Stolberg: Angebot der Stadtbücherei schrumpft und schrumpft

Stolberg: Angebot der Stadtbücherei schrumpft und schrumpft

Das nächste Kapitel, das in der Geschichte der Stadtbücherei aufgeschlagen wird, hat 29 Seiten. Literarisch hochwertig ist es nicht, aber die Aussage wird eindeutig sein. Denn auf den 29 Seiten stehen 350 Unterschriften.

Gesammelt wurden sie vom Förderverein der Stadtbücherei, Ende der kommenden Woche sollen sie an Bürgermeister Ferdi Gatzweiler übergeben werden. Der Förderverein möchte damit deutlich machen, dass es so nicht weitergehen kann mit der Stadtbücherei. Beklagt werden die „unerträgliche Personalsituation”, kürzer Öffnungszeiten, die gestiegene Zahl der Schließungstage. Das ist nicht neu. Bereits mehrfach hat der Förderverein auf die aus seiner Sicht unhaltbaren Zustände in der Bücherei aufmerksam gemacht (wir berichteten). „Aber jetzt”, sagt Barbara Bisping-Bau, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, „mussten wir einfach etwas tun.”

Bei Krankheit geschlossen

Auslöser für die Unterschriften-Sammelaktion war die Nachricht, das im laufenden Jahr erstmalig die beliebte Sommer-Lese-Rallye ausfallen wird. Dabei konnten Kinder im Grundschulalter Bücher ihrer Wahl lesen, über die Inhalte wurden sie dann von Bücherrei-Mitarbeitern oder Mitgliedern des Fördervereins in einer Art spielerischem Quiz abgefragt. Als Belohnung gab es für jedes Buch einen Stempel und am Ende der Rallye durften alle Teilnehmer gemeinsam einen Film anschauen. „Eine wirklich schöne Aktion”, sagt Bisping-Bau und dann erzählt sie davon, wie wichtig es auch im Internet-Zeitalter ist, von kleinauf die Lesekompetenz zu fördern.

Natürlich, die Konkurrenz für das Buch sei gerade in den vergangenen Jahren stark gewachsen, aber ohne gehe es eben auch nicht. Bisping-Bau formuliert es so: „Ohne die Fähigkeit, Texte zu verstehen, kommt man nicht weiter - nicht in der Schule, nicht in Ausbildung und Studium.”

Andreas Pickhardt sieht das ähnlich. Und der zuständige Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung räumt ein, dass man „beim Stricken des Dienstplanes” für die Bücherei „ein bisschen zu eng genäht” habe. Derzeit ist es so, dass die Einrichtung auch während ihrer knapp bemessenen Öffnungszeiten schließen muss, wenn einer der Mitarbeiter krank wird.

Hoffnung auf geregelten Betrieb

Pickhardt kann aber zumindest Hoffnung auf einen geregelten Betrieb machen - frühestens nach dem 1. Oktober allerdings. Zu diesem Datum soll neues Personal eingestellt werden. Warum das nicht früher geht, erklärt Pickhardt so: „Noch läuft eine einjährige Besetzungssperre. So sind die Vorschriften.” Im Oktober 2010 hatte eine Bücherei-Mitarbeiterin gekündigt, danach wurden die Öffnungszeiten reduziert. Der Plan, die ehemaligen Ein-Euro-Jobber, die in der Bücherei arbeiteten, durch die neuen, sogenannten Bürgerarbeiter zu ersetzen, scheiterte an bürokratischen Hürden. „Das war ein Schlag ins Kontor”, sagt Pickhardt, der gleichsam betont, dass die Stadt gewillt sei, in der Bücherei eine weitere Teilzeitstelle zum 1. Januar zu besetzen.

Die Einrichtung zu finanzieren oder eben nicht, ist eine Entscheidung, die die Kommune selbst treffen kann und muss. Es gibt keine Verpflichtung dazu, der Betrieb einer Bücherei gehört zu den freiwilligen Aufgaben. Pickhardt sagt, dass es durchaus Leute gibt, die die Ausgaben in diesem Bereich kritisch sehen. Er gehöre nicht dazu. Für eine 58.000-Einwohner-Stadt wie Stolberg sei eine öffentliche Bücherei vielmehr eine Art soziale Grundlage.

In diesem Punkt wird ihm Bisping-Bau nicht wiedersprechen, sie sagt, dass die Stadt stolz auf die wunderbare Einrichtung sein können: „Eine so schöne Bücherei findet man im gesamten Umkreis nicht.” Und über die alles andere als rosige finanzielle Situation Stolbergs sei sich im Klaren.

Wenn nach der Sommerpause ein erster Haushaltsplanentwurf steht, wird auch darüber entschieden, ob der Medienetat der Bücherrei ab 2012 aufgestockt wird, aber wahrscheinlich wird auch jemand auf die Idee kommen, dass die Bücherrei die Stadt Geld kostet, das sie im Moment eben nicht hat. Die Entscheidung über die Zukunft der Einrichtung ist in eine politische und so gesehen, scheint die Idee mit der Unterschriftensammlung nicht schlecht gewesen zu sein. Das nächste Kapitel in der Geschichte der Bücherrei ist noch nicht geschrieben. Sicher ist nur, dass ihr Ende derzeit ziemlich offen ist.

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