzingelt”, klagte Dieter Jollet, dass aus diesem Grund Jugendliche reihenweise abwanderten nach Rott, Hahn, Walheim, Eilendorf, Verlautenheide, Bergrath oder Wenau. „Stolberg ist Diaspora”, so der Breiniger Vorsitzende. Fraktionsvorsitzender Dieter Wolf erinnerte in diesem Zusammenhang noch einmal an den von der SPD gemeinsam mit der Gestaltungsmehrheit eingeschlagenen Weg, pro Jahr einen (Fusions-)Verein in Bezug auf moderne Sportanlagen fördern zu wollen. Dabei solle es auch nach der Wahl bleiben, wenn die dann geltenden Mehrheitsverhältnisse dies zuließen.

Grundsätzlich gut aufgestellt sehen die Akteure die Stadt Stolberg in Sachen Kulturförderung. Die SPD will einen Vorschlag von Kulturmanager Max Krieger aufnehmen, diese einzubinden in ein städteregionales Förderkonzept. „Wir sind mit dem, was wir tun, am Limit”, sprach Krieger die personellen und finanziellen Grenzen an, die durch eine Zusammenarbeit mit den Kommunen der Städteregion ausgeweitet werden könnten.

Und auch aus den Reihen der Brauchtumsvertreter - die SPD hatte Karnevals-, Schützen- und Heimatvereine angesprochen - wurde ein Vorschlag von den Sozialdemokraten aufgegriffen, auch wenn dieser nicht unbedingt ins Wahlprogramm müsse, so Peters. Es werde aber ein Prüfauftrag erstellt, ob nicht die unterschiedlichen Vertragsbedingungen, die für die Bürgerhäuser in den einzelnen Stadtteilen gelten, vereinfacht und vereinheitlicht werden können.

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